Landgericht revidiert erstes Urteil gegen 37-Jährigen

Flugschau-Unglück: Bewährungstrafe für Piloten

Meiningen/Gemünden. Im Berufungsprozess um das Eisenacher Flugschau-Unglück 2008 mit zwei Toten ist der 37-jährige Pilot zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Das Landgericht Meiningen revidierte am Donnerstag das Strafmaß des Amtsgerichts Eisenach, das den Mann 2009 wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen und Körperverletzung in 17 Fällen sowie Gefährdung des Luftverkehrs zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt hatte.

Das Gericht ließ sich auch von der Position der Hinterbliebenen leiten, die als Nebenkläger gegen eine Haftstrafe waren. Dies sei für eine Sühne nicht notwendig, argumentierte der Vater des toten Mädchens aus Gemünden. Er habe dem Piloten verziehen.

Vor dem Landgericht Meiningen bewegte am Donnerstag am meisten das Plädoyer des Vaters der 14-jährigen Lisa aus Gemünden. „Was ist der Preis für eine tote Tochter?“, fragte er. Niemand, so der Vater, wolle, dass der Pilot hinter Gitter kommt.

Er habe sich zunächst schwer getan, den Piloten zu verstehen. Denn der verlor sich auch in der Berufungsverhandlung in technischen Details und Erklärungsversuchen, die wie Ausreden klangen. Erst nach einem Pausengespräch mit ihm habe Lisas Vater verstanden, dass es dem 37-Jährigen wirklich leid tue, dass er am 26. April 2008 überhaupt gestartet war.

„Das hätte ich nicht tun dürfen“, gestand der Unglücks-Pilot erstmals ein. Denn nicht er, sondern sein Fluglehrer war angemeldet. Weil der aber verhindert war, sprang er ein – einfach, weil er nicht widerstehen konnte. Der Staatsanwalt sprach von einer „grenzenlosen Selbstüberschätzung“ des Piloten, der nach nur 18 Flugstunden Erfahrung ein bis an die Grenze beladenes Flugzeug fliegen wollte.

Der Mann habe damit grob fahrlässig gehandelt und gegen mehrere Regeln verstoßen. Er habe es in der Hand gehabt, das Unglück zu verhindern. Dem Veranstalter treffe allerdings eine gewisse Mitschuld. Er hätte den Mann nicht starten lassen dürfen. Warum er nach dem Ausbrechen der Maschine auch noch Vollgas gab? „Ungesunder Ehrgeiz“, vermutete Lisas Vater, der dem Piloten schließlich dennoch erklärte: „Ich habe Ihnen wirklich vergeben“. (dpa/red)

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Quelle: HNA

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