Fichtenbestände vorerst gerettet

Forstamt Burgwald dankt Helfern bei der Kampagne gegen den Borkenkäfer

Betriebsfest: Forstamtsleiter Eberhard Leicht (Mitte, mit
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Betriebsfest: Forstamtsleiter Eberhard Leicht (Mitte, mit Foto eines Borkenkäfers) mit einigen Helfern beim Einsatz gegen den Käferbefall. Von links: Erwin Drescher und Christian Fenner (beide Forstamt Jesberg), Björn Weltecke (Hessen-Forst Kassel), Hubertus Wachsmuth und Brigitte Küch (ehrenamtliche Käferscouts), stellvertretende Forstamtsleiterin Christina Lorey, Stefan Schunder (Forstamt Frankenberg) und Käferscout Bernd Hupfeld.

Der Borkenkäfer hat im Sommer den gesamten Fichtenbestand im Burgwald bedroht. Ein großer Teil konnte in einem riesigen Kraftakt gerettet werden. Noch nicht absehbar ist, wie sehr der Käfer im kommenden Jahr zuschlagen wird.

Burgwald – Die pensionierten Förster Bernd Hupfeld und Hubertus Wachsmuth und die Jägerin Brigitte Küch sind erschüttert. Sie gehören zu den Freiwilligen, die im Burgwald regelmäßig Fichtenbestände auf den Befall von Borkenkäfern kontrollieren. „2019 und 2020 war der Befall schon erschreckend. Doch in diesem Jahr ist es schlimmer als in den beiden vorherigen Jahren zusammen“, berichten sie beim Betriebsfest des Forstamts Burgwald.

Trotz der Freude über die Einladung zum Fest war ihre Stimmung gedämpft. Denn solch einen Käferbefall hatten sie in den vergangenen Jahrzehnten nicht erlebt. Forstamtsleiter Eberhard Leicht nannte in seiner Begrüßung dazu Zahlen, die die enorme Schadensdimension verdeutlichen: Durch Stürme und Borkenkäfer sind im Bereich des Forstamtes seit 2018 insgesamt 460 000 Festmeter Schadholz entstanden. Der Staatswald hat im Burgwald ein Drittel seines Vorrates an Fichtenholz verloren. Mehr als 1000 Hektar, das sind zehn Quadratkilometer, sind entwaldet.

„Nahezu alle Fichtenbestände sind angerissen und so in Hinblick auf zukünftige Stürme und Käferbefall destabilisiert“, sagte Leicht. „Eine ungeheuere Aufgabe liegt vor uns, die Weichen für den Wald der Zukunft auf den vielen Freiflächen zu stellen.“

Eine große Herausforderung dabei sei herauszufinden, welche Baumarten dem Klimawandel mit zunehmender Hitze und Trockenheit trotzen, zum anderen fehle es sowohl an Samen und Setzlingen, weil in ganz Deutschland Freiflächen entstanden sind.

Dennoch, so sagte Leicht, gebe es im Forstamt auch Grund zu feiern. In einer „gewaltigen Kampagne“ gegen den Borkenkäfer sei es im Juni, Juli diesen Jahres gelungen, in nur sechs Wochen 80 000 Festmeter Fichtenholz aufzuarbeiten. So lange braucht die neue Käferbrut um sich zu entwickeln und dann auszuschwärmen.

Bis zu 20 Harvester waren gleichzeitig im Einsatz, um frisch befallene Bestände schnell zu fällen, das Holz für die reguläre Vermarktung zu retten und ein weiteres Ausbreiten des Käfers und damit weitere forstökologisch problematische Kahlflächen zu verhindern (wir berichten).

Dieser gewaltige Kraftakt sei nur mit der Unterstützung benachbarter Forstämter (Jesberg, Frankenberg, Biedenkopf, Kirchhain) von Hessen-Forst Technik und der Landesbetriebsleitung sowie die Unterstützung von Pensionären gelungen, betont Leicht. Ihnen und auch den Mitarbeitern des Forstamtes, die teilweise zehn bis zwölf Stunden täglich im Einsatz waren, dankte der Forstamtsleiter. Bei Wildbratwurst und Getränken gab es im Hof vor dem Forstamt Gelegenheit, den Rieseneinsatz gemeinsam Revue passieren zu lassen.

Holzernte mit Hochdruck: Das Revier Roda von Förster Thomas Figge (Foto) war im Juni/Juli besonders stark vom Borkenkäfer betroffen.

Leicht hielt bei seiner Rede ein Foto hoch: die Vergrößerung eines Buchdruckers –der Käferart, die im Burgwald besonders aktiv war. Dazu macht er eine grundsätzliche naturwissenschaftliche Bemerkung: „Eigentlich ist der Käfer kein Feind, sondern ökologischer Mechanismus, der letztlich aufzeigt, welche Baumart an welchen Standort und unter welchen Klimabedingungen dauerhaft lebensfähig ist.“

Leicht: Wie erfolgreich wir waren, sehen wir erst im Frühjahr 

Nach dem Kraftakt im Kampf gegen den Borkenkäfer im Juni und Juli meldete das Fortamt Burgwald Anfang August einen „Etappensieg“. Über die aktuelle Lage sprachen wir mit Forstamtsleiter Eberhard Leicht.

Wie ist der aktuelle Stand bezüglich des Borkenkäferbefalls im Burgwald?

Wir hatten eine riesige „erste Welle“, die das, was wir aus den Vorjahren kannten, um ein Vielfaches übertroffen hat. Diese erste Welle haben wir abgearbeitet und gehen nun daran, den in der Zwischenzeit in deutlich geringerem Umfang auftretenden Neubefall aufzuarbeiten.

Wie groß ist der Neubefall derzeit im Forstamt Burgwald?

Das sind schon noch einige tausend Festmeter, wie haben nun aber im Gegensatz zum Frühjahr keinen Zeitdruck mehr, weil die Bruten, die gerade angelegt worden sind, sich aufgrund der nun herbstlichen Temperaturen nicht fertig entwickeln können, oder, sollte dies doch gelingen, nicht ausfliegen werden. Wir haben also nun einige Monate Zeit, um die befallenen Bäume aus dem Wald zu holen.

Das war im Juni und Juli noch ganz anders?

Ja, denn wir hatten nur ein Zeitfenster von sechs bis sieben Wochen. Danach nämlich wäre eine neue Käfergeneration ausgeflogen. Wie groß die zweite Käfergeneration des Jahres wirklich war, lässt sich schwer bestimmen, denn wir hatten im Frühsommer viele Bäume, die sowohl frisch angelegte Brut als auch fertig entwickelte Altkäfer aufwiesen. Oft verlassen nämlich Elterntiere nach der Produktion der ersten Brut das Brutsystem und legen an einem neuen Ort eine zweite, meist kleinere Brut an. Diese wird Geschwisterbrut genannt. Es sind auch mehrere solcher Geschwisterbruten möglich. Die Geschwisterbruten können sich mit einer echten zusätzlichen Generation zeitlich überlappen, so dass es nicht immer einfach ist, die Brutbilder von Geschwisterbruten und weiteren Generationen zu unterscheiden.

Was können Sie jetzt schon gegen eine weitere Verbreitung des Schädlings im kommenden Jahr tun?

Wie erfolgreich wir mit unserer Kampagne wirklich waren, werden wir sehen, wenn die Käfer im kommenden Frühjahr aus der Überwinterung kommen. Aktuell können wir nur fortfahren, Bäume mit Befallssymptomen zu entnehmen, um ohne Altlasten ins neue Jahr zu gehen. Die Schadensintensität im kommenden Jahr wird dann stark vom Witterungsverlauf abhängen. Ein größerer Sturm, wie „Friederike“ im Januar 2018, könnte natürlich auch alle unsere Bemühungen zunichtemachen. Von Martina Biedenbach

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