Gericht

Geldstrafe für Besitz von Kinderpornos

Frankenberg - Ein langer Prozess ist vorbei: Gestern wurde ein Lehrer aus der Region zu einer Geldstrafe von 5400 Euro verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann kinder- und jugendpornografisches Material aus dem Internet beschafft und besessen hat.

Am Schluss wurde es technisch: Dass der angeklagte Lehrer aus dem Frankenberger Land (FZ berichtete mehrfach) Bilder mit Kindern und Jugendlichen in eindeutigen Posen und während sexueller Handlungen im Internet gesucht hat - nach eigener Aussage, um sich selbst in einem anderen Verfahren zu verteidigen - gestand der Mann unumwunden ein. Ein eigener Gutachter und damit eine wirkungsvolle Verteidigung seien ihm versagt worden, klagte er erneut. Daher habe er „die Verteidigung in die eigene Hand genommen“ und versucht zu belegen, dass die „inkriminierten Bilder“ ihm als „extremen Pornosurfer“ aus Versehen auf den Computer gelangt seien. Selbstverständlich habe er für seine Verteidigung nach derartigen Bildern suchen müssen. Gespeichert habe er sie auf seinem Computer nicht, nur ausgedruckt, sobald er einen vermeintlichen Fund vorzuweisen hatte.

So ging es am letzten Verhandlungstag in den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigern wie im Schlusswort des Angeklagten um Begriffe wie „Cache“ „Hyperfile“, „Zwischenspeicher“, „Restore-Point“ und „Auslagerungsdatei“ - oder kurz um die Frage: Hat der Computer des freigestellten Lehrers während der Suche nach kinder- und jugendpornografischem Material ohne dessen Wissen Kopien der angeschauten Bilder gespeichert? Nach Ansicht des Angeklagten und seines Pflichtverteidigers: Ja.

Richterin Andrea Hülshorst war dies in ihrer Urteilsbegründung jedoch gleich: Sie wies darauf hin, dass die Eingabe von gewissen Suchbegriffen - einige Worte wurden während der Verhandlung verlesen - bereits den Tatbestand der Besitzverschaffung darstelle. Ebenso sei schon das Anschauen derartigen Materials strafbar - gleich ob der Rechner eine automatische Kopie im sogenannten Cache ablegt, oder nicht.

Auch die Aussage, der Angeklagte habe die Recherche nur zu seiner eigenen Verteidigung in einem anderen Verfahren getätigt, schenkteHülshorst wenig Beachtung. Sie wies ihn darauf hin, dass nur in Erfüllung von dienstlichen Pflichten oder aus gewissen, klar definierten beruflichen Gründen derartiges Material beschafft oder besessen werden dürfe. Das sei bei dem Angeklagten nicht der Fall. Ebenso sprach sie ihm ab, dass er sich im Rahmen des ersten Verfahrens selbst habe verteidigen müssen. Er hätte einen eigenen, anerkannten Sachverständigen benennen können. Ein Sachverständiger, auf den sich der Angeklagte mehrfach berief, sei eben kein richtiger Sachverständiger. Aus diesem Grund hätte jener auch kein Beweismaterial an den Angeklagten weitergeben dürfen - weshalb dem Angeklagten auch der Besitz der im Beweismaterial zusammengefassten kritischen Bilder angelastet wurde.

Außerdem sah Hülshorst den Lehrer schuldig, einen Bekannten während einer Sitzungspause im vorangegangenen Verfahren zu einer uneidlichen Falschaussage bewegt zu haben. Anders als die Staatsanwaltschaft erkannte sie jedoch nicht die Notwendigkeit, den Mann zu einer Haftstrafe zu verurteilen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte insgesamt neun Monate auf Bewährung gefordert. Hülshorst hielt dem Angeklagten zu Gute, dass er die Recherche nach illegalen Bildern zugegeben hatte. Auch deren Besitz habe er nie bestritten. Zudem lagen bislang keine Vorstrafen vor. So entschied sie sich für die Geldstrafe - aufgeteilt in 180 Tagessätze zu je 30 Euro. Damit gilt der Lehrer als vorbestraft - er will jedoch in Berufung gehen.

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