Sperlingskauz und Douglasie

Interview zum neuen Öko-Siegel: Forstamt Burgwald ist Vorreiter

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Fasziniert vom Burgwald: Forstamtsleiter Eberhard Leicht sagt, dass auch unabhängig von Zertifikaten den Förstern im Burgwald der Schutz der wassergeprägten Biotope wie Moore und Waldbäche und der Schutz seltener Vogelarten ein Anliegen sei.

Burgwald. Im Forstamt Burgwald soll künftig nach dem Ökosiegel FSC gewirtschaftet werden. Was dies für die Bewirtschaftung des Burgwalds bedeutet, erläutert Forstamtsleiter Eberhard Leicht im HNA-Interview.

Dem Amt kommt - wie acht weiteren Forstämtern in Hessen - eine Vorreiterrolle bei der FSC-Zertifizierung zu. Auf Anordnung von Hessens Forstministerin Priska Hinz (Grüne) soll dann schrittweise der gesamte Staatswald nach den FCS-Kriterien bewirtschaftet werden.

Klärungsbedarf sieht Forstamtsleiter Leicht vor allem bei der Frage, wie hoch der Anteil der Douglasien sein darf. Beim FSC-Siegel steht die natürliche Vegetation im Vordergrund. Im Burgwald setzte man vermehrt auf Douglasien, um die bedrohte Fichte zu ersetzen.

Herr Leicht, freut es Sie, dass der Burgwald als Vorreiter bei der Umsetzung des FSC-Siegels ausgewählt wurde? 

Leicht: Freude empfinde ich, wenn ich in der Abenddämmerung einen Sperlingskauz in einem Baumwipfel ausmachen kann oder der Schwarzstorch sich am Waldbach bei der Nahrungsaufnahme beobachten lässt. Meine Gefühlslage im Hinblick auf ein neues Gütesiegel für unsere Waldbewirtschaftung würde ich eher mit Neugier und interessierter Erwartung für das beschreiben, was an Neuerungen auf uns zukommt. Ob die Auswahl des Forstamtes Burgwald eine besondere Auszeichnung ist, kann ich nicht sagen. Schließlich sollen bis Ende dieser Landtags-Wahlperiode sämtliche hessischen Forstämter mit dem FSC-Siegel ausgestattet werden.

Nach dem FSC-Standard ist zum Beispiel der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln untersagt. Macht Ihnen der Verzicht darauf Probleme? 

Leicht: Synthetische Pflanzenschutzmittel wie Herbizide, Fungizide und Mittel gegen Mäuse (Rodentizide) werden im Forstamt schon seit vielen Jahren nicht mehr eingesetzt. Auch Mittel gegen Borkenkäfer sind zuletzt 2007 nach dem Sturm Kyrill verwendet worden. Hier allerdings auch nur punktuell am aufgearbeiteten lagernden Holz. Dies galt damals weniger der Werterhaltung des Holzes als dem Waldschutz. Aber auch vor den letzten großen Stürmen hat der Insektizideinsatz im betrieblichen Alltag eigentlich keine Rolle mehr gespielt, zumal er sich im Einzugsbereich der vielen wassergeprägten Biotope im Burgwald von selbst verbietet. In dieser Hinsicht werden wir also praktisch keine Änderung unserer Wirtschaftsweise erleben.

Nach FSC dürfen fünf Prozent der Fläche nicht bewirtschaftet werden. Was bedeutet das für das Forstamt Burgwald? 

Leicht: Im Rahmen der Umsetzung unserer Naturschutzleitlinie haben wir Hot Spots der Artenvielfalt im Wald identifiziert, um diese als Kernflächen des Naturschutzes dauerhaft einer ungestörten Entwicklung zu überlassen. Ihr Flächenanteil liegt im Forstamtsbereich Burgwald bei zirka vier Prozent. Es müsste hier also auch nicht unbedingt stark nachjustiert werden. Nicht ganz sicher bin ich mir, ob die Zertifizierungsagentur sämtliche von uns mit dem Ziel des Naturschutzes ausgewählten Flächen anerkennt, da die nach FSC stillzulegenden Referenzflächen ja einen Vergleich von bewirtschafteten und unbewirtschafteten Wäldern ermöglichen sollen.

Bei der Wahl der Baumarten steht bei FSC die natürliche Vegetation im Vordergrund. Es sind nur noch kleine Beimischungen an Douglasien erlaubt. Bislang galt doch gerade im Burgwald, dass die Douglasie die vom Klimawandel bedrohte Fichte ersetzen sollte. Wie wollen Sie da verfahren? 

Leicht: Nichtheimische Baumarten sollen nach den Standards von FSC in Deutschland nur angebaut werden, wenn deren ökologische Verträglichkeit durch langjährige Anbauerfahrungen oder entsprechende Versuchsergebnisse erwiesen ist. Wenn der Anteil der Gastbaumart 20 Prozent überschreitet, muss der Forstbetrieb gegenüber der Zertifizierungsagentur darlegen, dass durch die Einbringung nichtheimischer Baumarten die gewünschte Entwicklung hin zur natürlichen Waldgesellschaft langfristig nicht gefährdet ist. Richtig ist, dass die Douglasie waldbaulich gerade da die Fichte ersetzen kann, wo die Wasserkapazität des Bodens für letztere im Grenzbereich liegt. Wie sie nun als anspruchslose, stabile und gutwüchsige Baumart örtlich in Waldbestände eingebaut werden kann, müssen wir mit der Zertifizierungsagentur klären. (mab)

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Quelle: HNA

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