Frau gegen ihren Willen geküsst: Taxifahrer zu Geldstrafe verurteilt

Frankenberger Land. Eine nächtliche Taxifahrt im Juli vergangenen Jahres endete für eine Frau aus Waldeck-Frankenberg damit, dass der Fahrer sie gegen ihren Willen küsste und berührte.

Das sahen Richter und Schöffen in Korbach als erwiesen an und verurteilten den 38-jährigen Mann aus dem Frankenberger Land zu einem Jahr und einem Monat Haft. Sie setzten die Strafe des nicht vorbestraften Mannes zur Bewährung aus.

Die 40-Jährige wollte gegen halb vier Uhr von einer Feier heimkehren. Das Taxi kam als Ersatz für ein im Vorfeld bestelltes: „Ich habe mich geärgert, dass das andere Taxi nicht kam - das hatte einen Festpreis“, erklärte sie. Der andere Fahrer habe sie aber mit den Worten „Das kriegen wir schon hin“ beruhigt und das Taxameter gestoppt. Am Ziel versprach sich der 38-Jährige in den Worten des Richters eine „Belohnung“: Er küsste die Frau, das Eindringen seiner Zunge verhinderte sie mit zusammengebissenen Zähnen.

Sie sei vor Schock wie gelähmt gewesen, habe „Ich will das nicht“ gesagt. Als der Fahrer ihre Brüste berührte und zwischen ihre Schenkel fasste, habe sie ihn weggestoßen, sich abgeschnallt und das Taxi verlassen.

Sie zögerte damit, Anzeige zu erstatten oder ihrem Mann von dem Vorfall zu berichten - sie machte sich Vorwürfe, den Fahrer mit ihrem kurzen Kleid „ermuntert“ zu haben. Eine Freundin forderte sie auf, sich bei der Polizei zu melden - sonst könne einer Anderen ähnliches widerfahren. „Und dass eine Frau selbst Schuld hat, nur weil sie ein kurzes Kleid trägt, kann ja wohl nicht sein“, befand die Freundin. Der Taxifahrer schilderte das Ende der Fahrt anders: Die Frau hätte ihn aus Dankbarkeit umarmt und geküsst, er hätte „Lass gut sein“ gesagt, weiter sei nichts geschehen.

Dies hielt die Staatsanwältin der Vermutung seines Verteidigers entgegen, die Frau habe ein Anbandeln mit dem Fahrer aus Scham überspielen wollen: Wenn nichts „gelaufen“ sei, gebe es auch nichts zu vertuschen. Ein Motiv für die Frau, die Geschichte zu erfinden, sah der Richter nicht - zumal die Frau, ihr Mann, ihre Freundin und eine Kollegin schilderten, wie der Vorfall sie über Monate belastete. Der Verurteilte soll nun 2000 Euro an das Wildunger Frauenhaus zahlen. (wf)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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