Ehemaliger Scorpions-Drummer produziert Album einer Frankenberger Band

Von fünf Musikern, die ausziehen, um Rockstars zu werden

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Sie wollen Weltstars werden: die Gitarristen Martin Ries und Pascal Alles, Sänger Al Crespo, Bassist Lukas Mittler und Drummer Alex Ries (v.l.) von Unbreakable.Fotos: pr

Frankenberg - Eine Band aus Frankenberg, die sich dem Hard Rock verschrieben hat, will international durchstarten. An ihrer Seite haben die Musiker von "Unbreakable" einen Profi, der genau weiß, was dafür nötig ist: Herman Rarebell, der mit den Scorpions Weltruhm erlangt hat.

Sie gehören nicht zu denen, die durch Kneipen und Clubs tingeln und versuchen, auf diese Weise in der Branche Fuß zu fassen. „Unbreakable“ gehen mit Strategie vor - und sind auf dem besten Wege, Erfolg zu haben. Während im Frankenberger Land kaum jemand weiß, wer sie sind, geben sie in den USA Radiointerviews und bereiten eine Promotion-Reise vor.

Dass sie so weit gekommen sind, haben Martin und Alex Ries, der Hommershäuser Lukas Mittler sowie Pascal Alles und Al Crespo vor allem einem zu verdanken: Herman Rarebell, ehemaliger Drummer und Songschreiber der weltberühmten Scorpions.

Die Musiker aus Frankenberg haben ihn auf einem Konzert in Hamburg kennengelernt. „Die Chemie hat sofort gestimmt“, erinnert sich Martin Ries. Als sie später auf der Suche nach einem Produzenten waren, der einen Zugang zu ihrem Musikstil hat, ist ihnen Herman eingefallen. Sie schickten ihm ein Demo und bekamen prompt eine Zusage. „Er hat gesagt: ‚Das ist total geiles Zeug‘“, erinnert sich Martin Ries. Die ersten Aufnahmen für das eigene Album hatten die Musiker in ihrem Tonstudio in Frankenberg aufgenommen. Elf Stücke sollten auf die Platte „Knockout“. Mit Herman arbeiteten sie dort zunächst an den Arrangements. „Herman ist eine Koryphäe, gerade in Sachen Rhythmik“, sagt Martin Ries. Alle Anregungen und Veränderungen des Profis an ihren Stücken hätten sie deshalb dankbar aufgenommen. „Das war ein richtiges Coaching“, sagt Ries - ihre Songs hätten profitiert, ohne dass der Stil verändert wurde.

Aufnahmen im trockengelegten Pool

Mit Herman an ihrer Seite gingen die Musiker in die Principal-Studios im Münsterland. Dort nahmen sie die Rhythmus-Elemente auf. „Das war eine tolle Atmosphäre“, sagt Martin. Von dort ging es weiter in die Kidroom-Studios, die sich im ehemaligen Poolhaus einer Villa befinden. Die Technik ist im ehemaligen Schwimmbecken untergebracht, darüber liegen die Studios. Dort haben schon Künstler wie die ‚Toten Hosen‘ oder ‚Unheilig‘ ihre Musik eingespielt. „Unbreakable“ nahmen dort Gesang, Bass und Gitarren auf. Dabei half auch Michael Voss (Mad Max).

Damit war die Arbeit der Musiker am Album beendet: Denn beim sogenannten Mastern gibt der Produzent dem Werk seine Handschrift. „Wir wollten einen Produzenten, der unsere Musik spielt“, sagt Alex. Dass sie damit richtig lagen, beweist der Sound der Platte: „Das Ergebnis hat uns umgehauen.“ Herman Rarebell habe nicht nur die Sicht des Produzenten, sondern auch die des Musikers eingebracht.

Der ehemalige Scorpions-Drummer ist auch im ersten Video „Rock the night life“ zu sehen, das in den USA bereits in Bowling-Centern und Hard-Rock-Cafés gezeigt wird. Dass sich die Taktik „einfach mal fragen“ lohnt, haben „Unbreakable“ nicht nur bei der Anfrage an Herman, sondern auch beim Design ihres Album-Covers gesehen: Sie schickten die Platte an Dirk Illing, der auch für das Wacken-Open-Air, Santiano oder die Scorpions arbeitet - und auch er sagte zu und entwarf das Cover.

Manchmal funktioniert das Konzept „einfach machen“ aber auch nicht: Ihre Idee, ihren Kontakt bei Universal spontan persönlich aufzusuchen, endete mit einem Rauswurf. „Wir hatten keinen Termin. Aber danach hat uns auch niemand gefragt, bevor sie den Mann aus einem wichtigen Meeting holten“, erzählt Alex grinsend.

Ein Jahr lang hatten die Musiker nach einer Plattenfirma in Deutschland gesucht. Sowohl bei den ganz großen wie Edel, Warner und Sony als auch bei kleinen Independent-Labels haben sie es versucht. Das Ergebnis: Absagen oder Verträge, die nicht hinnehmbar waren. Oft bekamen die Musiker auch zu hören, dass sie das falsche Genre ausgewählt hätten: Deutsche Texte und Popmelodien hätten einfach bessere Erfolgsaussichten als Hard Rock.

Erneut half der langjährige Texter der Scorpions: Er stellte Kontakte in die USA her. Dort sagte das erste Label gleich zu: „Dark Star Records“ in Chicago. In Nord- und auch in Südamerika gibt es noch immer den Markt für ehrlichen Hard Rock. „Unser Vertragspartner hat gesagt, dass er nur darauf gewartet hat, dass wieder so eine Band wie die Scorpions kommt - und dann auch noch aus Deutschland“, sagt Martin.

In den USA haben „Unbreakable“ außerdem einen Promoter, dessen Aufgabe es ist, das Album bei Radio- und Fernsehsendern zu bewerben. Seitdem haben die Bandmitglieder mehrfach Telefoninterviews bei Radiosendern gegeben. Das führt dazu, dass andere Sender die Songs spielen wollen. „Das wird jetzt immer mehr. Nach jedem Interview bekommen wir neue Anfragen“, freut sich Alex.

Auch dabei hilft ihnen der Name ihres Produzenten: „Herman kennt einfach jeder in den USA“, ergänzt er. Die Musiker planen, im November in den USA auf Promotion-Tour zu gehen. „Wir würden da sehr gerne live spielen“, sagt Alex.

Sänger Al rührt in seinem Heimatland Ecuador ebenfalls die Werbetrommel für die Band „Unbreakable“. Dort werden lokale Künstler unterstützt - und war der Sänger mit seiner Musik dort schon im Fernsehen. „Da bekommt jeder einheimische Musiker sofort Sendezeit. So was würde ich mir für Deutschland auch wünschen.“

(Von Andrea Pauly)

Mehr zur Band, zum Album "Knockout" und ein Interview mit Herman Rarebell über die Band und seinen Eindruck den fünf Musikern lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der Frankenberger Zeitung am Samstag.

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