Aus dem Oberen Edertal an den Bodensee

Sie fürchten weder Wind noch Wetter

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Insgesamt 900 Kilometer legen die betagten Schlepper und ihre Fahrer in den nächsten zehn Tagen zurück.Fotos: Mark Adel

Hatzfeld-Holzhausen - Sie schlafen in umgebauten Bauwagen und schaffen höchstens 17 Kilometer in der Stunde. Doch für die fünf Schrauber aus Hatzfeld und Umgebung geht mit der Reise ein Traum in Erfüllung.

Sie sehen aus wie gerade aus der Fabrik gerollt. Doch die Schlepper von Heiko Belz, Guido Barthelme, Rolf Feisel, Dominik Elsbach und Steven Gaul sind überwiegend älter als ihre Fahrer.

Einst als Arbeitsgeräte auf den Äckern rund um Holzhausen im Einsatz, gehen die Traktoren heute auf ihre bislang größte Reise: 450 Kilometer bis Gutmadingen in der Nähe des Bodensees. „Am Freitag wollen wir da sein“, sagt Heiko Belz. Heute will das Quintett bis mindestens Frankfurt fahren.

Die fünf Schlepperfans, zwischen 18 und Mitte 40, und ihre Familien kennen sich seit Jahren. Sie besuchen regelmäßig Oldtimertreffen. „Wir haben halt Spaß an den Schleppern“, sagt Belz‘ Ehefrau Birgit. Das Paar besitzt zwei Kramer-Traktoren: Heiko hat einen von seinem Opa gelernt, Birgit von ihrer Oma. Das Ziel Gutmadingen ist der Ort, in dem Kramer-Traktoren bis in die 70er Jahre gebaut wurden. Am Pfingstwochenende findet dort ein Treffen statt, zu dem Kramer-Fans aus ganz Deutschland erwartet werden. Doch die wenigsten fahren eine so weite Strecke mit dem Schlepper.

Drei der fünf Traktoren sind Kramer-Modelle, zwei von IHC. Nur zwei der fünf Fahrzeuge haben ein Verdeck, doch vor schlechtem Wetter haben die Fahrer keine Angst: „Das macht uns nichts aus“, sagt Heiko Belz, der sich mit einem 56 Jahre alten Kramer auf den Weg macht. Die Nächte verbringen die Männer in umgebauten Bauwagen, die eine Menge Komfort bieten und - in einem Fall - sogar einen Balkon, allerdings keine Duschen. Die wollen die Männer auf Campingplätzen aufsuchen - oder notfalls auch mal auf die gewohnte Hygiene verzichten.

Am Freitag wollen sie 450 Kilometer zurückgelegt haben und in Gutmadingen angekommen sein - „egal bei welchem Wetter“; sagt Heiko Belz. 26 Stunden beträgt die reine Fahrzeit, haben sie ausgerechnet.

Bei einer Geschwindigkeit von maximal 20 Kilometer pro Stunde ist Schluss. „Es war gar nicht so einfach, eine geeignete Route zu finden“, sagt Birgit Belz, die am Wochenende zusammen mit Freunden mit dem Auto nachkommt. Am Montag geht es zurück - insgesamt sind die Männer also länger auf der Straße als beim eigentlichen Treffen.

Drei der fünf Oldtimer-Freunde sind im Hatzfelder Club „Die Schrauber“. Vereinskamerad Thomas Gelbach hat schon mehrere ähnliche Fahrten hinter sich und dem Quintett viele Tipps gegeben. Mehr als ein Jahr lang haben die Vorbereitungen gedauert: Die Schlepper mussten restauriert und die Bauwagen umgebaut werden. Viele Arbeitsstunden sind dafür draufgegangen. „Und den ein oder anderen Rückschlag hat es auch gegeben“, sagt Heiko Belz.

Die Schlepper haben noch nie so viele Kilometer am Stück zurückgelegt, doch die Oldtimer-Fans zweifeln nicht an der Zuverlässigkeit: „Die waren ja früher auch Tag für Tag Stunden lang im Einsatz“, sagt Birgit Belz. Sollte wirklich ein Fahrzeug liegen blieben, steht der Containerdienst Bötzel als „Servicefahrzeug“ und Abschlepper bereit.

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