Literarischer Frühling: Gespräch mit Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht

Furchtlosigkeit aus innerer Freiheit erwachsen

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Literarischer Frühling 2013: Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hatte ihr eigenes Märchenbuch mitgebracht. Links Jochen Bittner, der amüsante und interessante Fragen stellte.

Frankenau-Ellershausen - Was hat eine thüringische Ministerpräsidentin beim Literarischen Frühling im hessischen Kellerwald zu tun? Die Antwort auf diese Frage gab Christine Lieberknecht gleich zu Beginn ihres Besuches in der Bärenmühle selbst.

Ein Besuch im Kellerwald habe einen eigenen Wert, sagte Lieberknecht - und sie sage bewusst „Kellerwald“ statt „Landkreis Waldeck-Frankenberg“, denn „Landschaft wirkt immer stärker als politische Gebietskörperschaften“. Durch das Unesco-Weltnaturerbe seien der Hainich und der Kellerwald, und damit Thüringen und Hessen, auf besondere Weise verbunden.

Der aus Frankenberg stammende Journalist Dr. Jochen Bittner („Die Zeit“) hatte die Moderation übernommen. Er lenkte das Gespräch, hatte passende Zitate von Jacob Grimm parat und sorgte auf amüsante Art für Erheiterung.

Bittner zog Parallelen zwischen den Biografien der Grimms und Lieberknechts: Beide hätten in Zeiten des Aufbruchs gelebt. Sowohl die Autoren als auch die Politikerin hatten sich mit Protestbriefen an die Regierung gegen Gängelung, Herabsetzung und Willkür gewehrt: die Grimms bei den „Göttinger Sieben“, Lieberknecht als eine der „Weimarer vier“, wie Bittner es nannte. Lieberknecht bestätigte das: Das Gefühl von „Bedrückung“ sei vorhanden gewesen, und von den einen erduldet worden, während sich andere dagegen auflehnten.

Die Ministerpräsidentin erzählte von der Bedeutung des verwunschenen und idealistischen Pfarrgartens an ihrem Elternhaus, vom künstlerischen Einfluss ihres Großvaters und dem von ihrem Vater selbst gebautem Monopoly-Spiel. Die Themenvielfalt des rund 90-minütigen Gesprächs reichte vom Heimatbegriff über die Hexenverbrennung und Sexismus mit passendem Zitat von Jacob Grimm bis hin zur Energiewende. Lieberknecht sprach sich klar für ein Verbot der NPD aus und umging geschickt die Frage nach ihrer Haltung zur Homo-Ehe, indem sie betonte, dass sie die Debatte für viel zu hoch aufgehängt halte und sie ohnehin davon ausgehe, dass im Sommer das entsprechende Gesetz vorliege. Auch der NSU-Skandal war ein Thema.

Die Besucher bedankten sich mit anhaltendem Applaus für das interessante Gespräch und die Einblicke in die persönlichen und politischen Denkweisen.

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