Bromskirchen-Somplar

Fischdiebe flüchten nackt zurück nach Waldeck

- Bromskirchen-Somplar (nih). Einen Vortrag über die Grenzstreitigkeiten an der Nuhne hielt Oberarchivar a.D. Armin Sieburg vom Marburger Staatsarchiv am Samstagabend im Somplarer Dorfgemeinschaftshaus.

Zahlreiche Interessierte waren der Einladung des Fördervereins Brauchtum und Heimatpflege, der den Abend organisiert hatte, gefolgt. Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Somplarer Singkreis. Unter der Leitung von Siegfried Jungmann sang der Chor die Titel „Lied der Freude“ und „Gefüllt das Glas“. Um „das kleine Flüsschen, das jahrhundertelang immer wieder im Mittelpunkt der Geschichte der Gegend“ gestanden habe, ging es dann im Vortrag Sieburgs. 400 Jahre lang habe der Kampf um den Besitz an der Nuhne und deren Nutzung zum Beispiel zur Wässerung der Felder gedauert. An den Streitereien beteiligt waren die vier Territorien Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Waldeck und Kurköln, zu denen die Grenzorte Hallenberg, Bromskirchen, Somplar, Braunshausen, Rengershausen und Neukirchen zählten. Die Bewohner an der Nuhne bekämpften sich mit harten Mitteln und wussten sich zu wehren, sobald ein ihrer Meinung nach Unbefugter sich auf dem Land ihres Territoriums befand. So pfändeten sie Schafe von Schäfern, die auf Wiesen ihres Territoriums hüteten, raubten Kühe, Pferde und Schweine, hetzten Hunde auf eine Gänseherde, die sie zusätzlich mit Vorderladern beschossen, sabotierten die „gegnerischen“ Felder und raubten die Erträge. Zahlreiche Streitereien endeten in blutigen Schlägereien oder im Gefängnis zum Beispiel in Frankenberg. Zum Schmunzeln brachte die Zuhörer eine Begebenheit, die sich im Jahr 1728 an der Nuhne abspielte. Ein Forellenfänger ertappte zwei Waldecker beim Fischdiebstahl auf dem Boden Hessen-Kassels. Diese hatten die Fische in ihren Kleidern am Nuhneufer gesammelt. Als sie bemerkten, dass sie ertappt worden waren, liefen sie nackt zurück nach Wal­deck. Letzten Endes erhielten sowohl die Fischdiebe als auch der Forellenfänger eine geringe Geldstrafe, da dieser bei der Verfolgung der Fischräuber unbefugt Waldecker Hoheitsgebiet betreten hatte. – Ein Ende fanden die Auseinandersetzungen zwischen Rengershausen, Braunshausen, Somplar, Hallenberg und Bromskirchen im Jahr 1866, da die Dörfer seit diesem Jahr alle zum Territorium Preußens gehörten. Die Grenzstreitigkeiten zwischen Preußen und Waldeck hielten jedoch noch bis zum Jahre 1929 an, da Waldeck erst in diesem Jahr seine Selbstständigkeit verlor. „Dass aus einstigen Feinden gute Freunde werden können, zeigt unter anderem der Bau der Fußgängerbrücke zwischen Braunshausen und Rengershausen“, sagte Sieburg am Ende seines Vortrags. Die Nuhne stelle heute keine Grenze mehr dar, die Bewohner der ehemaligen Grenzorte lebten nun friedlich und freundschaftlich nebeneinander.Der Vorsitzende des Somplarer Heimatvereins, Peter Vaupel, dankte Sieburg für seinen interessanten Vortrag und überreichte ihm – passend zum Vortragsthema – eine Somplarer Grenzwurst.

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