Landgericht verurteilt 64-Jährigen

Gefängnisstrafe nach Mordversuch

Marburg/Oberweimar, Das Marburger Landgericht hat einen 64-Jährigen aus Oberweimar wegen Mordversuchs und versuchtem Herbeiführen einer Explosion zu fünf Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Schwurgerichtskammer kam in dem reinen Indizienprozess zu der Überzeugung, dass der Angeklagte in seinem zwangsversteigerten Hof ein Gasrohr mit dem Ziel angebohrt hat, das Gebäude zu zerstören.

Wie der Vorsitzende, Richter Carsten Paul, betonte, habe der Landwirt dabei darauf gesetzt, dass ein Ahnungsloser mit einer zufälligen Zündquelle eine Detonation auslöst. Dessen Tod habe er dabei zumindest billigend in Kauf genommen. „Er hat die Gefahrenquelle verlassen und einem gutgläubigen Dritten den Rest überlassen.“

Mit der Verurteilung folgte das Gericht der Staatsanwaltschaft, die sieben Jahre gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, da die Beweise für eine Verurteilung ihrer Ansicht nach nicht reichten, jeder andere könne die Leitung auch angebohrt haben.

Keine Tatzeugen

Wie berichtet, gab es weder Zeugen, die den Mann bei der Tat am 2. März dieses Jahres gesehen haben, noch jemanden, der ihn in der Nähe des Tatortes beobachtet hat. Unstreitig war der Angeklagte zunächst im Frankenberger Land und später im Ebsdorfergrund gewesen. In den Abendstunden hätte er Zeit gehabt, nach Oberweimar zu fahren.

Laut Staatsanwaltschaft spricht auch die versuchte Vertuschung seines Aufenthaltsortes gegen den Angeklagten. Er habe im Allgäu, wo er später bei seiner Tochter festgenommen wurde, den Kindergärtnerinnen gesagt, seinen Enkel jeden Tag in den Kindergarten zu bringen und sich auffällig verhalten. Allerdings konnten die Frauen nun nicht mehr sicher bestätigen, den Angeklagten auch am Tattag gesehen zu haben. Wie der Staatsanwalt mutmaßte, könne der 64-Jährige auch die zeitweilige Falschaussage eines Zeugen, die ihm ein Alibi verschafft hätte, initiiert haben.

Die Summe der Indizien hätten die Täterschaft nun belegt, so Paul. Da sei zum einen das Motiv, dass in Wut und Ohnmacht durch den eigenen finanziellen Niedergang begründet sei. Zum anderen spreche auch ein in seiner Jackentasche gefundener Bohrspan gegen den Mann. Ganz wichtig in dem Zusammenhang sei die belegte Äußerung des Angeklagten am Tattag, dass den Hof niemand anderes bekommen werde. Bereits seit Jahren habe er Drohungen ausgesprochen, so der Richter.

Am letzten Verhandlungstag berichtete ein Kriminalbeamter, dass er bereits wegen Gefahrensituationen seit 2006 tätig geworden sei. Zeugen hätten ihm berichtet, dass der Angeklagte unter anderem einen „Plan B“ gehabt habe, nach dem an der Stelle der Sparkasse Marburg-Biedenkopf ein Loch sein werde.

Auch habe er eine „Chronik der Abgänger“ geführt. Er sei der Meinung gewesen, die Führung der Sparkasse und die Aufsichtsratsmitglieder, Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel und Landrat Robert Fischbach, seien für seine finanzielle Misere und die ersten Zwangsversteigerungen von Immobilien verantwortlich.

Bei beiden Politikern sei er im Büro und daheim aufgetaucht und verbal aggressiv gewesen. Zudem habe er im Zusammenhang mit Schadensersatzforderungen im zweistelligen Millionenbereich „die Verantwortlichen, die mein Lebenswerk zerstört haben, sollen auch dran glauben“ geäußert. (kse/bf)

Quelle: HNA

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