Frankenberg

Frankenberger Ritterstraße: Ladenlokale weichen vier Wohnungen

- Frankenberg (rou). Bürgermeister Christian Engelhardt glaubt einen Trend erkannt zu haben: Ältere Menschen wollen zunehmend in der Innenstadt wohnen. Hans-Herwig Peter greift diese Idee auf und baut vier rollstuhlgerechte Wohnungen.

Die Zeiten sind längst vorbei, dass die Frankenberger Ritterstraße die Funktion einer Einkaufsstraße erfüllte und damit eine für Kunden attraktive Verlängerung der Fußgängerzone darstellte. Häufig in den vergangenen Jahren haben in den Erdgeschossen der Immobilien zwischen der Bergstraße und der Steingasse die Mieter der Ladenlokale gewechselt. „In diesem Bereich gibt es zahlreiche Gebäude, die nicht mehr funktional sind“, sagte Bürgermeister Christian Engelhardt im Stadthaus und erhielt Unterstützung von Hans-Herwig Peter, dem im August 2007 in den Ruhestand gewechselten langjährigen Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Frankenberg. Er ist Eigentümer des viergeschossigen Wohn- und Geschäftshauses am Beginn der Ritterstraße. In den Obergeschossen vermietet der frühere Frankenauer Bürgermeister insgesamt elf Wohnungen. Die Vermietung oder Verpachtung der Ladenlokale im Erdgeschoss habe sich zuletzt jedoch als zunehmend schwieriger gestaltet. „Es ist erkennbar, dass sich aus diesem Bereich kein 1-a-Standort mehr entwickeln wird“, berichtete er bei der Vorstellung seines neuen Bauprojektes: Wohnungen, die nicht nur seniorengerecht, sondern rollstuhlgerecht sind. Spätestens bis Anfang nächsten Jahres soll die fast 260 Quadratmeter große Fläche im Erdgeschoss unter der Aufsicht des Battenberger Architekturbüros Roth in vier Wohnungen umgestaltet werden, die auf die Bedürfnisse von auf einen Rollstuhl angewiesenen Menschen ausgerichtet sind. Im Zuge der Arbeiten ist auch die Umgestaltung der Fassade geplant. Als guten und wichtigen Bereich bezeichnete der Bürgermeister die Altstadt und die Frankenberger Neustadt, zu der historisch betrachtet die Ritterstraße zählt. Den Ansatz, nicht mehr benötigte Einzelhandelsflächen in seniorengerechten Wohnraum umzuwandeln, bewertete Engelhardt als gut und konsequent: „Denn es gibt den Trend, dass ältere Menschen aufgrund der fehlenden individuellen Mobilität lieber in der Innenstadt leben, jüngere Menschen mit Kindern stattdessen lieber am Rand der Stadt im Grünen.“ Seniorenwohnungen in der Altstadt seien deshalb eines der Zukunftsthemen und zudem mit dem städtebaulichen Entwicklungskonzept von Frankenberg sehr gut zu vereinbaren, betonte Engelhardt. „Wir schaffen neue Vitalität in diesem Bereich der Stadt.“ Peter sei der erste heimische Privatinvestor, der diesen Ansatz nun verfolge – und dabei auf die Unterstützung der öffentlichen Hand zählen kann: Sowohl Stadt als auch Land beteiligen sich finanziell an den Kosten des privaten Bauvorhabens. Über die Landestreuhand Hessen erhält Peter ein Darlehen. „Seniorengerechte Wohnung ist politisch gewollt“, sagte Peter. „Ohne Eigenkapital ist der Umbau aber nicht zu finanzieren“, stellte er klar und verwies auf die vom Land im Gegenzug vorgeschriebenen Eckdaten: Der Mietpreis der vier Wohnungen, die zwischen 50 und 75 Meter groß werden sollen, darf beim Erstbezug 3,80 Euro pro Quadratmeter nicht überschreiten. Vermietet werden dürfen die vier Wohnungen lediglich an Besitzer von Berechtigungsscheinen. Bei den vier Einheiten handelt es sich um „Sozialwohnungen“ für auf einen Rollstuhl angewiesene Mieter. Unterdessen beschäftigt sich der Magistrat zurzeit mit Plänen eines weiteren Frankenbergers, der in der Neustadt ebenfalls seniorengerechten Wohnraum errichten möchte. Noch sind diese Planungen aber nicht so weit fortgeschritten wie die von Peter: Unter der Planung von Architekt Achim Roth entstehen im linken Gebäudetrakt der Immobilie in der Ritterstraße zwei Wohnungen, die ebenso wie die beiden Einheiten rechts neben dem Treppenhaus barrierefrei sind. Sobald der Bewilligungsbescheid der hessischen Investitionsbank vorliege, sollen die Umbauarbeiten beginnen. „Die Duschabtrennungen sind mit dem Rollstuhl zu überfahren, die Waschbecken sind unterfahrbar, die Räume sind alle groß genug, um sich in ihnen mit Rollstühlen fortzubewegen“, erläuterte Seniorchef Fritz Roth, der seinen verantwortlich zeichnenden Sohn Achim Roth bei der Projektvorstellung vertrat. Während die Abstellräume im Keller per Fahrstuhl zu erreichen sind, wird für die beiden Wohneinheiten rechts des Treppenhauses ein spezieller Lift eingebaut. Der Grund: „Das Gebäude verspringt um einen Meter.“ Grundsätzlich seien alle vier Wohnungen aber so angelegt, „dass Rollstuhlfahrer mühelos von ihrem Schlafzimmer, ohne Barrieren überwinden zu müssen, die Fußgängerzone erreichen können“, sagte Hans-Herwig Peter.

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