Kampf gegen Hitze und Trockenheit

So versucht Frankenberg die Folgen des Klimawandels abzumildern

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Die Rinde der Ahornbäume in der Geismarer Straße in Frankenberg ist durch die diesjährige Trockenheit und Hitze aufgeplatzt. Da dort kein Baumsubstrat verwendet wurde, wachsen die Bäume kaum, erklärt Stadtgärtnerin Stefanie Neussel.

Der Klimawandel macht sich auch in Städten wie Frankenberg bemerkbar. Stadtgärtnerin Stefanie Neussel erklärt im Gespräch, wie versucht wird, die Folgen abzumildern. 

Frankenberg - An vielen Stellen in Frankenberg müssen Bäume gefällt werden, die zu einer Gefahr für Fußgänger geworden sind. Der Stadtwanderweg ist gesperrt und Schädlinge wie Borkenkäfer und Miniermotten sind zu einem weitverbreiteten Problem geworden. 

Das Leiden der Bäume macht deutlich: Die Auswirkungen des Klimawandels und die Trockenheit der vergangenen zwei Sommer sind auch in Frankenberg drastisch spürbar.

Zertifizierte Baumkontrolleurin

„Was man jetzt sieht, ist die Spitze des Eisbergs. Die Trockenheit wird sich erst im nächsten Jahr richtig bemerkbar machen“, sagt Stefanie Neussel. Die Stadtgärtnerin ist für die Bepflanzung und Erhaltung der Grünflächen in Frankenberg zuständig. 

Als zertifizierte Baumkontrolleurin kennt sie den Zustand der rund 10.000 Bäume im Stadtgebiet. Sie erklärt, was die Stadtgärtnerei macht, um Folgen des Klimawandels abzumildern.

Bäume leiden unter dem Klimawandel

„Der Klimawandel macht sich wirklich bemerkbar. Man findet nicht mehr so viele Bäume, die kerngesund und vital sind“, sagt Neussel. Die Platanen auf dem Unter- und Obermarkt litten bereits seit fünf Jahren immer mehr unter dem wärmer werdenden Klima. Und die Grünflächen, die früher kein Wasser benötigten, müssten mittlerweile im Sommer gewässert werden.

Die Veränderungen sind in Städten extremer, erklärt Neussel. Denn durch den hohen Anteil versiegelter Flächen gibt es weniger Verdunstung, die kühlt, während sich Stein und Asphalt aufheizen. „Grünflächen beeinflussen das Stadtklima sehr positiv“, sagt Neussel.

Mehr Grünflächen, weniger Versiegelung

Die Entsiegelung von Flächen ist daher eine sehr wichtige Maßnahme. In den vergangenen Jahren seien viele Grünflächen angelegt worden, sagt Neussel. Positiv sei, dass immer mehr versiegelte Flächen hinterfragt würden. 2000 Quadratmeter seien gemeinsam mit der Naturjugend im Stadtgebiet bereits entsiegelt worden. 

„Wir haben bereits einige Maßnahmen ergriffen“, sagt Betriebshofleiter Martin Hecker. Auch im Vergleich mit anderen Kommunen werde in Frankenberg in dieser Richtung eine Menge getan.

Integriertes Klimaschutzkonzept für Frankenberg

Wie groß der prozentuale Anteil der versiegelten Stadtfläche ist, dazu gibt es laut Stadt-Pressesprecher Florian Held keine Daten. Er weist jedoch darauf hin, dass die Stadt Frankenberg bereits seit einigen Jahren über ein integriertes Klimaschutzkonzept verfüge. So würden klimarelevante Themen bei aktuellen Baumaßnahmen und Stadtentwicklungsprojekten berücksichtigt.

Dazu gehört laut Held die energetische Sanierung der Ederberglandhalle, um Energie zu sparen, genauso wie die Erarbeitung eines Radwegekonzeptes, um Verkehrsemissionen in der Stadt zu verringern.

Neue Baumarten trotzen der Hitze

Ein weiterer Fokus der Stadtgärtnerei, um die Veränderung des Stadtklimas abzumildern, ist die Anpflanzung neuer Baum- und Pflanzenarten. 

„Wir pflanzen schon seit rund zehn Jahren Pflanzen, von denen wir ausgehen, dass sie besser mit dem Stadtklima klarkommen“, sagt Martin Hecker. Denn nicht nur die Verdunstung durch die Bäume kühlt, sondern auch der Schatten, erklärt Neussel.

Baumarten aus dem Mittelmeer-Raum, Asien und Amerika seien oft besser für trockenes und warmes Klima geeignet. Auch mit Streusalz und Staub kämen sie besser zurecht als andere Arten. 

Früher sei versucht worden, vor allem heimische Baumarten zu pflanzen. „Die können woanders wachsen, aber nicht in der Stadt“, sagt Neussel. Weil sie mit dem wärmeren Stadtklima nicht so gut zurechtkommen, aber auch weil sie deutlich größer werden.

Robuste Baumarten trotzen der Hitze: In Geismar wurde ein Amberbaum gepflanzt, der Ende November noch eine Herbstfärbung hatte, wie Stadtgärtnerin Stefanie Neussel hier zeigt.

Neue Baumarten pflanzen

Auch in der Uferstraße werden gerade neue Baumarten gepflanzt – Schnurbäume, die eine lichte Krone haben und im Sommer blühen, wenn es sonst wenig Nahrung für Insekten gibt, sagt Neussel. Dort sei zusätzlich zu der Erhöhung des Baumbestandes der versiegelte Verkehrsraum reduziert worden, sagt Held.

Auch die Art der Anpflanzung hat sich geändert: „Wir schaffen großräumige Wurzelräume und pflanzen in mindestens 12 Kubikmeter Baumsubstrat“, erklärt Neussel, „weil das eine hohe Wasserspeicherkapazität bei gleichzeitig hohem Volumen für Luft hat.“ Konkret bedeutet das: Die Bäume bekommen mehr Wasser und leiden im Sommer nicht so schnell unter der Hitze.

Um die akuten Auswirkungen der Trockenheit zu mildern ist auch das Wässern eine der Maßnahmen, die die Stadtgärtnerei im Sommer durchführen muss. Früher hätte gar nicht gewässert werden müssen, in diesem Sommer wurden pro Woche 100 000 Liter Wasser benötigt. Natürlich kein Trinkwasser, erklärt Neussel, sondern recyceltes und gereinigtes Klärwasser.

Steingärten schaden dem Stadtklima

Ein Großteil der Flächen in Städten sind privat. Es gebe immer mehr Steinvorgärten, bemerkt Stadtgärtnerin Stefanie Neussel. „Wenn die entsiegelt werden, würde das das Klima verbessern.“ Denn versiegelte Flächen lassen keine Verdunstung zu und bieten keinen Lebensraum für Tiere.

Es gebe keine konkreten Zahlen, wie sehr sich die Entsiegelung auf das Klima auswirkt, sicher sei jedoch, dass Grünflächen einen positiven Einfluss hätten. „Jeder Quadratmeter zählt“, sagt Neussel.

Trockenrasen als Alternative

Auch die Artenauswahl der Pflanzen im eigenen Garten sei wichtig, damit man im Sommer nicht so viel Trinkwasser zum Gießen verwenden muss, sagt Neussel. Trockenrasen sei daher eine Alternative, genauso ein Naturgarten mit Staudenflächen. Diese bräuchten im Schnitt zehn Mal weniger Pflege als ein normaler Garten, und einige Arten sind trocken- und hitzeresistent.

Weitere Informatione ngibt es zum Beispiel auf der Internetseite des Nabu. Dort kann man verschiedene Informationen zum Thema Gärtnern in Zeiten des Klimawandels finden. Die Frankenberger Stadtgärtnerei informiert ebenfalls, zum Beispiel über Pflanzenarten, die auf den Grünflächen in Frankenberg angebaut werden.

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