Flüchtlinge im Fokus

Mit Gärten und Arztbesuchen helfen

Gut besucht war das Rosenthaler Frauenfrühstück. Die rund 65 Gäste genossen ein reichhaltiges Frühstück und diskutierten über Flüchtlinge und Integrationshilfen.Fotos: Gustav Siemon

Rosenthal - Über die Integration von Flüchtlingen hat Dekanin Petra Hegmann beim Frühstück der Rosenthaler Landfrauen gesprochen.Sie mahnte, dass der Schutz von fremden Menschen ein biblisches Gebot sei.

Das Verständnis für die Situation der Flüchtlinge - vielleicht sogar Kontakt zwischen den Rosenthalern und den Asylbewerbern - will Dekanin Petra Hegmann fördern. Vor rund 65 Rosenthaler Landfrauen sprach sie daher darüber, wie die Menschen in den Städten und Dörfern den Flüchtlingen das Leben in ihrer neuen Heimat erleichtern können.

„Es gehört zu den elementaren Aufgaben der Christenheit und der Kirchen, für verfolgte und gefährdete Menschen einzutreten“, sagte Hegmann. Die Israeliten, das Volk Gottes selbst, haben modern gesprochen Migrationserfahrung, auch Jesus musste bereits als Säugling fliehen, weil Herodes ihn töten wollte.

„Flüchtlinge sind fremd in unserem Land. Viele leben in Gemeinschaftsunterkünften, ohne ausreichende Sprachkurse und ohne Arbeit, manchmal ohne ihre engsten Angehörigen. Das macht es ihnen schwer, in unserer Gesellschaft anzukommen und sich zu integrieren“, erklärte die Dekanin. lm Landkreis Waldeck-Frankenberg betreute der Fachdienst Soziale Angelegenheiten Ende des Jahres 2014 insgesamt 910 Asylbewerber. Davon leben 349 in zehn Gemeinschaftsunterkünften. 561 Menschen sind in Wohnungen untergebracht

.

Sie erklärte, dass viele Menschen oft monatelang unterwegs seien. „Manchmal werden sie in ihre Heimatländer zurückgebracht, landen im Gefängnis, werden von Schleppern betrogen, müssen dann erst wieder zu Geld kommen, um die Schlepper erneut zu bezahlen“, sagte Hegmann. Viele Flüchtlinge kommen traumatisiert in Europa an - denn nicht nur in der Heimat erleben sie schlimme Dinge, sondern oft auch auf der Flucht.

Sie erklärte, dass ehrenamtliche Helfer sich über alles freuen sollten, was in der Hilfe für Asylbewerber gelingt. Denn nicht jeder Flüchtling nehme Hilfe an, manchmal könnten sie Erwartungen nicht erfüllen - und viele würden wieder abgeschoben. „Das kann sehr belastend sein. Aber trotzdem kann man sich darum bemühen, den einzelnen Menschen wahrzunehmen und ihn die Zeit, die er hier ist, zu unterstützen.“

Hegmann erklärte, dass jeder Bürger sich bei einer drohenden Abschiebung schriftlich an den Petitionsausschuss des Hessischen Landtags wenden könne. Auch die Kirchen hätten die Möglichkeit, Abschiebung zu verhindern oder zu verzögern, indem sie einen Flüchtling in kirchliche Räume aufnähmen.

Neben der Hilfe bei drohender Abschiebung sei für Flüchtlinge aber vor allem die Hilfe im Alltag wichtig. Dies könnten öffentliche und kirchliche Stellen nicht komplett leisten. Hegmann wies daher auf bereits bestehende Nachbarschaftsnetzwerke hin, die Flüchtlinge beispielsweise mit Sprachunterricht, mit Begleitung zum Arzt oder Hilfe bei Handarbeiten unterstützen.

„Die Menschen, die zu uns kommen, bringen nicht nur ihre jeweilige Geschichte und ihre Fluchterfahrungen mit. Sie haben auch ganz unterschiedliche Potenziale, verfügen über eine Ausbildung, über Berufserfahrungen oder über besondere Begabungen. lch begegne gerade etlichen jungen und gebildeten Menschen - und ich sehe es als Aufgabe an, von Anfang an mitzuhelfen, dass Asylsuchende ihre Potenziale hier einbringen können. Wenn sie um Aufnahme bitten, sind sie nicht nur Bittsteller und Hilfsempfänger. Viele wollen auch etwas geben und Teil unserer Städte und Gemeinden sein, wenn auch vielleicht nur auf Zeit“, betonte Hegmann. Die Menschen sollten einen Platz in der Gesellschaft finden. Die Nähmaschine von Hegmann stehe derzeit in dem Frankenberger Wohnheim. Ein Schneidermeister mit eigenem Betrieb in seiner Heimat helfe dort beim Nähen von Gardinen, habe Beschäftigung, helfe anderen Menschen. Sie könne sich auch vorstellen, dass Menschen Flüchtlingen etwa Gärten zum Anbau von Gemüse überlassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare