Investoren planen Unterkunft für Asylbewerber in Löhlbach

Flüchtlinge ziehen ins Gasthaus ein

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Im bisherigen Gasthaus Möller in Löhlbach könnten im Juli die ersten Asylbewerber einziehen. Die Betreiber haben das Gebäude an zwei Investoren verkauft.Foto: Tobias Treude

Haina-Löhlbach - Mehr als 100 Jahre lang fanden Menschen im Gasthaus Möller in Löhlbach Unterkunft, Speis und Trank. Jetzt haben die Besitzer das Gebäude verkauft, doch es bleibt Leben in den Räumen. Asylsuchende sollen dort ab Juli unterkommen.

Zentral im Ort gelegen steht das alte Gasthaus Möller. Dort, wo sich Haus an Haus reiht und der Weg durch Löhlbach nur über schmale Gassen führt. Schon länger hatten die Besitzer Elisabeth und Willi Möller den Verkauf geplant, in der vergangenen Woche ging dann alles ganz schnell. Das Gebäude gehört nun zwei Privatinvestoren.

Aus dem Gasthaus wird nach Auskunft von Hartmut Wecker, Sprecher des Landkreises Waldeck-Frankenberg, eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber, wie es im Beamtendeutsch heißt. „Eine Erstnutzung soll nach den Renovierungsarbeiten ab dem 1. Juli möglich sein“, erklärt Wecker. Wenn alles nach Plan läuft, könnten dann bis zu 32 Flüchtlinge in das ehemalige Gasthaus einziehen. Nach einem weiteren Bauabschnitt wäre dort ab Januar Platz für 42 Menschen. In einem Interessenbekundungsverfahren suchte der Landkreis nach geeigneten Unterkünften, dabei brachten die neuen Eigentümer das bisherige Gasthaus Möller ins Spiel.

Umstände ärgern Backhaus

Hainas Bürgermeister Rudolf Backhaus kritisiert, dass er bis heute nicht ein Wort von den Investoren gehört habe: „Wenn ein Objekt dieser Größe umfunktioniert wird, dann hat das Auswirkungen auf den Ort. Und dann sollte ein Käufer die Gemeinde vorher wenigstens informieren.“ Die Gemeinde wolle und müsse den Flüchtlingen helfen, er habe auch keine Befürchtungen, dass es von Seiten der Löhlbacher Hass oder Feindlichkeit gegenüber den Asylbewerbern geben könne. „Das, was wir können, wollen wir zur Unterstützung beitragen.“ Den Rathauschef ärgern allerdings die Umstände. Bei 42 Bewohnern in dem Gebäude im engen Ortskern sieht er im Alltag vor allem aus räumlichen Gründen Probleme - ob es zu wenig Plätze für mögliche Autos oder aber die Mülltonnen sind. „Auch in anderen Orten treten Schwierigkeiten auf, das lässt sich nicht wegwischen“, sagt Backhaus.

Bei der Anzahl der Bewohner in der künftigen Sammelunterkunft kommt der Landkreis wieder ins Spiel. Der hat der Gemeinde Haina vor zwei Wochen ein Schreiben mit der Bitte um eine „Stellungnahme zur sozialen Verträglichkeit“ zukommen lassen. Diese Stellungnahme würden aber erst die Ortsbeiräte besprechen, und deren Hinweise wiederum diskutiere der Gemeindevorstand, erklärt Rudolf Backhaus. Geplant sei, den Landkreis darauf hinzuweisen, dass 42 Bewohner im Gasthaus Möller zu viel seien, etwa 20 Plätze wären angemessener. Doch ob die Gemeinde überhaupt antwortet, ist noch offen. „Da der Investor das Gebäude schon gekauft hat, scheint ja mit dem Landkreis alles klar zu sein. Die Stellungnahme wäre dann absurd“, ärgert sich Backhaus.

Landkreis hat Zeitdruck

Auch für Ortsvorsteher Wolfgang Landau ist die entscheidende Frage, wie viele Asylbewerber letztendlich in Löhlbach eine Unterkunft finden. „40 Leute in einem Haus wäre schon sehr viel, das könnte auch Probleme geben.“ Dass die Möllers aus Altersgründen das Gasthaus gern verkaufen wollten, habe er schon seit längerer Zeit gewusst. Dass der Investor dort eine Unterkunft für Flüchtlinge plane, sei erst in der vergangenen Woche konkret geworden.

Hartmut Wecker verweist indes auf den Zeitdruck, unter dem der Landkreis stehe, da mehr Plätze für Asylbewerber geschaffen werden müssten. Ein Szenario wie in den 1990ern, als in Korbach auf dem Gelände der ehemaligen belgischen Kaserne Zelte für eine Notunterkunft aufgestellt werden mussten, wolle niemand noch mal erleben. „Wir wollen den Flüchtlingen menschenwürdige Bedingungen bieten“, sagt Wecker.

Hintergrund

Derzeit bietet der Landkreis 524 Menschen Asyl. Das ist der Stand der vergangenen Woche. Seit Jahresbeginn sind 45 neue Flüchtlinge in Wal-
 deck-Frankenberg angekommen. „Die Zahl ändert sich von Woche zu Woche, da sich bei manchen der Status ändert und andere das Land wieder verlassen“, erklärt Dr. Hartmut Wecker, Pressesprecher des Landkreises. Da die Zahl der Flüchtlinge vorerst wohl steigt, werden auch weitere Unterkünfte benötigt. Durch das Ausschreibungsverfahren hat der Landkreis laut Wecker zwei weitere Gebäude in der engeren Auswahl. Zu den genauen Standorten gibt es vorerst keine Informationen. (tt)

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