Flugschau mit Toten 2008: Unglückspilot im Clinch mit Haftpflichtversicherung

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Hier geschah das tragische Unglück: Unser Archivbild zeigt die gelbe Propellermaschine auf dem Flugplatz Eisenach-Kindel. Der Unfallvom 26. April 2008 forderte zwei Tote, darunter ein14-jähriges Mädchen aus Gemünden, und 17 Verletzte. Foto: Koch/ddp/nh

Eisenach / Gemünden. Der tragische Tod einer damals 14-Jährigen aus Gemünden bei einer Flugschau in Thüringen vor gut sechs Jahren beschäftigt weiter die Gerichte: Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat am Mittwoch über einen versicherungsrechtlichen Streit im Gefolge des Unfalls entschieden. Der Fall wurde an das Hanseatische Oberlandesgericht zurückverwiesen.

Eine knallgelbe Propellermaschine war am 26. April 2008 beim Start zu einer Feuerlöschvorführung nicht vom Boden weggekommen. Das Agrarflugzeug raste stattdessen in eine Menschenmenge am Rande des Flugfelds nahe Eisenach. Eine Süßwarenverkäuferin, die an einem Zuckerwattestand stand, wurde sofort getötet, 17 Menschen wurden verletzt. Das 14-jährige Mädchen aus Gemünden (Landkreis Waldeck-Frankenberg) erlag zwei Tage später im Klinikum Fulda ihren schweren Verletzungen.

Die Jugendliche war Mitglied der Rettungshundestaffel Kellerwald-Schwalm und besuchte die Flugschau, um dort die Arbeit ihrer Gruppe mit vorzustellen.

Vor dem BGH ging es jetzt um die Frage, ob der Unglückspilot von damals und die Halterin des Flugzeugs Anspruch auf finanzielle Rückendeckung ihrer Haftpflichtversicherung haben. Die Versicherung hatte die Regulierung der Schäden abgelehnt. Es soll um eine Summe von deutlich über einer Million Euro gehen.

Ein Grund für das Nein der Assekuranz: Für diesen speziellen Flug mit Wasserabwurf aus einem Tank an Bord habe der Pilot nicht die nötigen Erlaubnisse und Befähigungsnachweise gehabt. Deshalb bleibe nach den Bedingungen der Police der Versicherer außen vor. Dagegen hatten der Unglückspilot und die Flugzeughalterin geklagt - und waren sowohl vor dem Landgericht Hamburg als auch dem Hanseatischen Oberlandesgericht gescheitert.

Der BGH allerdings war anderer Meinung als die Vorinstanzen: Der Hinweis auf eine fehlende, weil nicht rechtzeitig verlängerte Berechtigung des Piloten für den speziellen Schauflug reiche nicht, um Zahlungen des Versicherers an Opfer und Geschädigte der Tragödie auszuschließen. Dafür müsse den Klägern insbesondere ein Verschulden vorzuwerfen sein.

Der Pilot der Maschine, der bei dem Unfall selbst schwere Verletzungen erlitten hatte, war vom Amtsgericht Eisenach wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Gefährdung des Luftverkehrszunächst zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Meiningen revidierte im Berufungsprozess das Urteil auf ein Jahr und zehn Monate zur Bewährung. Die Angehörigen des toten Mädchens aus Gemünden hatten als Nebenkläger selbst gegen eine Haftstrafe plädiert. Sie wollten den Angeklagten, der selbst Familie habe, nicht hinter Gittern sehen. „Ich habe ihm verziehen“, sagte der Mann.

Mitteilung des BGH: http://zu.hna.de/bgh1605

Quelle: HNA

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