Er soll 16-Jährigen geschlagen haben

Gericht bei Mondschein: Polizist steht mit seiner Version alleine da

Ortstermin in Röddenau: Hier an der Mühenstraße/Ecke Mühlrain soll ein Polizeibeamter einen Jugendlichen mit dem Schlagstock geschlagen haben. Foto: Biedenbach

Röddenau. Am Ende stand der Polizist, der wegen schwerer Körperverletzung angeklagt ist, alleine da: Bei einem abendlichen Ortstermin widersprachen fünf Zeugen seiner Version.

Statt in schwarzer Robe erschien Richterin Andrea Hülshorst in Regenjacke mit Leuchtfarben. Sie war gut gerüstet für den Ortstermin am Mittwochabend bei Regen, Temperaturen um den Gefrierpunkt und Dunkelheit. Nur gelegentlich beschien der fast volle Mond die Gerichtsverhandlung an der Ecke Mühlenstraße/Am Mühlrain in Röddenau. Eine Straßenlaterne spendete schwaches Licht.

War dieser Kreuzungbereich der Ort, wo der Angeklagte, ein 34-jähriger Polizeibeamter, im Oktober 2012 bei einem Einsatz einen 16-jährigen flüchtenden Jugendlichen mit dem Schlagstock mehrfach ins Gesicht geschlagen haben soll? Oder war es – wie der Angeklagte behauptete – die besser beleuchtete und besser einsehbare Kreuzung weiter oben an der Ecke Am Mühlrain/Am Niederfeld? Diese Version hatte der Polizist erst nach mehreren Verhandlungstagen ins Spiel gebracht (HNA berichtete). Die Frage, ob Zeugen bei der Dunkelheit den Einsatz eines Schlagstocks überhaupt hätten sehen können, spielt eine große Rolle im Prozess.

Richterin, Protokollantin, Staatsanwältin, der Angeklagte und sein Verteidiger, der Rechtsanwalt des damals 16-Jährigen, Zeugen und Beobachter des Verfahrens marschierten den Berg hinauf, um vor Ort die Schilderung des Polizisten zu sehen. Er sagte, sein Kollege habe bei der Verfolgung von randalierenden Jugendlichen – sie hatten Straßenschilder und Leuchtpfosten aus der Verankerung gerissen und sind dafür bereits verurteilt worden – den Streifenwagen am unteren Ende des Bereichs Am Niederfeld abgestellt und den damals 16-Jährigen festgehalten. Der Angeklagte habe einen anderen Jugendlichen die Straße am Niederfeld hinauf verfolgt. Dabei habe er Schlagstock und Funkgerät verloren. Er habe den Flüchtenden fast eingeholt, doch sei der dann seitlich in ein dunkles Gartengrundstück geflohen. Dann sei der Polizist – Schlagstock und Funkgerät wieder aufsammelnd – zum Streifenwagen zurückgekehrt. Als er beim Kollegen ankam, habe sich der festgenommene Jugendliche losgerissen. Er habe ihn verfolgt und mit Faustschlägen zu Fall gebracht – nicht mit dem Schlagstock.

Mit seiner Version stand der Angeklagte allein da. Sowohl der Polizeikollege als auch vier weitere Zeugen – die bereits im Gerichtssaal ausgesagt hatten – schilderten, dass das Polizeiauto an jenem Abend im Kreuzungsbereich Mühlenstraße/ Am Mühlrain stand. Dennoch blieb der Angeklagte bei seiner Standort-Version. Er habe in seinen Polizei-Bericht den Standort genau an der Stelle eingetragen, aber als Auswärtiger nie Straßenbezeichnungen benutzt, sagte er. „Das stimmt nicht“, sagte die Richterin und verwies auf von ihm unterzeichnete Berichte mit den Straßennamen Mühlenstraße/Mühlrain.

Die Verhandlung geht am Donnerstag, 12. März, um 9 Uhr im Frankenberger Amtsgericht weiter. (mab)

Was die Zeugen sagten und was noch Thema beim Ortstermin war, lesen Sie in der gedruckten Freitagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Lesen Sie auch:

-Polizist wegen Körperverletzung im Amt angeklagt

-Zeuge belastet angeklagten Polizisten: "Mit Schlagstock geschlagen"

-Kochen statt Gerichtstermin: Angeklagter Polizist kam nicht

-Polizeibeamter wegen Körperverletzung angeklagt

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare