Mieter und Käufer für Gewerbeflächen gesucht

Leer stehende Märkte in Frankenberg: Das sagt die Stadt

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In Frankenberg steht derzeit unter anderem der ehemalige Herkules-Baumarkt Auf den Weiden leer.

Weil Lebensmittelkonzerne und Discounter lieber neu bauen, statt im Bestand zu modernisieren, stehen in Städten immer wieder große Gewerbeimmobilien leer. Derzeit auch etliche in Frankenberg.

Zwischen Siegener Straße und Auestraße in Frankenberg wird ein neuer Lidl-Markt gebaut. Der bisherige Lidl an der Röddenauer Straße wird dann leer stehen. 

So wie bereits der alte Herkules-Baumarkt Auf den Weiden, der ehemalige Vögele-Markt am Röddenauer Kreisel und der Aldi-Markt an der Ziegelei.

Begründete Frage: „Stehen nicht genug Geschäfte überall sinnlos leer?“

„Wieso wird sowas noch genehmigt? Stehen nicht genug Geschäfte überall sinnlos leer?“, fragt dazu eine HNA-Leserin auf unserer Facebook-Seite. Andere bezeichnen den Neubau nur wenige hundert Meter neben dem bisherigen Aldi als „Unsinn“.

Wir haben bei der Stadt nachgefragt, welchen Einfluss sie auf solche Entwicklungen und auf die Neubaupläne von Investoren und Supermarktketten hat.

„Die Stadt hat ein großes Interesse an einer aktiven Steuerung in diesem Bereich“, teilt Pressesprecher Florian Held mit.

Frankenberger Liste: Was ist das?

Dazu gebe es verschiedene Einflussmöglichkeiten: „Grundlage und gleichzeitig stärkstes Instrument ist das 2011 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Einzelhandelskonzept, das in Bebauungspläne überführt worden ist und bis dato ausnahmslos verfolgt wird. 

Die sogenannte Frankenberger Liste unterscheidet zwischen zentrenrelevanten und nicht zentrenrelevanten Sortimenten. Alle Entscheidungen werden darüber hinaus im Einvernehmen und in Abstimmung mit dem Regionalplaner des Regierungspräsidiums in Kassel getroffen“, so Held.

Zwischen Siegener Straße und Auestraße in Frankenberg wird derzeit ein neuer Lidl-Markt gebaut, für den alten Markt in der Röddenauer Straße sucht Lidl einen Käufer. Das Foto wurde vom Parkdeck des Frankenberger Tors aufgenommen. 

Die Frankenberger Liste regelt, welches Sortiment der Handel auf welcher Verkaufsfläche in der Stadt anbieten darf. Über die Frankenberger Liste habe die Stadt Einflussmöglichkeiten vor allem in Bezug auf die Nutzung von Gebäuden und das dort angebotene Sortiment.

Frankenberg zeigt sich dynamisch

Der neue Lidl-Standort mit seinem für die Innenstadt relevanten Angebot sei deshalb von der Stadt nicht nur genehmigt, sondern explizit unterstützt worden, erklärt Held: „Denn der neue Markt schließt die zentrumsnahe Lücke, die Tegut dort hinterlassen hat. Umso mehr, wenn – wie in der HNA berichtet – dort auch ein Biomarkt entsteht.“

Grundsätzlich seien die genannten Standortwechsel „Ausdruck einer gewissen Dynamik in Frankenberg“, der Markt sortiere sich in diesem Bereich derzeit neu.

Leerstände nur Momentaufnahmen

Held: „Die aktuellen Marktleerstände sind aus Sicht der Stadt insofern eine Momentaufnahme, die Nutzung entspricht einem normalen Lebens- bzw. Nutzungszyklus von Gewerbeimmobilien.“

Für Leerstände gelte bei gleichbleibendem Sortiment in der Regel Bestandsschutz. Einem Antrag auf Nutzungsänderung – für ein abweichendes Sortiment oder eine Nutzung als Nicht-Handelsimmobilie – stimme die Stadt nur im Einklang mit der Frankenberger Liste zu.

Leerstand: Der ehemalige Vögele-Markt in der Röddenauer Straße.

Am Beispiel des ehemaligen Vögele-Marktes bedeute das: Ein Unternehmen mit reinem Bekleidungssortiment könnte ohne Weiteres in den leer stehenden Markt einziehen, ein Laden mit abweichendem Angebot nur, wenn es als nicht zentrenrelevant eingestuft werde.

Stadt Frankenberg unterstützt Wiedervermietung

„Bei anderen genannten Märkten verhindern derzeit zum Teil noch bestehende Miet- bzw. Pachtverträge eine unmittelbare Neunutzung, zum Teil stehen auch marktunübliche Preisvorstellungen einem Verkauf im Wege“, sagt Florian Held.

Die Stadt Frankenberg unterstütze grundsätzlich bei der Wiedervermietung, berate, vermittele, knüpfe Kontakte zu Eigentümern, Mietern, Investoren, arbeite mit Projektentwicklern zusammen und entwickele selbst Nutzungskonzepte für einzelne Standorte. Sie steuere so aktiv die Entwicklung des Gewerbegebietes.

Aldi: Frankenberger Liste macht vieles komplizierter

Für den ehemaligen Aldi-Markt an der Ziegelei in der Ruhrstraße gibt es „noch nichts Neues“, sagte Walter Inacker von der Firma Bötzel, der das Gebäude gehört. 

„Wir sind noch auf der Suche nach einem Nachmieter. Durch die Frankenberger Liste ist das alles nicht so einfach“, sagte Inacker. „Aber der Mietvertrag mit Aldi läuft auch noch.“

Vögele: schwierige Weitervermietung in Frankenberg

Ähnlich sieht es bei dem leer stehenden Vögele-Markt am Kreisel in der Röddenauer Straße aus. „Wir haben Anfragen, haben aber noch keinen passenden Mieter gefunden“, sagte Paul G. Schmidt aus Dortmund, der den Vertrieb des Objektes koordiniert. „Das Problem ist, dass vieles hier nach der Frankenberger Liste nicht zulässig ist“, sagte Schmidt.

Herkules-Baumarkt: Verhandlungen für Immobilie in Frankenberg laufen

Das Gebäude des ehemaligen Bau- und Gartenmarktes von Herkules auf den Weiden gehört der FCR Immobilien AG aus München. 

Deren Sprecher teilte mit: „Bei unserer Immobilie in Frankenberg können wir uns eine Vermietung oder auch einen Verkauf vorstellen. Derzeit gibt es drei konkrete Kauf-Interessenten sowie einen Interessenten, der das Objekt mieten möchte. Mit allen Interessenten laufen aktuell Verhandlungen.“

Lidl: Neuer Markt ab Sommer 2020

Der neue Lidl-Markt zwischen Auestraße und Siegener Straße soll laut Lidl im Sommer 2020 eröffnen. Für den bisherigen Lidl-Markt in der Röddenauer Straße, der Lidl selbst gehört, sucht das Unternehmen derzeit einen Käufer, berichtete Pressesprecherin Sonja Kling auf Nachfrage.

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