Reparatur kostete 1500 Euro

Gemeinde sammelte Geld für defekte Kirchglocken

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Die Gemeindemitglieder wählen, wem sie was geben: In Frankenau gibt es seit einigen Monaten wieder den Klingelbeutel (links). Das Geld daraus fließt ausschließlich in die eigene Gemeinde.

Frankenau. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren viele Frankenauer irritiert. An einem Sonntag im April wurde in der evangelischen Kirche die Goldene, Diamantene und die Gnaden-Konfirmation gefeiert. Wie üblich zogen die Gläubigen in das Gotteshaus ein, nur diesmal war etwas anders.

"Es ertönte kein Geläut“, sagt Pfarrer Dr. Harald Wahl. „Und in der Kirche gab es keine Gebetsglocke. Das war für die Menschen nicht schön, das kannten sie nicht.“

Der Grund für die Stille war ein ausgefallener Motor an einer der drei aus den 1950er-Jahren stammenden Kirchenglocken. Die Kosten, die nötig waren, um das Problem zu beheben, lagen bei 1500 Euro. „Dank unseres Klingelbeutels konnten wir die Rechnung bezahlen“, sagt Wahl.

Seit Dezember vergangenen Jahres gibt es in der Kirchengemeinde Frankenau wieder einen Klingelbeutel. Bei fast jedem Gottesdienst kommt er zum Einsatz, allerdings wird er nicht an einem Stab durch die Kirchenbänke gereicht. Die Gottesdienstbesucher haben die Wahl: Beim Verlassen der Kirche können sie entweder eine Kollekte geben, die die Landeskirche für verschiedene Hilfsprojekte einsetzt, oder sie werfen Geld in die Box mit der Aufschrift „Eigene Gemeinde“. „Natürlich kann man auch für beides spenden“, betont der Pfarrer, wohlwissend, dass es in der Realität nicht so ist. Man spende ja nicht auf einmal doppelt.

„70 Prozent der Gesamtkollekte wandert direkt in unsere Gemeinde. Die Frankenauer ziehen den Klingelbeutel vor“, sagt Wahl. Die Landeskirche bekomme so weniger Geld aus Frankenau. Doch Wahl ist der Meinung, dass das in Ordnung ist. „Die Landeskirche hat seit 1998 behutsam einen anderen Weg eingeschlagen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sie stets alles bezahlt. Wenn Gemeindehäuser saniert oder Dinge irgendwo angeschafft werden mussten, die Landeskirche hat die Rechnung beglichen“, sagt der Pfarrer.

 

Von Philipp Daum

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Quelle: HNA

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