"Und die Hüfte noch mehr drehen"

Ganz oben in Bewegung: HNA-Volontärin versuchte sich beim Voltigieren

Allendorf-Eder. Voltigieren liegt bei vielen zumeist jungen Mädchen und Frauen im Trend: Auch HNA-Volontärin Christine Heinz wollte sich von der Faszination dieser Sportart überzeugen und machte gleich mit.

Das braune Fell ist schon leicht verschwitzt. Der aufsteigende Geruch kommt mir seltsam vertraut und tröstlich vor. Aber ich habe keine Zeit, diesem Gefühl weiter auf die Spur zu kommen - die erste Figur im Galopp steht an.

Durch die dünne Decke auf dem Pferderücken spüre ich jede Muskelfaser. B.J. spannt sich an, legt an Tempo zu und geht vom Trab in den Galopp über. Ich halte mich genau an die Anweisungen der Trainerin: Schultern zurück, Becken nach vorne, Bauch anspannen. Dann schwinge ich langsam meine Beine nach hinten und stelle die Füße auf - eine fast perfekte Bank. Trainerin Michaela Kittel behält mich genau im Blick, während ich zum ersten Mal in meinem Leben voltigiere. In der Halle des Reit- und Fahrvereins Edertal ist es kalt. Ich trage keinen Body, kein Glitzer-Teil aus dünnem Stoff. Meine graue Jogginghose und die abgetragenen Stoffschuhe müssen reichen. Im Vergleich zu den Mädels, die hier ernsthaft trainieren, komme ich mir fast schäbig vor - und ungefähr so schmuddelig wie der Sandboden in der Halle. Aber für Eitelkeiten ist keine Zeit.

„Wenn Sie jetzt Ihr rechtes Bein lang nach hinten ausstrecken, haben wir die Fahne“, ruft Kittel mir zu. Von der Bank zur Fahne, langsam kenne ich die Voltigier-Figuren -- zumindest in der Theorie. Auch wenn Kittel offenbar großes Vertrauen in meine Fähigkeiten hat, probieren wir diese Übung lieber im Schritt aus. B.J. läuft also brav langsam im Kreis, während ich versuche, mich auf seinem Rücken zu sortieren.

„Sehr gut! Und jetzt die Hüfte noch mehr eindrehen!“ Mir kommt zugute, dass ich gelegentlich Yoga und Pilates mache. Wenigstens kann ich tatsächlich mein Bein gerade ausstrecken und die Position einigermaßen halten. Mein Publikum am Rand der Halle ist kritisch. Ich habe es hier mit Profis zu tun. Die Mädels haben schon etliche Preise abgeräumt.

Bei der Deutschen Meisterschaft in diesem Jahr haben sie den siebten Platz belegt, von 28 Mannschaften - sie waren das jüngste Team. Während des Trainings führen sie Übungen vor. Elegant, präzise und so gelenkig, als wären keine Muskeln oder Knochen da, die erstmal in die richtigen Positionen gezwungen werden müssen. In ihren Augen muss ich auf dem Rücken von B.J. aussehen wie ein Sack Mehl. Trotzdem stelle ich mich gar nicht so schlecht an, finde ich. Zumindest bin ich bis jetzt noch nicht runter gefallen.

Von Christine Heinz 

Ob Christine Heinz bis zum Ende der Voltigier-Stunde auf dem Rücken des Pferdes blieb, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare