Marburg

Geldstrafe wegen Widerstands gegen die Polizei

- Marburg (r). Eine 41-Jährige Marburgerin, die in der Nacht zu Christi Himmelfahrt versucht hatte, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen, wurde vom Amtsgericht Marburg zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Vorfälle im Waldtal am 21. Mai, bei denen es nach einer Massenschlägerei zu einem Großeinsatz der Polizei kam, haben die Marburger Justiz schon in mehreren Prozessen beschäftigt. In dem Prozess am Montag ging es um eine 41-Jährige Frau, die sich zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes, ebenso wie viele andere Bewohner des Waldtals, auf der Straße befand.

Am Ende der Seitenstraße in der die Frau wohnte, war Geschrei zu hören, und sie hatte dabei die Stimme ihrer 17-jährigen Tochter erkannt. Eilig versuchte sie mit mehreren anderen Frauen in die Straße zu gelangen. Diese war jedoch kurz zuvor von vier Polizisten abgeriegelt worden, damit Schaulustige den Einsatz dort nicht behinderten. Als die Polizisten sie nicht durchlassen wollten, versuchte die Frau sich zwischen den Beamten hindurch zu drängen und wurde zurückgestoßen.

Laut Aussage von zwei Polizisten, die als Zeugen auftraten, habe sie die Beamten daraufhin massiv beleidigt, erst einen der beiden vor das Schienbein getreten und dann nach einem anderen geschlagen, der dabei Kratzwunden am Hals erlitt. Kurz darauf seien noch zwei Männer aufgetaucht, die sich als ihr Mann und ihr Bruder ausgegeben hätten und den Beamten ebenfalls Schläge androhten. Da die Polizisten sich aber bald darauf zurückzogen um die Lage zu beruhigen, konnte keine der Personen festgenommen werden und so musste die Frau später anhand einer Personenbeschreibung ermittelt werden.

Beide Beamten identifizierten die Angeklagte als die Täterin, die den Vorwurf der Beleidigung auch zugab und ebenfalls bestätigte, dass sie versucht habe, sich durch die Absperrung zu drängeln. Allerdings gab sie an, die Beamten weder geschlagen noch getreten zu haben. Die Verteidigerin äußerte Zweifel, dass es sich bei der Schlägerin wirklich um ihre Mandantin gehandelt habe und bot an, ihren Mann als Zeugen kommen zu lassen, um festzustellen, ob sein Aussehen zu der Beschreibung passe, die die Beamten gegeben hatten.

Um das Verfahren abzukürzen einigte man sich darauf, den strittigen Vorwurf der Körperverletzung fallenzulassen, sodass die Aussage des Mannes nicht mehr nötig war. So blieben für Richter Bests Urteil die Beleidigung und der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Er belegte die Hartz-IV-Empfängerin mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 12 Euro, also mit 724 Euro und bewegte sich so auf dem Mittelweg zwischen den Anträgen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft.

Das Argument, die Frau habe zu ihrem Kind gewollt, sah er nicht als strafmildernd an: „Die Polizei war vor Ort und diese ist bei uns für die Gefahrenabwehr zuständig. Zumal in einer so gespannten Situation wie an diesem Abend im Waldtal ist außerdem vor allem den Weisungen der Polizei Folge zu leisten“, sagte Richter Best. „Wenn es dann noch zu so heftigen Beleidigungen kommt, hört bei mir das Verständnis auf.“

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