Arena der starken Frauen

Frankenberger Schüler feiern mit „Menthesilea“ Premierenerfolg

Ledergegürtet, selbstbewusst, kampfbereit: Handlungsmuster der antiken Amazonen mit einem in seiner Choreografie glänzend agierenden Team von jungen Darstellerinnen wurden in der Theaterarena der Frankenberger Kulturhalle mit aktuellen Frauenrollen konfrontiert. 

Frankenberg. Einen beachtlichen Premierenerfolg feierte die Theater-AG der Frankenberger Edertalschule am Mittwoch in der Kulturhalle mit ihrer Eigenproduktion „Menthesilea“.

Keine kleine Guckkastenbühne mit Vorhang, nein, eine große, offene Theaterarena erwartete die Zuschauer in der Frankenberger Kulturhalle, als die Theater-AG am Mittwoch mit ihrer diesjährigen Eigenproduktion „Menthesilea“ in Anlehnung an Kleists Trauerspiel „Penthesilea“ Premiere feierte.

Kampf der Geschlechter in der Antike, Sexismus und Patriarchat, Herabwürdigung der Frauen in unserer Gesellschaft – auf mehreren Handlungsebenen reflektierten die jungen Theaterleute die Rolle der Frau kreativ, selbstsicher und konfliktbewusst. Das Publikum belohnte sie am Ende mit lang anhaltendem Beifall.

Prologartig und episch wurden die Zuschauer auf die Handlungsstränge der Penthesilea-Archill-Tragödie damals sowie Frauendiskriminierung mit Ängsten und Bedrohungen heute eingestimmt. Das gesprochene Wort schwebte aus Saallautsprechern über der Arena, lateinische und griechische Sprache schuf Distanz zur Historie.

Vorstellungsgespräche mit Chef-Bewerberin-Rollenspielen, frauenfeindliche Chauvi-Witze, Kommentare von bajuwarischen „Paartherapeuten“ und rollenkonforme Barbie-Marionetten rückten dafür die reale Gegenwart umso näher. Gezielte „Störungen“ unterbrachen die beiden Handlungsstränge immer wieder und erzwangen so vom Zuschauer reflexive Aufmerksamkeit, nicht immer ganz leicht, aber doch faszinierend.

Ein Hauch von höchst experimenteller Theaterwerkstatt haftete dem Stück an: Statt gewohnt stringenter Handlung gab es eine Vielfalt von dramaturgischen Kniffen, Visualisierungen und Lichteffekten, Video-Einspielungen, raumgreifenden Bewegungen (Göttin Diana auf Rollschuhen), ausdrucksvolle Kostüm-Symbolik und eine ausgeprägte Körpersprache mit Gruppeneffekten zu bewundern.

Hier zeigte sich, wie intensiv die Mitglieder der Theater-AG in den vergangenen Schulwochen mit ihren Spielleitern Thorsten Jech und Daniel Herbrich neben den zu verflechtenden Inhalten die Wirkweisen der bühnenpraktischen Umsetzung diskutiert und entwickelt hatten. Das spiegelte sich auch in den sehr individuellen schauspielerischen Leistungen.

Besonders anzuerkennen: Bei der Darstellung von Kampf und Gewalt, wo früher auf der Bühne „echte“ Waffen geklirrt hätten, beschränkten sich die jungen Darstellerinnen allein auf die Kraft ihrer Stimme, auf ihre Mimik und symbolhafte Gestik. Die Schlussszenen, in denen der Kampf von Griechen und Amazonen bedrückend stringent in die Liebes-Katastrophe mündet, erzielten deshalb in ihrer Choreografie eine großartige Wirkung.

Studiendirektor Uwe Neumann drückte am Ende „Dank und größte Bewunderung“ für die hervorragende Ensemble-Leistung aus und überreichte den Spielleitern Thorsten Jech und Daniel Herbrich Blumen.

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