Bundeswehr zeigte ihren Auftrag außerhalb der Kaserne im öffentlichen Raum

Gelöbnisse im Fackelschein

Aufzug der Truppenfahnen: Besonders feierlich und in Anwesenheit vieler hundert Zuschauer und Ehrengäste veranstaltete das EloKa-Bataillon 932 im Juni 2009 auf dem Obermarkt ein öffentliches Gelöbnis. Gefeiert wurden das 45-jährige Jubiläum der Garnison und 15 Jahre Partnerschaft zwischen Bataillon und Stadt Frankenberg. Fotos: Völker

Frankenberg. Fackelschein, Männerchor-Klänge und Militärmusik begleiteten am Abend des 28. November 1962 auf dem Frankenberger Obermarkt eine feierliche Rekrutenvereidigung, die erste seit dem demokratischen Neubeginn der Bundesrepublik.

Solche öffentlichen Gelöbnisse waren in der jungen Bundeswehr damals durchaus noch keine Selbstverständlichkeit, und Oberstleutnant Erich Mahl nutzte in seiner Rede die Gelegenheit, deutliche Unterschiede zur jüngsten deutschen Geschichte herzustellen.

„Wir haben in der Vergangenheit erlebt, dass Soldaten durch den Eid, der sie an ein verbrecherisches System band, in schwerste Gewissenskonflikte gebracht wurden“, erklärte der Standortälteste Mahl und erläuterte den ersten Wehrpflichtigen und Freiwilligen der Frankenberger Garnison die Begriffe Dienen, Treue und Tapferkeit. Er beschrieb die „ständige Drohung vom Osten her“ und dass jeder angesichts der Weltlage entscheiden müsse, „entweder mit aller Konsequenz freiheitlich oder totalitär zu sein. Jede Halbheit ist bereits Kapitulation.“

Bewusstes Heraustreten

Das bewusste Heraustreten der Bundeswehr aus ihrem Kasernenbereich in den öffentlichen Raum und die Wiederbelebung von altem militärischem Zeremoniell übte in der Anfangszeit eine große Faszination bei den Frankenbergern aus, Kritik war noch kaum zu spüren (Artikel links). Zwei Jahre später kamen etwa 5000 Zuschauer zur nächtlichen Rekrutenvereidigung mit Großem Zapfenstreich, 100 Fackelträgern und verstärktem Heeresmusikkorps 2 auf den Sportplatz.

Als 1972 zum zehnjährigen Bestehen die Garnison zum „Tag der offenen Tür“ einlud, strömten 8000 Besucher auf das Gelände. Bis dahin hatte das Fernmeldebataillon schon etwa 5000 Rekruten ausgebildet.

1978 und in den Folgejahren war immer wieder der Obermarkt Schauplatz für Öffentliche Gelöbnisse. Zunehmend bemühten sich auch die umliegenden Städte und Gemeinden um das militärische Zeremoniell der Vereidigung, um ihre Verbundenheit mit den Soldaten auszudrücken, von denen viele nach ihrer Wehrpflicht- oder Dienstzeit in der Region Arbeit fanden und Familien gründeten.

Funker hielt Rede

Öffentlich gelobt wurde beispielsweise 1983 auf dem Sportplatz von Burgwald-Industriehof, 1984 in Battenberg, 1986 in Bromskirchen, 1987 in Hesborn, 1988 in Haina-Kloster, 1989 in Frankenau oder 1990 in Liesen. Neben Militärs und Regierungsvertretern durften auch Kommunalpolitiker Reden halten, 1992 sogar ein Rekrut, der Funker Christian Engel.

Erstmals leisteten nach der deutschen Wiedervereinigung 1991 Rekruten aus den neuen Bundesländern ihren Fahneneid. Bei der feierlichen Vereidigung 2007 setzte sich Kommandeur Oberstleutnant André Welter noch einmal für den Erhalt der mittlerweile umstrittenen Allgemeinen Wehrpflicht ein. „Jeder Auslandseinsatz ist nur realisierbar durch den unverzichtbaren Beitrag von Grundwehrdienstleistenden im Inland.“

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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