Er entdeckt viele neue Dinge

Mathe auch im Ruhestand: Das macht der frühere Schulleiter Deichsel heute

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Mathe macht Spaß: Oberstudienrat Winfried Deichsel ist seit über sechs Jahren im Ruhestand, aber sein früheres Lehrfach findet der 71-Jährige immer noch spannend. 

Wangershausen. Was macht eigentlich  der ehemalige Schulleiter der Edertalschule Winfried Deichsel im Ruhestand? Wir haben mal nachgefragt. 

„Es war anfangs eine sehr große Umstellung“, sagt Oberstudiendirektor Winfried Deichsel auf die Frage, wie es ihm nach der Pensionierung vor sechseinhalb Jahren ergangen ist. Im Dienst als Leiter der Frankenberger Edertalschule sei sein Tageslablauf sehr getaktet gewesen und er sei „von Termin zu Termin“ geeilt.

Nach dem Eintritt in den Ruhestand am 29. Juni 2012 habe er zunächst erst einmal einen „neuen Rhythmus“ finden müssen, so der in Wangershausen lebende Pensionär.

Winfried Deichsel war 25 Jahre lang Direktor der Edertalschule in Frankenberg

„Man gewöhnt sich aber auch an das eher lockere Leben“, sagt der 71-Jährige, der 25 Jahre lang Direktor des Gymnasiums war. Es sei schließlich auch schön, wenn man Zeit habe. So sei er beispielsweise kürzlich endlich dazu gekommen, einen neuen Schrankschlüssel zu besorgen mit dem er einen kaputten ausgetauscht habe. „Sowas hätte man früher liegen lassen.“

Er habe sich sogar schon bei der Frage ertappt: „Wie hast du es früher noch geschafft zu arbeiten – du kommst ja so kaum klar“, verrät er lachend. Immer noch „spannend“  findet es Winfried Deichsel, sich mit Mathematik zu beschäftigen. „Ich entdecke viele neue Dinge, stoße aber auch auf Schwierigkeiten“. Mathematik sei immer noch im Fluss. Das habe er vor allem bei der systematischen Durcharbeit einer Abhandlung des  griechischen Mathematikers Euklid gemerkt, der bereits im dritten Jahrhundert vor Christus über die Grundlagen der Geometrie geschrieben habe. Auch Religionsphilosophische oder Psychologische Literatur interessiere ihn. 

„Das habe ich mir nach 30 Jahren gekauft und endlich mal konsequent durchgelesen“. Vor zwei Jahren sei er auch mal als Vertretungskraft für einen „Vater im Mutterschutz“ eingesprungen. „Das hat mir richtig Spaß gemacht.

„Es sei das „reinste Vergnügen“ gewesen, die Sechstklässler zu unterrichten. Die Schüler seien vor allem von seinen Übungen zum Kopfrechnen begeistert gewesen und hätten diese am Ende „nahezu eingefordert“, erinnert er sich. Von den Eltern habe er zudem den Ehrentitel „Bester Oldi“ erhalten.

„Man vermisst es schon“, sagt Deichsel über seine Dienstzeit als Lehrer und Schulleiter. Er habe ja „von morgens bis abends“ nur geredet: „Mit Kollegen, mit Schülern mit Eltern“.

„Ich habe immer gerne unterricht und wurde auch immer akzeptiert.“ Er habe auch immer versucht, die Schüler zu motivieren. Langeweile hat der Oberstudiendirektor allerdings nicht: „Das Erste was ich nach der Pensionierung gemacht habe, war, Wanderschuhe zu kaufen. Unsere Gegend ist schön und man bleibt fit.“ Als seine Mutter noch gelebt habe, sei er oft zu Fuß bis Frankenberg gelaufen. Auch Kontakt zu den ehemaligen Kollegen hat er noch: „Ein Mal im Monat treffen wir Pensionäre uns in kleiner Runde.“ Dort würde er den anderen Lehrern auch neue mathematische Erkenntnisse mitbringen.

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