Bevölkerung entscheidet über Zusammenschluss

Fusion von Allendorf und Bromskirchen: So lief der erste Infoabend

Zur ersten Bürgerversammlung über den Zusammenschluss von Allendorf und Bromskirchen kamen am Dienstag etwa 100 Menschen in die Schützenhalle Bromskirchen. Wegen Corona galten Maskenpflicht und Abstand.
+
Zur ersten Bürgerversammlung über den Zusammenschluss von Allendorf und Bromskirchen kamen am Dienstag etwa 100 Menschen in die Schützenhalle Bromskirchen. Wegen Corona galten Maskenpflicht und Abstand.

Was ändert sich mit einem Gemeindezusammenschluss von Allendorf/Eder und Bromskirchen für die Einwohner der beiden Gemeinden? Darüber haben sich rund 100 Menschen bei einer Bürgerversammlung in Bromskirchen informiert.

Bromskirchen/Allendorf – Sollten sich die Gemeinden Allendorf/Eder und Bromskirchen am 1. Januar 2023 zu einer gemeinsamen Gemeinde zusammenschließen, wäre das die erste Gemeindefusion im Landkreis Waldeck-Frankenberg seit der Gebietsreform in den 1970ern.

Die Veranstaltung am Dienstag in der Schützenhalle in Bromskirchen war der erste von sechs Infoabenden zu der geplanten Gemeindefusion, über die die Bürger von Allendorf und Bromskirchen am 14. März 2021 anlässlich der Kommunalwahl entscheiden sollen.

„Wir wollen Sie mit allen wichtigen Informationen versorgen und offen und ehrlich über Vor- und Nachteile informieren, damit sie eine klare Entscheidungshilfe für den Bürgerentscheid haben“, sagte Willi Reder, der als Vorsitzender der Bromskircher Gemeindevertretung Gastgeber des ersten Infoabends war. Bürgermeister Ottmar Vöpel sprach von einer „richtungsweisenden Entscheidung für beide Gemeinden“, sein Kollege Claus Junghenn von einer „logischen Konsequenz“ nach jahrelanger Zusammenarbeit und Vorbereitung.

Carmen Möller, externe Beraterin für die Geplante Gemeindefusion.

Die Bürger „umfassend über Ziele, Vorteile und Risiken zu informieren“, wie Vöpel sagte, war am Dienstagabend anderthalb Stunden lang die Aufgabe der beiden externen Kommunalberater Carmen Möller und Thomas Fiedler. Sie haben schon die Gemeindefusionen in Oberzent (Südhessen) und Wesertal (Kreis Kassel) beratend begleitet und die Machbarkeitsstudie für den Zusammenschluss von Allendorf und Bromskirchen erstellt, die zu dem klaren Ergebnis kommt, dass die Zusammenlegung die beste Alternative ist. „Es gibt keine Not dafür, aber gemeinsam geht es noch besser“, sagte Fiedler. Es sei erwiesen, dass größere Gemeinden wirtschaftlicher und zukunftssicherer seien.

Konkret geht es um eine Angliederung von Bromskirchen (1900 Einwohner) an Allendorf (5600 Einwohner). Damit werde zum einen dem unterschiedlichen Kräfteverhältnis der beiden Gemeinden Rechnung getragen, also Einwohnerzahl und Finanzen, erläuterte Carmen Möller. Und es biete Vorteile gegenüber einer Fusion zu einer komplett neuen Gemeinde. So seien etwa die günstigeren Hebesätze und Gebühren sofort anwendbar, wodurch eine Modellfamilie pro Jahr 200 bis 400 Euro spare. Und es müsse nicht alles auf einen ganz neuen Gemeindenamen angepasst werden.

Eine Angliederung bedeute aber nicht, dass Allendorf den Prozess bestimme, sagte Fiedler. „Beide Gemeinden verhandeln auf Augenhöhe.“ Und Möller betonte, dass der Status der Ortsteile erhalten bleibe, also die Geschichte und das kulturelle Leben der Dörfer. „Die Menschen sind in erster Linie mit ihrem Ortsteil verbunden, erst in zweiter Linie mit der politischen Gemeinde“, sagte sie.

Wie hier im Beispiel Rennertehausen würden nach dem Gemeindezusammenschluss auch die Ortsschilder der bisherigen Bromskircher Ortsteile aussehen: mit dem Gemeindenamen Allendorf unter dem Ortsnamen.

Nach der Vorstellung der Studie konnten die Zuhörer Fragen stellen. Die Fragen und Anregungen werden in die Planungen aufgenommen, sagte Fiedler. In zwei Versammlungen Anfang Februar werde dann nochmal über den aktuellen Stand berichtet. Rechtzeitig vor dem Bürgerentscheid.

Fragen aus dem Publikum

Bei den Fragen aus dem Publikum ging es unter anderem darum, wie groß das neue gemeinsame Gemeindeparlament wäre (vermutlich 31 Sitze – wie bisher in Allendorf), und um die zukünftigen Postleitzahlen (sie können behalten werden, siehe Artikel unten).

Ein Bürger wollte wissen, was auf dem Zettel des Bürgerentscheids am 14. März stehen werde. Die Hessische Gemeindeordnung verlange eine Frage, die mit Ja oder Nein zu beantworten ist, erklärte Thomas Fiedler. Die Bürger stimmen also ab, ob sie den Zusammenschluss von Allendorf und Bromskirchen wollen oder nicht. Details werden danach im Grenzänderungsvertrag ausgehandelt. „Sie können ein Grundvertrauen in die politischen Gremien habe, dass dies dann so umgesetzt wird, wie es die Studie empfiehlt“, sagte Fiedler. „Es bedarf keines Mutes, Ja anzukreuzen. Sie müssen es nur wollen.“

Die wesentlichen Auswirkungen eines Zusammenschlusses

Die Kommunalberater Carmen Möller und Thomas Fiedler nannten einige Vorteile und Auswirkungen des Gemeindezusammenschlusses von Allendorf und Bromskirchen:

  • Die Kommunalberater Carmen Möller und Thomas Fiedler nannten einige Vorteile und Auswirkungen des Gemeindezusammenschlusses von Allendorf und Bromskirchen:
  • Das Einsparpotenzial der neuen Gemeinde liegt pro Jahr bei rund 500 000 Euro.
  • Das Land fördert den Zusammenschluss und tilgt einmalig Schulden von rund 2,3 Millionen Euro. „Wenn man ähnliche Einsparungen und finanzielle Vorteile erzielen wollte, müsste man massiv Steuern erhöhen oder Leistungen kürzen“, sagte Fiedler.
  • Steuern/Abgaben werden für alle Bürger auf einem niedrigen Niveau gehalten.
  • Verwaltung und Politik werden schlanker. Statt drei Gemeindevertretungen für Allendorf, Bromskirchen und die gemeinsame Verwaltungsgemeinschaft gibt es nur noch eine. Und nur noch einen gemeinsamen Bürgermeister.
  • Die kommunalen Dienstleistungen und die Infrastruktur bleiben bürgernah erhalten. Es wird weiterhin Verwaltungsstellen und Bauhöfe in Allendorf und Bromskirchen geben.
  • Der Zusammenschluss habe keine negativen Auswirkungen auf den Landesentwicklungsplan, den Schulentwicklungsplan und den Nahverkehrsplan. Das heißt zum Beispiel, dass die Standorte der Grundschulen und Kitas erhalten bleiben, was ohnehin nicht von einer Fusion abhängig ist, sondern von der Zahl der Kinder.
  • Die Ortsteile behalten ihren Namen und ihre Identität. Die Ortsbeiräte sollen gestärkt werden. Das bedeute auch, dass der Ort Bromskirchen einen eigenen Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher bekommt.
  • Die unterschiedlichen Telefonvorwahlen und Postleitzahlen können rein rechtlich bestehen bleiben. „Wenn die Post nichts dagegen hat, würden wir unsere Postleitzahl gerne behalten“, sagte der Bromskircher Parlamentschef Willi Reder.
  • Die zwölf identischen Straßennamen in beiden Gemeinden sollten geändert werden, empfiehlt Fiedler – vor allem, weil es sonst Missverständnisse für Rettungsdienste geben könnte.
  • Das ehrenamtliche Engagement vor Ort soll stärker gefördert werden. „Was durch die Fusion an Geld gespart wird, kann hier eingesetzt werden“, sagte Möller.
  • Das Mittelzentrum mit Battenberg bleibt erhalten.
  • Info: Die Machbarkeitsstudie ist online nachzulesen auf allendorf-bromskirchen.de.

Die nächsten Termine der Infoabende

Die zweite Bürgerversammlung findet am Donnerstag, 22. Oktober, ab 19 Uhr in der Allendorfer Mehrzweckhalle (ehemalige Tennishalle) statt. Man kann sich an dem Tag noch telefonisch bei der Gemeinde anmelden, 06452/91310, oder vor Ort schriftlich registrieren. Die namentliche Anmeldung ist Teil des Hygienekonzeptes, das wegen der allgemein steigenden Corona-Zahlen im Landkreis in Absprache mit dem Gesundheitsamt nochmal verschärft wurde: Händedesinfektion am Eingang, Maske während der gesamten Veranstaltung, Stühle auf Abstand, regelmäßiges Lüften (warm anziehen!). Die weiteren Termine ab 19 Uhr: Bromskirchen: 19. November, 2. Februar; Allendorf: 17. November, 4. Februar.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare