Bürgermeister sprechen über Verwaltungsgemeinschaft

Frese und Junghenn im Interview

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Allendorf (Eder)/Bromskirchen - Die Mitglieder der Haupt- und Finanzausschüsse haben für die Zusammenlegung der Verwaltungsaufgaben der Gemeinden Bromskirchen und Allendorf gestimmt. Im FZ-Interview sprechen die beiden Bürgermeister über die Zukunft und die Frage, wann es nur noch einen hauptamtlichen Rathauschef geben wird.

Redakteur Tobias Treude sprach mit den Bürgermeistern Karl-Friedrich Frese und Claus Junghenn über ihre Erwartungen.

Wie nehmen die Bürger in Allendorf und Bromskirchen das Thema Verwaltungsgemeinschaft auf? Claus Junghenn: Die Bevölkerung möchte erklärt haben: Was macht ihr da? Welche Auswirkungen hat das für uns? Und das ist ja in Bromskirchen ausführlich erläutert worden. Es ist eine Kooperation im Verwaltungsbereich, die in der Außenwirkung relativ gering sein wird.Karl-Friedrich Frese: Negatives habe ich überhaupt nicht gehört.

Warum haben Sie sich letztendlich für diese Form entschieden? Frese: Das ist die Möglichkeit, die auf breiten Schultern getragen wird, die umsetzbar ist. Ob es dann die beste Lösung ist, wird die Arbeit zeigen. Schlechter wäre es gewesen, Verträge zu schließen. Entweder hätte man eine Vielzahl von Verträgen gehabt, über welche die einzelnen Aufgaben verteilt worden wären, oder alle Aufgaben wären nach Allendorf übertragen worden. Da hätte man sich als Gemeinde nicht wiedergefunden. So was muss auch gelebt werden.Junghenn: Es ist eine ständige parlamentarische Kontrolle gegeben. So wird das Neue mit allen Verantwortungsträgern in den Gemeinden umgesetzt.

Wie geht es in den nächsten Wochen weiter?Frese: In den Sitzungen der Gemeindevertretungen wird die Verwaltungsgemeinschaft sicherlich eingetütet. Und dann wird es unsere Aufgabe sein, gemeinsam mit den Mitarbeitern und dann mit den Gemeindevorständen zu definieren: Wo wird welche Aufgabe gemacht und was wird umgesetzt. Dann sind wir nicht mehr auf der Ebene des Satzungsrechts tätig, sondern in jedem einzelnen Büro in unseren Verwaltungen.

Wo sehen Sie die größten Einsparpotenziale?Frese: Wir werden sehen, welche Synergien wir erzielen: Wird aus den beiden Kunden Allendorf und Bromskirchen beim Rechenzentrum ein neuer Kunde Verwaltungsgemeinschaft Allendorf-Bromskirchen? Mittelfristig sollen sich Synergien beim Personalaufwand einstellen. Das wird aber nicht sofort geschehen.

Sie sprechen das Personal an. Wenn ein Mitarbeiter aus Altersgründen ausscheidet, wird seine Position vielleicht nicht neu besetzt. Wie viele Personen sollen denn künftig in den Rathäusern arbeiten?Junghenn: Das muss die Arbeit erst zeigen. Wir sind überzeugt, dass es den ein oder anderen Bereich gibt, wo man Personal einsparen kann. Aber die Verwaltung ist schon straff aufgestellt, deswegen wird sich das in Grenzen halten.

Wie viele Mitarbeiter sind für das Bürgerbüro Bromskirchen vorgesehen?Frese: Wenn ein Bürgerbüro funktionstüchtig sein soll, dann muss es dort drei Stellen geben. Erfahrungsgemäß ist einer immer weg. Aber wenn mal einer krank ist, kann ja jetzt eine Vertretung aus Allendorf kommen.

Ist es in Zukunft denkbar, dass es in einer der Gemeinden keinen hauptamtlichen Bürgermeister mehr geben wird?Frese: Ja.

Ab wann ist das eine Option? Frese: Ganz allgemein betrachtet könnte ich mir vorstellen, dass eine kleinere Gemeinde wie Bromskirchen irgendwann wieder von einem ehrenamtlichen Bürgermeister geführt wird – weil ja die Verwaltungsgemeinschaft dahintersteht. Es sind mehr Fachleute da, die wichtige Dinge abarbeiten können. Wann das der Fall sein wird, das müssen die Gremien definieren.Junghenn: Die Verwaltungsgemeinschaft ist eine Form, in der jede Kommune ihre Eigenständigkeit bewahren wird. Die Entwicklung muss zeigen, ob die Bevölkerung bereit ist zu sagen: Okay, den hauptamtlichen Bürgermeister benötigen wir nicht mehr. Oder ob sie sagt: So weit sind wir noch nicht.

Wo sehen Sie die größten Unterschiede zum frühzeitig gescheiterten Fusionsversuch in Battenberg und Hatzfeld?Frese: Zu sagen, was Battenberg und Hatzfeld nicht geschafft haben, das machen wir, das haben wir mit Absicht nicht getan. Dann wären wir vermutlich genauso gescheitert. Wir haben aus der Sache gelernt. Die Verwaltungsgemeinschaft ist die größtmögliche Form der Zusammenarbeit abseits einer Fusion. Ich glaube, die Bevölkerung ist noch nicht so weit, dass man fusionieren kann. Das kann sich aber sicherlich entwickeln.

Die Verwaltungsgemeinschaft ist offen für andere Mitglieder. Welche Größe ist für dieses Konstrukt machbar?Frese: Historisch gesehen wird sich das weitestgehend auf das obere Edertal begrenzen müssen. Ich will nicht die Tür zumachen, zum Beispiel wenn ich an Burgwald denke. Aber wenn es noch größer wird, wird es zu anonym.

Besteht bei einer dann größeren Verbandsversammlung die Gefahr, dass dort mehr diskutiert als entschieden wird? Junghenn: Man darf sich nicht in den Aufgaben täuschen. Da wird das große Rad nicht gedreht. Die materiellen Entscheidungen werden weiterhin innerhalb der kommunalen Gremien getroffen. Aber klar ist: Je größer es wird, umso schwieriger ist es für die Bevölkerung, das mitzutragen. Frese: Konkretes Beispiel: Unser Standesamt ist in Allendorf. Wenn es mal ganz eilig ist, muss der Bürger dorthin fahren. Das akzeptieren die Leute. Aber wenn sie plötzlich bis nach Gemünden fahren müssten, dann würde es Akzeptanzprobleme geben. Und die handelnden Köpfe müssen sich ja auch auskennen. Der Sachbearbeiter Müllabfuhr muss wissen, wie es in Neuludwigsdorf aussieht. Wenn der auch noch wissen soll, wie es im 14. Ortsteil von Haina aussieht, dann wird es schwierig.Junghenn: Mit Allendorf, Bromskirchen, Battenberg, Hatzfeld und eventuell Burgwald sind wir bei einer Größenordnung von etwa 15 000 Einwohnern. Das sollte das mittel- bis langfristige Ziel sein.

Wollen sich die anderen Gemeinden im oberen Edertal früher oder später anschließen?Junghenn: Die werden das prüfen. Die anderen Kollegen werden warten und gucken, wie sich das entwickelt. Es stehen ja alle unter dem Kostendruck. Und wenn erkannt wird, die Verwaltungsgemeinschaft bringt etwas, dann wird man sich logischerweise damit auseinandersetzen.

Wo sehen Sie Ihre Gemeinde und die Verwaltungsgemeinschaft in zehn Jahren? Junghenn: Ich gehe davon aus, dass sich in zehn Jahren die Integration anderer Kommunen konkretisieren wird. Wir sind zuversichtlich, dass es ein richtiger Schritt ist und dass wir Kosten einsparen werden.Frese: Wir werden ortsrechtlich aneinander wachsen und die Zusammenarbeit wird uns stabilisieren. Ob die Verwaltungsgemeinschaft eine Dauerlösung ist oder ob sie nur die wichtige Etappe zu weiteren Wegen ist, wird sich zeigen.

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