Spatenstich für das Einkaufszentrum

Frankenberger Tor statt Eder-Galerie

+
Zwei Investoren, zwei Visionen, ein Ziel: Frankenberg soll durch ein modernes Einkaufszentrum – erst die Eder-Galerie von Rosco (oben), jetzt das Frankenberger Tor von Ten Brinke – neue Kunden anziehen und attraktiver werden.

Frankenberg - Aus einer Idee wurde ein neun Jahre währendes Politikum: Dass heute der Grundstein für das Frankenberger Tor gelegt wird, war lange Zeit keine Selbstverständlichkeit.

Der junge Christian Engelhardt war noch nicht lange neuer Frankenberger Bürgermeister, als ein heimischer Baustoffhändler die Idee entwickelte, sein nicht mehr genutztes Areal an der Siegener Straße zu vermarkten. Das Vorhaben prägte Engelhardts gesamte Amtszeit, den Wahlkampf um seine Nachfolge im Rathaus und die politische Debatte der vergangenen neun Jahre. Heute wird der Grundstein für ein Einkaufszentrum gelegt, das weder den Namen noch den Investor mit den ersten Entwürfen teilt - das Frankenberger Tor.

Anfangs gab es gleich zwei Vorhaben, erinnert sich Engelhardt: Für das brachliegende Balzer/Raiffeisen-Gelände habe sich früh der Investor Rosco interessiert. „Parallel hat sich Herkules auf den Weg gemacht, einen neuen Platz zu suchen“, weiß der ehemalige Rathauschef. Der war schnell gefunden: Am Stadion sollte ein moderner Einkaufsmarkt mit dem Namen „In der Ringaue“ entstehen. Schnell war klar, dass beide Vorhaben gemeinsam Probleme aufwerfen würden: „Wir haben festgestellt, dass es zu viel Lebensmittel-Einzelhandel gegeben hätte“, sagt Engelhardt. Ein auch vom Kaufmännischen Verein mitgetragener Gutachter prüfte beide Projekte gemeinsam und stellte insbesondere Belastungen für das nahe Mittelzentrum Allendorf/Battenberg fest - mit einem Veto des Regierungspräsidiums in Kassel war zu rechnen. „Also habe ich mich mit beiden Projektentwicklern getroffen und den Vorschlag unterbreitet, Herkules in die Eder-Galerie zu integrieren“, erinnert sich der heutige Direktor des hessischen Landkreistages. Für Herkules, sagt er, sei dies die einzige Möglichkeit gewesen, mittelfristig überhaupt in eine moderne Immobilie zu ziehen. 2007 wurden so die ersten Grundstücksverträge unterzeichnet.

Auch wenn sich seither vieles geändert hat im Projekt Einkaufszentrum - Herkules als Ankermieter, ohne den das Projekt nicht umzusetzen wäre, ist geblieben. Faktisch kann die Warenhandelsgesellschaft Rheika/Delta mit ihrem Markt als einzige Konstante gesehen werden - als Zugpferd, mit dem es der ursprüngliche Investor Rosco dennoch nicht schaffte, ein tragfähiges Konzept auf die Beine zu stellen.

Rosco gibt 2011 auf

„Rosco musste seine Pläne immer wieder in ein engeres Konzept einfließen lassen“, wirft Engelhardt die Probleme des Unternehmens auf - zeigt sich dann aber nach all den Jahren noch immer leicht verschnupft: Am Tag, nachdem die Stadt beim Regierungspräsidium eine für das Projekt notwendige Abweichung vom Regionalplan erwirkt habe, hätte Rosco die Pläne als „zu eng“ kritisiert. Es folgten mehrfache Änderungen am Plan, jeweils begleitet von einer Debatte in der Stadt und ihren Gremien. „Das war politisch eine heiße Zeit“, erinnert sich der damalige Rathauschef und schmunzelt. Eine Zeit, in der die Zweifel wuchsen, ob Rosco in der Lage ist, das Projekt tatsächlich zu stemmen: Im Jahre 2010 begann der Investor, sich nach einem heimischen Geldgeber umzusehen. Und Engelhardt hörte sich nach möglichen anderen Interessenten um.

Im Januar 2011 bekannte Rosco schließlich Farbe - der Investor könne das Vorhaben nicht umsetzen. Die Weltwirtschaftskrise habe viele Mieter von einer geplanten Expansion an die Eder abgehalten. Engelhardt hatte vorgesorgt und bei der Messe „Expo Real“ Kontakte geknüpft - nicht nur für die Siegener Straße, sondern für Frankenberg als Ganzes. So habe er sich immer offen gegenüber Plänen für andere Ansiedlungen gezeigt, etwa in der Bremer Straße oder am Landratsamt - letztlich wären diese für Frankenberg wohl sogar besser gewesen. „Doch es wurde nie konkret“, auch aus Platzgründen, beklagt Engelhardt. So trat er Anfang 2011 an Interessenten heran - Ten Brinke aus den Niederlanden sorgte dafür, dass die jahrelange Vorarbeit nicht versandete und übernahm das Projekt. Wenig später wiederum nahm Engelhardt seinen Hut.

Einzelhandel im Wandel

Noch heute allerdings zeigt er sich sicher, dass das Projekt Frankenberg stärkt. „Ich bin überzeugt, dass sich der Einzelhandel wandelt“, erklärt Engelhardt. Dem müsse Rechnung getragen werden. „Galerien in mittelgroßen Städten wie etwa Frankenberg leben von der Frequenz“, sagt er. Und die könne auch der Fußgängerzone nützen. Sein Ziel sei es stets gewesen, auch die Kaufleute mit einzubinden. Erster Schritt sei die Auswahl des Gutachters für die anfangs getrennten Projekte von Rosco und Rheika/Delta gewesen, der mit dem KVF abgestimmt war. „Ich habe den Kaufleuten zudem schon damals gesagt, dass bis zur Eröffnung der Galerie die Bahnhofstraße fertig ist“, erinnert sich der ehemalige Rathauschef.

Dass die jedoch schon seit einem Jahr zu Frankenberg gehört, bevor auch nur der erste Bagger in der Siegener Straße rollt, damit habe er nicht gerechnet. Die modernisierte Bahnhofstraße sei ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Einkaufszentrum und der Fußgängerzone - denn letztere habe wie heute auch damals schon im Fokus gestanden. „Ich hätte die Fußgängerzone gerne schon früher umgebaut“, gesteht Engelhardt ein. Er habe Vorbehalte wie Anregungen aus der Neustädter Straße immer ernst genommen - so sei die Kaufmannschaft in den politischen Entscheidungsprozess einbezogen worden. Engelhardt erinnert etwa an drei getrennte Anhörungen zur damals noch sogenannten Eder-Galerie in der historischen Rathausschirn. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit stellte den Parlamentariern dort erst der Investor seine Pläne bis in die kleinsten Details vor. Es folgten die Kaufleute mit Fachleuten des Einzelhandelsverbandes. Schließlich kam der bestellte Gutachter zu Wort. „Wir wollten sicherstellen, dass alle Aspekte ihren Raum hatten“, erklärt Engelhardt.

Er selbst war schon in Wiesbaden, als die letzten Unterschriften gesetzt wurden. Das Resultat nimmt ab heute Gestalt an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare