Finanzinvestor Afinum glaubt an „Wachstumspotenzial“ von Thonet

Mit frischem Geld den Export stärken

Haben nicht mehr das alleinige Sagen beim weltweit renommierten Möbelhersteller: die Erben des legendären Bugholzstuhlerfinders Michael Thonet; von links: Claus, Felix, Peter, Michael und Percy Thonet. Foto: pr

Frankenberg - Rosenthal, Märklin oder Schiesser: Etlichen deutschen Traditionsmarken ist in den vergangenen Jahren die finanzielle Luft ausgegangen. Am Dienstag hat Thonet die Eigenständigkeit aufgegeben und dafür Geld erhalten, um das Exportgeschäft zu forcieren.

Das Jahr 2013 wird als eines der schwierigsten in die fast 200-jährigen Unternehmensgeschichte von Thonet eingehen. Erst trennte sich der weltweit bekannte Möbelhersteller nach nur sechs Monaten von seinem Geschäftsführer Peter Schwering. Mit „Differenzen in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens“ begründete Karl-Heinz Gloe den Entschluss der Gesellschafter und der Beiräte. Gloe hatte dem zweiten Geschäftsführer Peter Thonet vor Schwerings Einstellung zur Seite gestanden hatte und kehrte im Mai wieder in das Unternehmen zurück. Gestern Nachmittag verkündete Thonet schließlich die Aufnahme eines externen Gesellschafters in die GmbH. Mit wieviel Geld sich der Finanzinvestor Afinum an der Premium-Marke beteiligt hat, geht aus der Erklärung nicht hervor. Geschäftsführer Peter Thonet war für weitere Auskünfte nicht zu erreichen.

Zum 3. September habe die Thonet GmbH ihr Kapital erhöht, teilte das Unternehmen mit. Über den AF Eigenkapitalfonds für deutschen Mittelstand hat sich Afinum bei dem Möbelhersteller eingekauft. Beteiligungen an acht Unternehmen weist Afinum auf der Internetseite aus und verweist auf zwölf frühere Beteiligungen.

Die Thonet-Beteiligung wird von den Managern Burkhard von Wangenheim und Michael Hüsken verantwortet. Sie bezeichnen das Engagement als Investition in das Wachstum eines klassischen Mittelständlers. „Wir glauben, dass das Unternehmen mit seiner weltweit bekannten Marke und seinem einzigartigen Produktportfolio substanzielles weiteres Wachstumspotenzial besitzt, welches wir mit unserem Fonds aktiv begleiten wollen.“

Europa und Asien im Visier

Vom Einstieg des Geldgebers erhofft sich Thonet „Unterstützung beim Ausbau des internationalen Vertriebs“. Peter Thonet sieht für das Unternehmen mit der „einzigartigen Geschichte“ und den Produkten „noch viel Potenzial, um strategisch wichtige Exportmärkte in Europa und Asien zu erschließen“. Um dies „nachhaltig tun zu können, benötigen wir zusätzliches Kapital“. Thonet sei froh, „mit Afinum einen erfolgreichen Investor mit großer Erfahrung im Mittelstand an Bord zu haben“.

Im Mai bei der Trennung von Geschäftsführer Schwering hatte Gloe erklärt, dass das Exportgeschäft zunehmend wichtiger für das Unternehme werde. „Wir bewegen uns deutlich über Plan trotz des schwierigen Umfelds in der Branche“, sagte er. Die gute Entwicklung führte der Unternehmensberater, der Thonet bereits durch die Umstrukturierung mit der Schließung des Werks I und betriebsbedingten Kündigungen geführt hatte, auf die „Neuorganisation unserer Exportschiene“ zurück. 2011 wurde das Konzept in Österreich verändert, 2012 die Strategie in den Niederlanden, Belgien und Frankreich. „Das zeigt Wirkung. Wir sind sehr optimistisch, dass sich die Entwicklung fortsetzt.“ In Zahlen: „Im Export sind wir auf Plan und gut 20 Prozent über Vorjahr.“ Der Auftragsbestand sei sehr erfreulich, „auch wenn es in Deutschland einen Tick mehr sein könnte“.

Von Rouven Raatz

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