Gerhard Badouin aus Schwabendorf untersuchte Friedhöfe der Waldenser

Waldensische Familien: Gerhard Badouin suchte in den Hugenottenorten des Burgwaldes ihre Grabstätten auf. In Wiesenfeld liegen Nachfahren der aus Roure bei Turin stammenden Familie Piston. Foto: Völker

Wiesenfeld/ Schwabendorf. An welcher Stelle sich der Friedhof der 1721 angelegten ersten Hugenottenkolonie Wiesenfeld, heute „im Alten Dorf“ genannt, befand, hat man nie mehr herausgefunden. Zwar waren Gräber in alten Karten eingezeichnet, aber es gab keine Steine oder Markierungen.

Für die reformierten Hugenotten und Waldenser spielte die Bestattungskultur keine wichtige Rolle: Beim Begräbnis sollte nur eine biblische Ermahnung erfolgen, um die Anwesenden zu trösten und zugleich nahe zu legen, sich auf den eigenen Tod vorzubereiten. Die schlichte Beisetzung in kleinstem Kreise übernahmen oft Gemeindeälteste oder Familienangehörige.

Besonders den waldensischen Friedhöfen widmeten jetzt Albert de Lange von der Deutschen Waldenservereinigung und Gerhard Badouin vom Arbeitskreis für Hugenotten- und Waldensergeschichte Schwabendorf in dessen jüngstem Quartalsblatt ihre Aufmerksamkeit.

Die französischen Waldenser im Chisonetal, von denen viele später nach Hessen auswanderten, durften ihre Toten schon im 17. Jahrhundert nicht mehr auf katholischen Friedhöfen beerdigen.

„So entwickelten sich im Dauphiné die typischen kleinen, vom Zypressen umpflanzten Familien-Friedhöfe, die man noch heute in den Cevennen, im Luberon und anderen protestantischen Gegenden Frankreichs vorfindet“, schreibt Gerhard Badouin.

Bei den vom Schwabendorfer Arbeitskreis angebotenen Studienfahrten in die Herkunftsorte der im Burgwald angesiedelten Glaubensflüchtlinge hat er wiederholt solche kleinen, abseits gelegenen Friedhöfe besucht. In Hessen oder Baden-Württemberg wurde den Waldensern von den Landgrafen zugestanden, an ihren Sielungsorten „Gottesäcker und Grabstätten“ einzurichten und ihre Toten „auf ihre gewöhnliche einfältige Art und Weise zu begraben“.

In den hessischen Waldenserkolonien wurden die einfachen „Gottesacker“ meistens, wie in ihrer alten Heimat, am Dorfrand angelegt. „Bald übernahmen die Waldenser deutsche Gepflogenheiten und begannen auch Grabsteine aufzustellen, freilich mit französischen Inschriften“, berichtet Badouin. Die schönsten und ältesten Exemplare seien in Waldensberg aufbewahrt worden.

Für den Quartalsbrief seines Geschichts-Arbeitskreises fotografierte er in Schwabendorf zusammen mit Friedhelm Haar die zeitgenössischen Grabstätten waldensischer Familien wie Aillaud (aus Balboutet) oder Vinçon (aus Mentoulles) und in Wiesenfeld der Familie Piston, die aus Roure bei Turin stammt.

Quelle: HNA

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