Weitgehend Einigkeit mit Mietern erzielt · Greguhn: „Halten unsere vertraglichen Verpflichtungen ein“

„Frankenberger Tor": Ten Brinke reagiert auf Heß-Attacke

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Frankenberg - Den Meinungsäußerungen des Bürgermeisters attestiert die Ten-Brinke-Gruppe „Alleinstellungs-charakter“. Bei der Realisierung des Einkaufszentrums „Frankenberg Tor“ setze der Investor vielmehr auf die mehrheitlich getragenen, eindeutigen Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung, stellte Projektleiter Jens Greguhn klar. In der Zusammenarbeit „orientieren wir uns an unserer im Markt bekannten Seriosität und Verlässlichkeit“.

Keineswegs unseriös, sondern vielmehr verantwortungsvoll gehe Ten Brinke bei der Planung des Einkaufszentrums auf dem Balzer-Raiffeisen-Areal vor, sagte Projektleiter Jens Greguhn gestern im Gespräch mit WLZ-FZ. Zum einen würden die im Bebauungsplan festgeschriebenen Sortimente im Vermietungskonzept umgesetzt, zum anderen werde die laut Baurecht maximal zulässige Verkaufsfläche von 10 000 Quadratmetern mit den tatsächlich vorgesehenen 8780 Quadratmetern sogar deutlich unterschritten. „Unter Berücksichtigung der bestehenden Einzelhandelsstrukturen und für eine richtungs- und zukunftsweisende Ergänzung und Stärkung des Einzelhandels in Frankenberg ist dies nachhaltig.“ Der Mieter- und Branchenmix sei schlüssig.

„Haben nichts zu verbergen“

Etwa 60 Prozent der Nutzfläche belegt die Melsunger Rheika-Delta-Gruppe mit ihrem „Herkules“-Verbrauchermarkt und dem Technikmarkt. Die Mietverträge für diese beiden Flächen sind bereits unterzeichnet. Und auch die verbleibenden 40 Prozent seien so gut wie vermietet. „Derzeit befinden sich die Mietverträge in der Unterschriftenrunde.“ Sobald die Kontrakte unterzeichnet seien, würden sie auch der Stadt zur Genehmigung vorgelegt. „Wir haben nichts zu verbergen.“ Die Vorwürfe, Ten Brinke agiere unseriös und unternehme Alleingänge, weist Greguhn deshalb auch weit von sich. Die Kritik von Heß entbehre jeglicher Grundlage, sagte Greguhn und erinnerte an die „jederzeit offen und transparent geführte Planungsphase“ und die „Präsenz des Investors in Politik, Verwaltung, Ausschüssen und Gremien“.Zudem baggere Ten Brinke an niemandem aus der Fußgängerzone. „Interessierte Betriebe rufen uns eigeninitiativ an und möchten Flächen belegen. Wir prüfen unter Berücksichtigung der abgeschlossenen Verträge sehr intensiv eine vertragskonforme Umsetzbarkeit.“ Bislang seien deshalb auch mehrere Absagen ausgesprochen worden.

„Vermietungsaktivitäten“ seien darüber hinaus bereits bei einem Gespräch mit der Verwaltung im Januar 2011 offen diskutiert worden. „Erst daraufhin wurde der Kontakt von der Ten-Brinke-Gruppe zu etwaigen Mietern aufgenommen.“ Heß hatte in der vorletzten Woche erklärt, entgegen der Vereinbarungen habe Ten Brinke just am Tag des Abschlusses des städtebaulichen Vertrags zwei Mieter aus der Neustädter Straße/Bahnhofsstraße unter Vertrag genommen. „Die Vorwürfe sind haltlos“, erklärte Greguhn. Vielmehr handele es sich dabei um Mietverträge, von denen der eine über eine Kleinstfläche bereits vor Abschluss des städtebaulichen Vertrages eingegangen wurde. Bei dem anderen Vertrag handele es sich um einen Kleinstflächenmietvertrag mit einer in Frankenberg bislang nicht ansässigen Firma.Die momentanen Leerstände in der Fußgängerzone seien keineswegs Ten Brinke anzulasten, auch wenn Heß dies durch seine Aussagen suggeriere. Das Gegenteil sei sogar das Ziel, erläuterte Greguhn. „Vor allem durch Synergieeffekte könnten vorhandene Leerstände im Innenstadtbereich wieder mit Leben gefüllt werden.“ Die Innenstadt sei bekanntlich nur 200 Meter entfernt, „was gerade für den Standort und die richtige Entscheidung pro ,Frankenberger Tor‘ spricht.“ Grundsätzlich hatte Heß die Realisierung des Projekts als eine Katastrophe für Frankenberg bezeichnet. „Diese Aussage lässt sich nicht begründen und polarisiert unnötig und unsachlich“, sagte Greguhn mit Bedauern. „Gerade die Entwicklung eines Magneten in einer integrierten Lage, unterlegt mit nachhaltigen Mietverträgen in Kombination mit attraktiver Architektur, ist entscheidender Impuls für zukünftige Entwicklungen.“

Ten Brinke ist „verstimmt“

Keinen Hehl macht der Projektentwickler deshalb daraus, dass Heß die Ten-Brinke-Gruppe „verstimmt“ habe. Offenbar habe der Bürgermeister mit „derartigen Vorwürfen und Aussagen eine Diskussion anregen wollen“. Trotz dieses Angriffs auf die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit habe er am vergangenen Dienstag um ein Gespräch zur sachlichen Klarstellung bei Bürgermeister Heß erbeten. „Damit alle Verantwortlichen den aktuellen Informationsstand haben, begrüßen wir es, wenn auch der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung eingeladen wird.“Auf Initiative von Ten Brinke habe es in der Vergangenheit ja schon konstruktive Gespräche mit Heß gegeben. „Eine Abkehr hiervon war nicht vorhersehbar und entspricht nicht dem bis dato wechselseitig entgegengebrachten Vertrauen in der Zusammenarbeit.“ Nachdem die Bad Hersfelder Investorengruppe Rosco sich von der „Eder-Galerie“ verabschiedet hatte, seien doch gerade die Seriosität, Verlässlichkeit und Leistungsfähigkeit der Ten Brinke-Gruppe für die Stadt ausschlaggebend für die Zusammenarbeit gewesen. Zudem sei zuletzt ja sogar noch die „Übernahme von umfangreichen Erschließungsmaßnahmen durch uns in die Verträge übernommen“ worden.

„Es ist nicht einfach, unter solchen Bedingungen zu investieren“, sagte Greguhn. Und doch wolle Ten Brinke dies tun. Während die Abrissgenehmigung für das Raiffeisen-Gebäude vorliegt, wartet der Investor für die anderen Flächen noch auf die Abriss- und vor allem die generelle Baugenehmigung. „Wir stehen jedenfalls in den Startlöchern.“ Sollten Abriss sowie Gründungsarbeiten noch vor der Frostperiode möglich sein, hält Greguhn die Fertigstellung des 30-Millionen-Euro-Projekts für Ende 2013 für realistisch.Während die oft diskutierte Gebäudekubatur des Einkaufzentrums geringer als maximal zulässig ausfallen soll, kündigte der Projektentwickler an, auch die Geschosshöhe nicht komplett ausnutzen zu wollen. Parallel würden derzeit Gespräche über die Fassadengestaltung geführt, die noch hochwertiger als in den Verträgen festgeschrieben anmuten werde.

Von Rouven Raatz

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