Lebensmittel-Lieferdienste und Landfrauen bieten frisches Gemüse

Frisches Gemüse vor der Haustüre

+
Frische Steinchampignons, geschmacksintensive lila Möhren, knackiger Chinakohl und fruchtig-süße Clementinen füllen die Test-Ökokiste, die von Bosshammersch Hof in Großseelheim kommt. Foto: Patricia Kutsch

Frankenberg - Obst und Gemüse in Bio-Qualität und frisch auf den heimischen Tisch - das verspricht ein Online-Lieferdienst aus der Region. Aber was liefern die eigentlich? Und wie schmeckt es? WLZ-FZ haben es getestet.

Fast alle Branchen haben das Internet mittlerweile entdeckt: Kleidung, Schuhe, Fernseher und Küchenwaagen - viele gewöhnliche und ungewöhnliche Dinge gibt es per Mausklick nach Hause geliefert. Also eine Frage der Zeit, bis auch Lebensmittel online bestellt werden können und frisch nach Hause gebracht werden.

Deutschlandweit verspricht der Bio-Lieferdienst Ökokiste frisches Gemüse und Obst frei Haus. Bestellt wird per Internet. Ich melde uns für eine Probekiste an, gebe meine Kontaktdaten an. Und tatsächlich: Es gibt einen Bio-Hof in der Nähe, der die Lieferung der Ökokiste übernimmt, denn kaum eine Stunde später ruft eine Mitarbeiterin von Bosshammersch Hof in Großseelheim bei Kirchhain an. Freundlich und unkompliziert erklärt sie den Ablauf, fragt nach meinem Geschmack. Ich entscheide mich für die „Speedykiste“ - laut der Mitarbeiterin besonders oft bestellt. Die enthält Gemüse und Obst, wird jede Woche neu zusammengestellt. Den Namen hat die Kiste daher, weil sie Waren enthält, die schnell verarbeitet sind oder sogar roh auf die Hand gegessen werden. Der Liefertermin steht: In Frankenberg werden die Bio-Kisten mittwochs ausgeliefert.

Wenige Minuten nach der Bestellung kommt eine Mail mit Zugangsdaten für den Internetshop des Großseelheimer Hofs: Damit kann ich auf meine Bestellung zugreifen und sehen, was es in der nächsten Woche geben wird. Paprika, Äpfel, frische Pilze und einiges mehr sind aufgeführt - in kleinen Mengen, für den Preis von 18 Euro. Soviel kostet die mittelgroße „Speedykiste“ jede Woche in etwa. Den Inhalt können wir aber je nach Geschmack abändern. Ich tausche die Möhren gegen das „lila Luder“ - lilafarbende Bio-Möhren. Die sind ein bisschen teurer, das hebt den Preis der Kiste. Wenige Sekunden später ist meine persönliche Ökokiste aktualisiert, die neue Bestellung abgeschickt. Die kann ich noch bis zum Vortag um 8 Uhr abändern, falls ich spontan Kartoffeln für einen Auflauf brauchen sollten. Brauche ich aber nicht.

Eine Woche später ist die Kiste da. Die Lieferung erfolgt so früh am Morgen, dass die frischen Zutaten direkt für ein schmackhaftes Mittagessen verarbeitet werden können. So lange wird nicht gewartet: Sofort greifen die Kollegen in die Kiste und testen die schmackhaften, süßen Mandarinen und die intensiven kleinen Äpfelchen. Die deutschen Äpfel in Bio-Qualität kosten 3,99 Euro pro Kilogramm. Die Clementinen kommen laut Lieferschein aus Marokko, sind aber aus kontrolliertem Anbau.

Verarbeitet werden muss meine grüne Kiste nicht an einem Tag - genau wie bei frischen Produkten aus dem Laden. Die Waren im Wert von 19 Euro sind frisch, halten sich länger. Aus dem Chinakohl, den Tomaten und den roten Paprika wird schnell eine große Portion knackiger Salat. Ein paar Steinchampignons dürfen mit in die Schüssel. Die schmackhaften Champignons wandern aber auch noch zwei Tage später in eine Pilzpfanne mit frischen Kräutern und viel Knoblauch. Zum Schluss bleiben noch die lilafarbenen Möhren. Weil die aber nicht so recht zu der Pilzpfanne passen wollen, gibt es das farblich ungewöhnliche Gemüse eben am Wochenende. Genau wie herkömmliche Karotten passt es hervorragend zu Kartoffeln, Kürbis oder Ingwer.

Ganz begeistert von dem mir bisher unbekannten Geschmack der „lila Luder“ teste ich die übrigen Möhren einen Tag später in einem weiteren Rezept: Es gibt Möhrengemüse. Oder wie es bei uns auf dem Dorf heißt: „Karduffeln en Mieren durchenee“. Statt in einem hellen Orange zeigt sich diese schmackhafte Beilage ausnahmsweise in einem zarten Fliederton - ungewöhnlich, aber auch ungewöhnlich lecker.

Noch schneller vom Acker auf den Tisch geht es eigentlich nur beim klassischen Markt: Viele Landwirte, Lebensmittelgeschäfte und Bio-Läden verkaufen regionale Produkte aus kontrolliertem wie aus konventionellem Anbau. Frische Waren direkt vom Bauernhof oder aus eigener Herstellung gibt es beispielsweise jeden Samstag auf dem Wochenmarkt der Landfrauen in der Frankenberger Rathausschirn: Hausgemachter Käse, frische Butter, Kräuterbutter mit selbst angebauten Kräutern und Wurstwaren aus eigener Schlachtung gibt es dort unter anderem. Neben Produkten für mein Mittagessen gibt es dort auch Vielseitiges für Frühstück oder Badzimmer - etwa Marmeladen ohne Konservierungsstoffe oder Seife aus Naturprodukten. Das frische, heimische Angebot hat zahlreiche Fans, die jeden Samstag mit ihrer Einkaufsliste in die Schirn kommen.

Nicht aus der Region, aber auch bis vor die Haustüre, kommen ganze Kochboxen. Getestet habe ich die Kiste von „Hello Fresh“. Kein Bund Möhren und keine Tüte mit zwei Orangen, sondern drei Rezepte und alles, was ich dafür brauche, werden zu mir nach Hause geliefert. Was ich aus den Zutaten koche, muss ich gar nicht selbst überlegen, denn es gibt drei vorgefertigte Rezepte, die versprechen, kinderleicht und innerhalb von 30 Minuten fertig zu sein. Dazu sollen sie leicht und gesund sein.

Die Box kommt mit einem Paketlieferdienst, das Fleisch ist gesondert abgepackt und gekühlt. Den Wochentag kann ich mir selbst aussuchen. Am ersten Tag gibt es zartes Schweinefilet in guter Qualität, gedünsteten Wirsing und gebratene Spätzle. Eine einzige Zwiebel lag einsam mit in der Kiste - die wird in dem Rezept verarbeitet. Für die Zubereitung reichen mir 30 Minuten nicht ganz, aber das Rezept ist einfach gehalten und übersichtlich gestaltet. In der Kiste ist übrigens auch eine kleine Tüte mit Semmelbröseln und eine Packung mit 125 Millilitern Milch - nicht mehr als das, was ich für die Putenbrust brauche, die mit Tomate-Mozzarella gefüllt wird. Lecker, leicht und leicht zu kochen sind die Rezepte tatsächlich. Sie sind genau berechnet für wahlweise zwei oder vier Personen. Reste gibt es eigentlich weder vor oder nach dem Kochen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare