Satirischer Jahresrückblick mit Bernd Gieseking in der Ederberglandhalle

Freche und respektlose Töne

„Das Schwert wird heute zu Unrecht unterschätzt“: Arminius der Cherusker alias Bernd Gieseking. Foto: Moniac

Frankenberg. Von „Abwrackprämie“ bis „Zurückblättern“ reichte der satirische Jahresrückblick von Bernd Gieseking, dessen bissige Wortwitzeleien 150 Besucher in der Ederberglandhalle genossen.

Chronologie war da nicht angesagt und auch keine buchstabengetreue Reihenfolge. „Ich garantiere eine chaotische Anordnung“, verkündete der Kabarettist. Mit Michael Schumacher, dem „Jesus von Kerpen, der nun einem (Mercedes)Stern folgt“ und „Suppen-Ulla“ mit ihrer Dienstwagenaffäre schoss er sich gleich auf zwei Lieblingsziele ein. Weiter ging es mit der Schweinegrippe („Das war die Abwrackprämie für die Pharmaindustrie“), Michael Jackson, Hartmut Mehdorn, den gierigen Bankern und so weiter und so fort.

Hape Kerkeling „ist dann mal weg“, Boris und Lilly Becker erwarten ein Kind, Heidi Klum hat ihr viertes gerade bekommen: Wieso wüssten wir das alles eigentlich, und wozu wissen wir es und merken es uns auch noch? Eine Antwort hierauf gebe es nicht außer der eher deprimierenden Erkenntnis, dass die Mühlen der Medien auch an uns erfolgreich arbeiten.

Kein Thema ist vor der spitzen Feder des Ostwestfalen sicher. 2009 als Jubiläumsjahr: Runde Geburtstage der Bundesrepublik Deutschland und des Mauerfalls und - ganz eindeutig das Lieblingskind des Satirikers - der Varus-Schlacht am Teutoburger Wald gaben Anlässe zu frechen, vielfach auch respektlosen Tönen gegenüber historischen Ereignissen.

Scharfzüngiger Humor

Was wurde aus der DDR hinübergerettet? Das Sand- und das Ampelmännchen und Angela Merkel war hier die Antwort. Letztere hätte die Ausstrahlung einer angeheirateten Patentante, die ihr ganzes Leben lang im Quelle-Katalog bestellt habe. „Aber total nett“, lobte Gieseking. Nicht enden wollende Zielscheibe seines scharfzüngigen Humors: Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Der sei sich der Tragweite seines Amtes voll bewusst und düse strahlend und nicht ganz uneitel durch die Welt. Und natürlich Karl-Theodor zu Guttenberg („Generation Schnieke“), bei dem schon die gegelte Frisur genügt, um Gieseking ausführlich lästern zu lassen. Philipp Rösler, Gesundheitsminister mit vietnamesischem Hintergrund, Ex-Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee („Der wusste selber nicht, dass er sein Amt hatte“), Roland Koch („der Berlusconi unter den deutschen Ministerpräsidenten“) und viele andere: Sie alle bekamen ihr Fett ab und dürften ihr Verhältnis zum kleinen Mann auf der Straße ruhig noch einmal überprüfen.

Er komme sicher wieder nach Frankenberg, versprach er seinem begeisterten Publikum, bis dahin „minarette sich, wer kann“.Die Veranstaltung war von Kulturring und Stadtbücherei organisiert worden.

Von Marise Moniac

Quelle: HNA

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