Hallenberg

Freilichtbühne zeigt die Passion

- Hallenberg (apa). Wenn sich in Hallenberg überproportional viele Männer einen Vollbart stehen lassen, dann steht die Passion wieder auf dem Spielprogramm. Seit 1950 spielen die Hallenberger alle zehn Jahre die Geschichte von Leben, Sterben und Auferstehung Jesu.

Auch in diesem Sommer stehen wieder alle Spieler gemeinsam in einem Stück auf der Bühne, auf ein Kinderstück wird verzichtet. Eine fünfstellige Zahl Karten ist bereits vorbestellt. Seit einer Woche proben die rund 130 ehrenamtlichen Akteure auf der Naturbühne, bisher haben sie in den Vereinsräumen und in der Stadthalle an Text und Mimik gearbeitet. Sie opfern ihre freien Abende im Frühling und im Frühsommer, bevor am Sonntag, 6. Juni, ein anstrengender Sommer für die Spieler beginnt: Insgesamt 32 Aufführungen stehen auf dem Spielplan. Die Regie führt Birgit Simmler, die auch in den vergangenen drei Jahren die jeweiligen Erwachsenenstücke inszenierte.

Sie inszeniert zum ersten Mal die Passion. Herausforderungen gebe es dabei viele, sagt sie. Simmler hat es sich zum Ziel gesetzt, Jesus nicht als Heiligen zu zeigen, sondern als das, was er zum Zeitpunkt seines Lebens und Leidens war: Ein Mensch. Und so wandert Burkhard Hesse, der im Laufe der Spielzeit 33 Jahre alt wird, als Jesus nicht die ganze Zeit getragen und würdevoll über die Bühne, sondern muss die emotionalen Facetten eines Menschen zeigen: Natürlich Trauer und Freude, aber auch Spaß, Zorn, Zweifel und Hass.

Birgit Simmler schafft es, fast ununterbrochen Energie zu übertragen. Mal steht sie im Zuschauerraum und dirigiert ihre Darsteller von dort aus, aber immer wieder unterbricht sie eine Szene, springt die Treppenstufen hoch und mischt auf der Bühne mit: Hier korrigiert sie die Haltung einer Tempeldienerin, dort rückt sie einen Jünger in die richtige Position. Trotz dieser Quirligkeit ist sie konzentriert und hat genau im Blick, was gerade auf der Bühne passiert, nimmt Details wahr und geht darauf ein.

Das Zauberwort bei Birgit Simmler heißt Perspektive. Sie achtet genau darauf, dass jeder der bis zu 130 Darsteller an einer geeigneten Stelle steht, immer in offener Haltung zum Publikum. Sie nutzt aber auch die Möglichkeit, nicht nur räumliche Perspektiven zu wechseln, um neue Blickwinkel auf den bekannten Stoff der Passion zu ermöglichen. So lässt sie Jesus auch mal laut lachen und herumalbern, er darf Petrus in den Bauch boxen – ohne dabei wie eine Satire wie Monty Pythons „Brian“ zu wirken. Die ernsten Seiten des Charakters haben schließlich noch genug Raum in diesem Stück.

Informationen und Karten gibt es unter Telefon 02984/929190 und auf www.freilichtbuehne-hallenberg.de im Internet.

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