Verzicht aus Kostengründen

Gegen den Hessen-Trend: Luftkurorte in Waldeck-Frankenberg halten an Titeln fest

Einer der Luftkurorte im Landkreis: Die Stadt Waldeck.

Waldeck-Frankenberg. Um Geld zu sparen, verzichten immer mehr Kommunen in Hessen auf früher begehrte Titel wie Luftkurort oder Erholungsort.

Der Hessische Heilbäderverband bezifferte die Kosten für den Erhalt eines Prädikats auf bis zu 20.000 Euro. Im Landkreis tragen 25 Orte solche Prädikate. Und die meisten wollen sie behalten.

Hessenweit hat sich die Zahl der Heilbäder, Luftkur- oder Erholungsorte seit den 80ern mehr als halbiert – von 360 auf derzeit 146, sagt Horst Wenzel vom landesweit zuständigen Fachausschuss beim Regierungspräsidium Kassel. Vor einem Jahr entschied beispielsweise die Stadt Gladenbach (Marburg-Biedenkopf), aus Kostengründen auf die Titel Kneippheilbad und Luftkurort zu verzichten.

Die Prädikate müssen alle zehn Jahre überprüft werden. Dabei geht es neben Luft und Klima auch um Freizeitangebote und Übernachtungsmöglichkeiten. Der Luftkurort Waldeck hat zuletzt rund 10.000 Euro für zwei Luft- und Klimagutachten bezahlt, um das Prädikat zu verlängern, berichtet Bürgermeister Jörg Feldmann. Lässt sich der Nutzen des Prädikats beziffern? „Zumindest nicht monetär“, sagt Feldmann. „Aber wenn der Titel weg ist, können wir nicht mehr damit werben und keine Kurabgabe mehr nehmen.“ Statt den Titel Luftkurort aufzugeben, strebe Waldeck sogar ein höheres Prädikat an. „Das geht in Richtung Kurstadt“, sagt Feldmann.

Neben den Kosten gebe es noch zwei weitere Gründe, warum immer mehr Orte ihre Prädikate aufgeben, sagt Horst Wenzel vom RP: Manchmal seien Bedingungen wie Gastronomie und Betten-Zahl im Ort nicht mehr erfüllt, manchmal ändere eine Kommune auch ihre Marketingstrategie. So hat vor einigen Jahren der Wildunger Stadtteil Bergfreiheit seinen Titel Luftkurort aufgegeben, er wirbt jetzt als Schneewittchendorf um Touristen und ist Mitglied der Märchenstraß

Die Orte mit Prädikaten im Landkreis:

Laut RP Kassel gibt es in Waldeck-Frankenberg derzeit neun Luftkurorte, zwölf Erholungsorte und sechs Heilbäder beziehungsweise Heilklimatische Kurorte – davon insgesamt nur fünf im Altkreis Frankenberg. 

• Luftkurorte: Dodenau, Heringhausen, Hemfurth, Kleinern, Rengershausen, Oberorke, Waldeck, Schwalefeld, Usseln. 

• Erholungsorte: Mengeringhausen, Wetterburg, Ottlar, Frankenau, Reddighausen, Fürstenberg, Vöhl, Asel, Marienhagen, Niederwerbe, Bömighausen, Eimelrod. 

• Kneipp-/Heilbad: Bad Arolsen, Bad Wildungen, Reinhardshausen, Willingen. 

• Heilklimatischer Kurort: Usseln, Willingen.

Quelle: HNA

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