Dicke Schichten über dem Müll

Flächen der Kreisdeponie bei Flechtdorf werden rekultivieren

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Am „Probefeld“ der rekultivierten Fläche auf der Abfalldeponie nahe Flechtdorf – von links: Daniel Wagner und Ralph Schmidt vom Ingenieurbüro Gröticke, der Erste Kreisbeigeordnete und Abfalldezernent Karl-Friedrich Frese, Polier Michael Hutwelker und der Leiter des kreiseigenen Eigenbetriebs Abfallwirtschaft, Egbert Blanc.

Diemelsee-Flechtdorf. Auf dem Gelände der Abfalldeponie bei Flechtdorf rollen derzeit die Bagger, schwere Lastwagen bringen Ton, Schotter und Erde heran: Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Kreises lässt den Müllberg auf einer Grundfläche von rund 7000 Quadratmetern abdichten und rekultivieren.

Bis etwa 1983 wurde auf dieser Fläche Restmüll aus dem gesamten Kreis abgelagert. Der Untergrund aus Ton und Schiefer gilt nach Einschätzung der Aufsichtsbehörden zwar als dicht, allerdings fehlt eine „Grundabdichtung“ – sie war nach damaliger Gesetzeslage noch nicht erforderlich. Deshalb sei heute eine um so aufwendigere Oberflächenabdichtung erforderlich, erläutert der Leiter des Eigenbetriebs, Egbert Blanc. Sie solle verhindern, dass Regenwasser von oben in den Müll eindringe und womöglich gefährliche Stoffe ausspült. Die Abdeckung bestehe aus mehreren Schichten:

Unten liegt eine Tragschicht aus 30 Zentimetern heimischem Schiefergestein, etwa 3000 Kubikmeter.

Aus dem Knüll wurden rund 6500 Kubikmeter Ton herantransportiert und in drei Lagen aufgetragen.

Abgedeckt von je einer Lage Trennflies wurde eine 1,50 Meter dicke Schicht aus Schotter verteilt, insgesamt um die 2500 Kubik.

Auf diese 2,80 Meter dicken Lagen kommt eine letzte, 1,50 Meter dicke Schicht aus 15.700 Kubikmeter „Rekultivierungsboden“, also Erde aus Korbach und Umgebung. Sie soll Regenwasser speichern.

Überschüssiges Wasser wird über Drainagegräben abgeführt. Da aus dem Müll keine Gase mehr austräten, sei keine Auffangvorrichtung erforderlich, erklärt Blanc.

Die Erde werde mit einem Mix aus heimischen Kräutern bepflanzt, berichtet Blanc. Das sehe der neue, mit den Naturschutzbehörden abgestimmte Rekultivierungsplan vor. Zuvor seien Flora und Fauna ein Jahr lang begutachtet worden.

Schafe weiden lassen

Die Pflege der neuen Magerrasen-Fläche solle die Herde eines Schäfers übernehmen, sagt Blanc – schon jetzt weideten von April bis Oktober rund 200 Schafe auf den Flächen der Deponie.

Inzwischen ist ein 20 mal 80 Meter großes „Probefeld“ angelegt, auf dem Kategorien wie Standfestigkeit und Dichtigkeit überprüft werden. Täglich werden Proben aus allen Abdeckschichten gezogen und untersucht. Auch zwei Überwachungsfirmen kontrollieren ständig. Sobald das Kasseler Regierungspräsidium die Genehmigung gibt, wird die gesamte 1,5 Hektar große Fläche hergerichtet.

Anfang April hätten die Arbeiten begonnen, berichtet Blanc, bis Ende August sollen sie abgeschlossen sein. „Es läuft gut.“ Alle Geräte würden über das Satellitensystem GPS gesteuert, berichtet Polier Michael Hutwelker. Dadurch reduziere sich der Vermessungsaufwand, was Zeit und Kosten spare, fügt Ralph Schmidt vom Berndorfer Ingenieurbüro Gröticke hinzu.

Die Kosten lägen bei voraussichtlich 1,65 Millionen Euro, berichtet der Erste Kreisbeigeordnete und Abfalldezernent Karl-Friedrich Frese beim Ortstermin. Der Eigenbetrieb habe gewusst, dass die Rekultivierung anstehe, deshalb habe er schon seit Jahren Gelder angespart, erklärt Blanc. Die Gebührenzahler würden also nicht zusätzlich belastet. „Wir wollen diese Altlast abarbeiten“, versichert Frese.

Weitere 55.000 Quadratmeter stehen aus

Von 1973 bis 2005 wurde auf der einzigen Abfalldeponie des Kreises bei Flechtdorf auf etwas mehr als 115.000 Quadratmetern Grundfläche Restmüll abgelagert. Bereits 1994/95 wurde der erste Abschnitt mit rund 55.000 Quadratmetern abgedichtet und rekultiviert. 

Nach den derzeit laufenden Arbeiten auf 7000 Quadratmetern müssten noch weitere 55.000 Quadratmeter hergerichtet werden, sagt Egbert Blanc. „Das wird einfacher“ – Anfang der 1990er-Jahre gingen die beiden Kompostierungsanlagen in Flechtdorf und Geismar in Betrieb, auf die Flechtdorfer Deponie kam kein verrottbares Material mehr, das Gase hätte bilden können. Außerdem wurde 1995 eine Zwischendeckschicht aus Ton eingezogen. 

2019 sollen die Planungen für die letzten Flächen beginnen, in „Jahresabschnitten“ würden sie umgesetzt, berichtet Karl-Friedrich Frese. Angepeilt ist, 2025 fertig zu werden. Die Kosten schätzt Blanc auf 7 Millionen bis 7,5 Millionen Euro. „Die Mittel sind in der Rücklage vorhanden“, betont Frese.

Quelle: HNA

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