Frankenberg

Gedenkfeier zum Volkstrauertag

- Frankenberg (da). Das Gedenken ist nicht nur Ritual. Auslandseinsätze deutscher Soldaten und kriegerische Konflikte verleihen dem Volkstrauertag aktuelle Bedeutung.

Überall in Deutschland gedachten am Sonntag Menschen derer, die in den beiden Weltkriegen ihr Leben lassen mussten. Doch immer wird dabei auch an die erinnert, die noch im 21. Jahrhundert gewaltsam sterben müssen. „Ein Tag, an dem uns Christen die Abkehr von Gott, die mangelnde Liebe zwischen uns Menschen und unsere Unfähigkeit zum Frieden deutlich vor Augen steht“ – so bezeichnete Dekanin Petra Hegmann den Volkstrauertag gestern beim Gedenken am Ehrenmal auf dem Frankenberger Friedhof.

Hegmann erinnerte an die Soldaten, die in den Weltkriegen starben, und an die Menschen, die durch Kämpfe, in Gefangenschaft oder als Vertriebene und Flüchtlinge ums Leben kamen. „Wir erinnern uns an diejenigen, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung in aller Selbstherrlichkeit als ‚lebensunwert‘ erklärt wurde“, sagte Hegmann.

Sie gedachter aber auch der Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgen und der Soldaten, die bei Auslandseinsätzen ihr Leben verloren.

Die Dekanin betonte, endgültige Versöhnung und dauerhafter Frieden könnten allein von Gott gegeben werden. „Aber wir dürfen Gott mit unseren Gebeten um Frieden in den Ohren liegen. Nicht nur die Gewalt, auch der Friede hat viele Gesichter. Unsere!“Auch Landrat Dr. Reinhard Kubat hob die Bedeutung des Volkstrauertages hervor. Er sei ein Ritual geworden, „aber Rituale gliedern unser Leben und helfen uns dabei, unsere Lebensrealität besser zu verstehen und zu bewältigen.“ Kubat erinnerte an die Toten beider Weltkriege, deren Tod sinnlos gewesen sei. „Wir dürfen nie vergessen, wenn wir wenigstens ansatzweise vermeiden wollen, dass sich Ähnliches wiederholt.“ Am Volkstrauertag blicke man zurück, doch müssten die Gedanken auch der Gegenwart gewidmet werden.

Deutsche Soldaten befänden sich derzeit weltweit in friedenssichernden Einsätzen. „Etliche mussten ihr Leben lassen“, sagte der Landrat. „Der Volkstrauertag hat damit auch für die jüngere Generation plötzlich eine andere Bedeutung erhalten.“ Das Gedenken sei keine Pflichtübung, sondern eine innere Verpflichtung. Der Volkstrauertag sei nicht mehr nur ein Tag des Erinnerns und der Mahnung, sondern auch ein Tag der Hoffnung und der Zuversicht für eine friedliche Zukunft. Reinhard Kubat legte gemeinsam mit Frankenbergs Bürgermeister Christian Engelhardt einen Kranz am Ehrenmal nieder.

Ihnen folgten unter anderem Vertreter des Kreisverbands der Spätheimkehrer, des Frankenberger EloKa-Bataillon, des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Feuerwehr und des VdK. Beim Choral „Ich hatt‘ einen Kameraden nahmen die Soldaten des Ehrenzugs des Frankenberger Bataillons für Elektronische Kampfführung 932 ihre Helme ab.

Der Männergesangverein „Liedertafel“ unter der Leitung von Günter Retzlik und der Posaunenchor der Kirchengemeinde um Kantor Alexander Meyer umrahmen die Gedenkfeier musikalisch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare