Demonstration gegen Windräder beim Jubiläums-Grenzgang

Frese: "Wahrscheinlichkeit deutlich unter 50 Prozent"

+

Bromskirchen - Die Wahrscheinlichkeit, dass ein neuer Windpark auf hessischer Seite oberhalb von Wunderthausen mit zwölf rund 220 Meter hohen Anlagen entsteht, scheint deutlich gesunken. Dies erläuterte Bromskirchens Bürgermeister Karl-Friedrich Frese den etwa 70 nordrhein-westfälischen Demonstranten, die am Samstagmorgen bei einer Kundgebung in Wunderthausen auf Freses Grenzgangs-Gruppe trafen.

„Windräder für Hessen - Wunderthausen vergessen. Dorfbild verbaut - Windräder zu laut“. Mit diesen eindeutigen Parolen auf Transparenten und Schildern empfingen am Samstagmorgen die Wunderthäuser Windkraftgegner ihre hessischen Nachbarn aus Bromskirchen auf dem Wanderparkplatz in der Linze. Direkt an diesem Gelände vorbei führt die hessischen-nordrhein-westfälische Landesgrenze, die die Gemeinde Bromskirchen von der Stadt Bad Berleburg trennt.

An diesem Wanderparkplatz hatte sich der hessische Bürgermeister vorgenommen, über den Sachstand des Planungsverfahrens zu sprechen. Das stieß bei vielen Wunderthäusern sauer auf, die seit 1996 bereits negative Erfahrungen mit den fünf bestehenden 100 Meter hohen Anlagen am Ortsrand gemacht haben. Spontan organisierten Thomas Müller und andere eine Protestkundgebung, die von drei Generationen Wunderthäusern getragen wurde. Vom Schulkind bis zum Großvater waren sie auf den Beinen, um ihren Ängsten und ihrem Ärger ein Gesicht zu verleihen.

Standort nur als Ausnahme

Dabei beschränkte sie sich aber nicht nur auf markige Sprüche, sondern stellten auch Schautafeln auf, die die Auswirkungen der Planungen aus Sicht der Gegner deutlich machen und verteilten in den Tagen vor diesem Grenzgang auch Broschüren zum Thema in den Bromskirchener Haushalten. Frese erläuterte am Megafon seine Sicht zum Sachstand des Planungsverfahrens. Neben 60 Eingaben von Wunderthäuser Privatleuten seien auch 60 von Trägern öffentlicher Belange (Naturschutzverbände, Luftraumüberwachung und Bundeswehr) eingegangen.

Demnach sei das als europäisches Vogelschutzgebiet Natura 2000 ausgewiesene Mittelgebirgsgebiet nur im Ausnahmefall als Standort zulässig, wenn in ganz Hessen keine anderen Flächen zu finden seien. Außerdem seien neben Schwarzstorch und Rotmilan hier 24 Fledermausarten nachgewiesen und man liege im Einzugsbereich der Luftraumüberwachung Erndtebrück sowie im Anflugkorridor für den Flugplatz Allendorf (Eder).

„Nach meiner persönlichen Einschätzung liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Genehmigung deutlich unter 50 Prozent“, sagte Frese. Doch die Wunderthäuser sind skeptisch. Das machte auch Ortsvorsteher Martin Schneider deutlich, der sich einen engeren nachbarschaftlichen Kontakt wünscht. Konkret gefragt hieß dies: „Warum kommen diese Informationen erst jetzt zu uns?“

Von Lars-Peter Dickel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare