Olympische Spiele in London

Ganz nah dran an den Olympia-Stars

Frankenberg - Bei Jürgen Schmidt ist die Leidenschaft zum Beruf geworden: Ohne je den Plan verfolgt zu haben, wurde der ehemalige Frankenberger Fußballer Sportjournalist für die ARD. Heute fliegt er zur Olympiade nach London.

Wenn Jürgen Schmidt im Garten seines Stiefvaters mit Sohn und Neffe kickt, dann wirkt er, wie in seinem Element. Das Niveau ist erstaunlich hoch, die kurzen Pässe vor dem Tor sitzen, ab und an flattert der Ball im Tor - Schmidt hat kaum eine Chance gegen die beiden Kurzen.

Dabei hat er in seiner Jugend Fußball gespielt in Frankenberg, dürfte einigen Freunden des Tischtennis noch gut in Erinnerung sein, ebenso den Mitgliedern des Skiclubs. Schmidt hat eine Leidenschaft für Bewegung und den Sport - und die hat er zu seinem Beruf gemacht. Jürgen Schmidt ist Sportjounalist für die ARD und den Südwest-Rundfunk SWR. „Ich habe Glück gehabt, dass ich zufällig zum Journalismus gekommen bin“, erinnert sich der gebürtige Korbacher, der im zarten Alter von 18 Monaten nach Frankenberg zog. Nach seinem Studium hat er mehrere Praktika absolviert - etwa bei dem Radiosendern FFH und RPR, aber auch in der Sportredaktion von WLZ-FZ. Den Beginn seiner Karriere markierte - wie so häufig - eine Umfrage. Das Thema war die Bundeswehr. „Ich habe sofort gemerkt, dass mir das Spaß macht“, sagt Schmidt. Er habe Freude daran, mit der Stimme zu arbeiten, mit Dialekten umzugehen. Es folgte ein Volontariat, seit 1933 ist Jürgen Schmidt als Freier Mitarbeiter fest beim SWR.

Während der Bundesliga-Saison ist er dort vor allem für die Berichterstattung über den Zweitligisten FC Kaiserslautern zuständig - nicht als Moderator vor der Kamera, sondern als Filmemacher. Der ehemalige Frankenberger produziert Clips, Einspieler, Hintergrundberichte, manchmal ganze Dokumentationen und auch die Interviews nach den Spielen, wie es etwa von der Sportschau bekannt ist.

Darüber hinaus ist er aber für die ARD im Alpin-Team und im Schwimm-Team: Ein halbes Dutzend Schwimm-Europameisterschaften hat er bereits journalistisch begleitet. Hinzu kommen fünf Olympiaden. Heute beginnt für ihn die nächste.

„Das ist Stress, aber es ist positiver Stress“, sagt Jürgen Schmidt. Wie viele Stunden er in den nächsten Wochen täglich arbeiten wird, kann er nicht einmal abschätzen, weiß aber: „In der ersten Olympia-Woche bin ich fast die ganze Zeit in der Schwimmhalle“ -zu Britta Steffens oder Paul Biedermann habe er ein ausgezeichnetes Verhältnis. Nur so sei es möglich, auch während großer Wettbewerbe an mehr zu kommen als nur einen Standard-Kommentar. Selbstbewusst sagt der Journalist: „Ich bin dort, weil ich Filme so hinkriege, wie andere sie nicht hinkriegen“.

Dabei ist Jürgen Schmidt nur ein kleines Rädchen in einem riesigen Getriebe: ARD und ZDF allein haben rund 400 Techniker in London - da wird dann auch zusammengearbeitet: „Das ist schon aus Kostengründen gar nicht anders möglich“, erklärt Schmidt. Dennoch gebe es ein Konkurrenzdenken. So sind seine Beiträge etwa nur für die ARD vorgesehen - „und man versucht schon, immer ein bisschen besser zu sein, als die anderen“, zeigt er Ehrgeiz.

Doch Olympia, das ist für den passionierten Sportler mehr, als nur Arbeiten: „Man versucht schon, auch etwas von der Stadt zu erleben“, sagt er. Was wirklich zähle, sei das Olympische Gefühl - und das sei keine vielbeschworene Floskel, sondern Realität: „Dabei sein zu dürfen, wo mehr als eine Milliarde Menschen zuschauen, das ist etwas ganz Besonderes“, weiß er aus der Erfahrung der vorausgegangenen Olympiaden. „Da kriege ich Gänsehaut, da fließen auch mal Tränen“, sagt er. Die Freude über deutsche Siege, das erleben einzigartiger Momente, das sei mit nichts zu vergleichen. Er erinnere sich etwa lebhaft an die erste Goldmedaille des Gewichthebers Matthias Steiner, von der Bilder um die Welt gingen - „immer wenn in den nächsten Jahren Bilder seiner Eltern gezeigt wurden, waren die von mir“, sagt er. Dieser Kontakt, die Nähe zu dem Menschen hinter dem Sportler, das mache den Beruf aus. „Das ist ein Traum-Job“, sagt Jürgen Schmidt zufrieden, „ich habe Glück gehabt.“

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