Nadine Neuschäfer ist Vorsitzende

Amateur-Funker gründen neuen Ortsverband des DARC in Frankenberg

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Nadine Neuschäfer an der Funkstation ihres Vaters: Mit einer solchen Anlage kann man bis nach Australien funken. 

In Frankenberg wurde ein neuer Ortsverband der Amateur-Funker gegründet. Die Vorsitzende ist die 30-jährige Nadine Neuschäfer.

Nadine Neuschäfer hat noch einen anderen Namen: DO4NN. Als DO4NN ist sie die Vorsitzende des neu gegründeten Ortsverbandes des Deutschen Amateur-Radio-Clubs in Frankenberg. D steht für Deutschland, O bedeutet, dass sie die E-Lizenz, die kleine Lizenz, für das Funken besitzt. NN sind ihre Initialen, die Zahl kann man sich aussuchen.

Neuschäfer ist 30 Jahre alt und gebürtige Frankenbergerin. Nach dem BWL-Studium in Bamberg und Marburg und einem Zwischenstopp in Frankfurt lebt sie wieder in der Heimat. Vor drei Jahren ist sie ins Unternehmen ihres Vaters Wilfried Neuschäfer, Neuschäfer Elektronik, eingestiegen. 

Seit mehreren Monaten gibt es in der Firma einen Elektronikkurs, offen für alle, die Spaß und Interesse an Technik haben. Dort entstand auch die Idee, den einst bestehenden Amateurfunk-Ortsverband wieder aufleben zu lassen (Artikel unten).

Eine eigene Sprache

Ob im Garten oder beim Gassigehen mit ihrem Labrador Bruno – Neuschäfer hat ihr Funkgerät oft dabei. Sie ist damit aufgewachsen, ihr Vater ist begeisterter Amateurfunker. Für ihre Freunde war ihr Hobby erst einmal ungewohnt, aber spannend, erzählt sie. Das Funken hat eine eigene Sprache, ein eigenes Vokabular. Holt sie ihren Funk aus der Tasche und möchte wissen, ob jemand auf Sendung ist, drückt sie auf den Knopf und sagt „QRV“. Das bedeutet, dass sie sende- und empfangsbereit ist. „Es ist spannend, in das Thema hinein zu wachsen“, sagt sie.

Bevor man funken darf, muss man aber eine offizielle Prüfung bei der Bundesnetzagentur bestehen. Davor ist nur zuhören erlaubt. „Dass ist wie mit dem Autoführerschein, man darf zwar im Auto sitzen, aber nicht selber fahren“, sagt Nadine Neuschäfer. Ihre Prüfung hat sie kürzlich in Hannover abgelegt. Den Inhalt kennen die meisten nur noch aus dem Physikunterricht. Nach Widerständen, Kondensatoren, Frequenzen und Wellenausbreitung wird gefragt, aber auch praktisches Wissen und das internationale Nato-Alphabet müssen sitzen.

Mit der richtigen Ausstattung könne man überall hin funken, so Neuschäfer. Ihr Vater spricht regelmäßig mit Menschen aus den USA und Australien. Über was? „Small Talk“, sagt die Tochter, „aber es entwickeln sich immer spannende Gespräche.“ Es gehe auch viel um den Spaß an der Technik. Ihre eigene Amateurfunkstation sei in Planung.

Bislang habe sie nur mit Menschen aus Deutschland gefunkt, der Schritt ins Ausland stehe jetzt an. Vor dem ersten Funkgespräch sei sie aufgeregt gewesen, aber „am anderen Ende sitzt auch nur ein Mensch“.

Oft treffe man beim Funken ältere Menschen. In dem neuen Amateurverband gebe es aber vor allem jüngere, viele Mitte 30. Man habe Lust, gemeinsam etwas aufzubauen und elektronikbegeisterte junge Leute an die Technik heranzuführen. Aber auch erfahrene Funker seien dabei, die ihr Wissen gerne an die jüngeren weitergeben. „Unsere heutige Technik erscheint selbstverständlich, keiner hinterfragt sie mehr“, sagt sie.

Beim Funken lerne man neue Menschen kennen oder „trifft“ Bekannte. Der Umgangston sei entspannt, man duze sich. Am Anfang werden zunächst die wichtigsten Infos ausgetauscht, wer man ist, was man macht und vor allem, wo man sich befindet. „QTH“ steht dabei für den Standort. Man unterhalte sich eine Weile, verabschiedet sich. Wie beim Smartphone. Nur eben anders. 

Vereinsgründung

Nach drei Jahren gibt es in Frankenberg wieder einen Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs, nachdem der damalige Ortsverband Ederbergland aufgelöst wurde. Die Gründungsversammlung fand jetzt in den Räumen der Firma Neuschäfer Elektronik in Frankenberg statt. 

Die Mitglieder des neuen Amateurfunk-Ortsverbands am Gründungstag.

Bei der Veranstaltung haben sich 18 Mitglieder gemeldet. In der geheimen Wahl wurde Nadine Neuschäfer zur Vorsitzenden gewählt. Ihr Stellvertreter ist Gerhardt Wagner, der seine Funklizenz bereits seit 1979 besitzt. Für den Deutschen Amateur-Radio-Club war der hessische Direktvorsitzende Heinz Mölleke von Ort. 

Auch ein Relaisreferent wurde gewählt. Dessen Aufgabe ist die Einrichtung sogenannter Sende-Empfangsstationen an gut gelegenen Stellen, die Signale empfangen und auf einer anderen Frequenz weitersenden. Dadurch können auch schwache Sender eine sehr große Reichweite überbrücken.

Wer Interesse hat, an dem Amateurfunklehrgang teilzunehmen, kann sich bei Filomena Rios unter der Telefonnummer 06451/2300355 melden oder per E-Mail an filomena.rios@neuschäfer.de. Ziel ist die Amateurfunklizenz und die Vermittlung elektronischer Kenntnisse.

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