Bromskirchener erhalten zum Dorfjubiläum Besuch aus ihrer französischen Partnergemeinde Arrou

Mit den Freunden auf Grimms Spuren

Einige der französischen Freunde bummelten am Samstag nach dem Gottesdienst mit ihren Gastgebern über den Markt der Landfrauen – rechts im Bild: Pfarrer Oliver Schönfeld und Bürgermeister Karl-Friedrich Frese.Fotos Gerlinde Himmelmann

Bromskirchen - Auch von den Freunden aus Arrou erhielten die Bromskirchener am Wochenende Glückwünsche zur 775-Jahr-Feier.

Am Donnerstag erhielt das Jubiläumsdorf Besuch aus der Partnergemeinde Arrou: 27 Franzosen reisten aus der etwa 120 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Paris gelegenen Gemeinde an, um gemeinsam mit ihren deutschen Gastgebern ein erlebnisreiches Wochenende zu verbringen und die seit 35 Jahren bestehende Freundschaft zu vertiefen.

Ein Besuch in der Rhön wurde am Freitag unternommen. Dort besichtigte die Gruppe unter anderem die an der Deutschen Märchenstraße gelegene Stadt Steinau, in der die Brüder Grimm zur Welt gekommen sind. Bei einer zweisprachigen Stadtführung lernten sie deren Geschichte kennen.

Die Märchen sind übrigens völkerverbindend: Die Grimms hatten in Kassel viele Erzählungen von Dorothea Viehmann aufgenommen. Sie ist eine geborene Pierson und stammt aus einer hugenottischen Familie, die Frankreich wegen ihres protestantischen Glaubens verlassen müsste. Insofern schlummern in der berühmten Märchensammlung auch französische Wurzeln.

Der Samstag stand für die Freunde und ihre Gastgeber zunächst im Zeichen des Landfrauenmarktes rund um die Martinskirche. Er begann mit einer Andacht im Gotteshaus, die zu Ehren der Besucher zweisprachig gehalten wurde. Der neue Pfarrer Oliver Schönfeld führte durch die Liturgie und hielt die Predigt, der Vorsitzende des Kirchenvorstandes und Leiter Posaunenchores, Marius Schmidt, übersetzte. Das wohlbekannte Kirchenlied „Ich singe dir mit Herz und Mund“ von Paul Gerhardt war Gegenstand der Andacht. „Gott lädt uns ein, sein Geschenk dankbar anzunehmen“, sagte Pfarrer Schönfeld zu dem Liedtext - gestern Mittag wurden er und seine Frau Ruth offiziell als Seelsorger der Gemeinde ins Amt eingeführt, der Bericht folgt. Der Bromskirchener Posaunenchor unter der Leitung Schmidts gestaltete die Andacht musikalisch.

Bei einem Bummel über den Markt der Landfrauen genossen die Gäste aus der Partnergemeinde danach die Atmosphäre im historischen Herzen Bromskirchens. Farbenfroh und liebevoll herbstlich dekoriert präsentierten sich die 18 Stände rund um die Kirche. Auch altes, dorftypisches Handwerk wurde im Rahmenprogramm vorgeführt. Und für die Franzosen gab es einige nordhessische Leckereien aus eigener Herstellung zu probieren.

Noch ein zweites Jubiläum rückte mit dem Besuch in den Blickpunkt: Vor 50 Jahren haben Bundeskanzler Konrad Ade­nauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle in Paris den Élysée-Vertrag unterzeichnet, der die deutsch-französische Freundschaft besiegelte. Nachdem Generationen im Bewusstsein einer „Erbfeindschaft“ aufgewachsen waren und sich bekriegt hatten, rückten die beiden größten Völker Europas zusammen und wurden zum Motor der Einigung des Kontinents in der EU.

Wie schwer das historische Erbe wiegt, zeigte erst vor wenigen Tagen der Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Oradour-sur-Glane, dem Dorf, dessen Einwohner die SS im Juni 1944 fast vollständig ermordet hat - mehr als 600 Männer, Frauen und Kinder. Noch immer sitzen die Verletzungen bei Hinterbliebenen tief. Doch Präsident François Hollande bekräftigte den „Willen zur Versöhnung“ und umarmte Gauck. Das symbolträchtige Bild ging um die Welt. Der Besuch zeigt, dass die Freundschaft immer aufs Neue gefestigt werden muss.

Partnerschaft seit 1978

Im Geist der Völkerverständigung hatten auch die Bürgermeister Rudolf Müller und Maurice Dourdon am 4. Juni 1978 in Arrou die Partnerschaftsurkunden unterschrieben: „erfüllt von dem Wunsche, unseren Nachkommen das Erbe des freien und friedlichen Weltbildes zu vermitteln, sowie das gegenseitige Verständnis der Brüderschaft zwischen unseren beiden Nationen zu verbessern“.

Von Gerlinde Himmelmann

Ein Abschiedsabend in der Scheune des neuen Dorfmittelpunktes „Am Kamp“ in Somp­lar beendete den Besuch, bevor die Gruppe gestern wieder die Heimreise antrat.

Von Gerline Himmelmann

Ein Bericht vom Markt folgt in der Dienstagausgabe der FZ.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare