Buch über Fußballfahrten von Joachim Hesse

Fußball mal amüsant, mal beängstigend

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Joachim Hesse hat „Fußballfahrten 3“ veröffentlicht. Während seiner Fahrten in den Osten hat er unter anderem Frankenberg/Sachsen besucht und einen Wimpel vom dortigen Sportverein Barkas bekommen.Foto: Mark Adel 

Frankenberg - Ausländerfeindliche Deutsche beim Freundschaftsspiel in Budapest, Steinewerfer beim Regionalliga-Spiel in Erfurt, stundenlange Zugfahrten bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine: Joachim Hesse erzählt in seinem neuenBuch "Fußballfahrten 3" von vielen ungewöhnlichen Begegnungen in Stadien des einstigen Ostblocks.

„Warschauer Pakt“ ist der Untertitel von Joachim Hesses drittem „Fußballfahrten“-Buch. Der 35-jährige Fußballfan aus Frankenberg hat Erlebnisse aufgeschrieben, die in den einstigen Ostblockländer passiert sind: Die ältesten aus dem Jahr 2004, die jüngsten von 2013.

Eigentlicher Plan war, in „Fußballfahrten 3“ von der Fußball-EM 2012 in Polen/Ukraine zu berichten. Doch die spielt nur eine untergeordnete Rolle: „Wir haben nur zwei Spiele gesehen“, berichtet Hesse, der wie schon bei der WM in Südafrika gemeinsam mit seinem Freund, dem gebürtigen Frankenberger Journalisten Sebastian Christ, zusammen unterwegs war. Grund war, die schlechte Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Für das Spiel Dänemark gegen Portugal brauchten die beiden Fußballfans 42 Stunden.

Ein EM-Buch um des EM-Buchs Willen war Hesse zu wenig. „Deshalb habe ich Erlebnisse aus allen Stadion-Besuchen im Bereich des früheren Warschauer Pakts zusammengefasst.“ So trivial die Begegnungen mitunter klingen, so unterschiedlich sind die Erlebnisse: Mal amüsant, mal beängstigend, mal aufregend. „In Moskau hatte ich das beklemmende Gefühl, dass Fußball mit Gewalt und Gefahr verbunden ist“, erinnert sich der 35-Jährige.

Ein Spiel des VFC Plauen gegen die TSG Neustrelitz in der Regionalliga Nord/Ost, Russland gegen Deutschland in der WM-Qualifikation oder eine Begegnung von Slavia Prag gegen Sigma Olmütz in der tschechischen ersten Liga: Die Anekdoten sind so vielfältig wie die Spiele. Etwa bei Grenzkontrollen bei der Fahrt in die Ukraine. „Wir wurden auf polnischer Seite kontrolliert und auf ukrainischer Seite noch mal“, erinnert sich Hesse.

Fußballfan ist er seit frühester Kindheit und Mitglied von Borussia Mönchengladbach. Doch in seinen Kapiteln spielt das runde Leder eine untergeordnete Rolle. „Es steht immer der Kontakt zu den Leuten im Mittelpunkt. Zum Beispiel im März 2013, als er sechs Spiele in einer Woche in Ostdeutschland gesehen und die Partnerstadt Frankenberg/Sachsen besucht hat. Auch dort lässt ihn der Fußball nicht los: Er besuchte den SV „Barkas“ Frankenberg und brachte einen Wimpel als Andenken mit. Schwieriger war die Fahrt zu den Spielen. Wegen des Wintereinbruchs musste Joachim Hesse täglich im Videotext schauen, welche Spiele abgesagt wurden. Ob Dynamo Dresden gegen den 1. FC Köln in der Zweiten Liga oder FC Eilenburg gegen den Chemnitzer FC - Hesse fuhr durchs Land, egal, ob Profis oder Amateure kickten.

Unzählige Stadien hat er gesehen - und vor zwei Wochen beim Spiel von Erzgebirge Aue gegen den SC Paderborn alle Erst- und Zweitligisten bei ihren Heimspielen besucht. Als „sehr krass“ ist ihm das „Freundschaftsspiel“ im Mai 2010 in Budapest in Erinnerung geblieben. Polen spielte gegen Deutschland. „Es war extrem, dass so viele rechtsradikale ‚Fans‘ mitgefahren sind, erinnert sich Joachim Hesse, der das Spiel zusammen mit seinem Bruder Marcus besuchte. Es seien Parolen wie „Wir sind wieder einmarschiert“ skandiert worden. „Das war eine sehr krasse Fahrt“, erinnert er sich - und zugleich eine der vielen Besonderheiten, die er auf seinen Fahrten erlebt hat. „Dass sind Dinge, mit denen man nicht rechnet.“

Zu den positiveren Erlebnissen zählt ein Spiel des sächsischen Landesligisten FC Eilenburg, wo Joachim Hesse die bosnisch-herzegowinische Torwartlegende Tomislav Piplica im Tor entdeckte.

Ein neues, viertes Fußballfahrtenbuch ist zwar noch nicht in Planung: „Aber ich werde weiter fahren, und ich werde weiter aufschreiben.“ Veröffentlich werden die Erlebnisse aber nur, wenn sie wirklich interessant sind. Im Herbst steht ein Trip nach Schottland an, natürlich steht dann wieder der Fußball im Blickpunkt.

Parallel schreibt er an seinem zweiten Roman, nach seinem bisher erfolgreichsten Buch „Kleinstadtkrach“. Es ist angelehnt an die Frankenberger Musikszene der 90er Jahre. „Es geht um Mitglieder zweier befreundeter Bands, die einen Ausflug nach Hamburg unternehmen“, verrät Joachim Hesse.

„Fußballfahrten 3“ ist für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich, ISBN 978-3-7322-9973-7, oder direkt bei Joachim Hesse, Telefon 01520/1565325.

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