Vorfall am 1. Mai 2012

Gericht spricht Männer von Vorwuf der gemeinschaftlichen Vergewaltigung frei

Waldeck-Frankenberg. Das Landgericht Marburg hat am Mittwoch drei junge Männer freigesprochen von dem Vorwurf, ein schutzloses - weil alkoholisiertes - damals 16-jähriges Mädchen vergewaltigt zu haben.

Wie berichtet, hatte sich der Vorfall am 1. Mai 2012 in einem Dorf im Landkreis ereignet. Die 16-Jährige hatte vormittags beim Maiausflug und nachmittags beim Grillen mit Freunden Alkohol getrunken. Auf dem Nachhauseweg am Abend waren sie und eine Freundin in der Dorfmitte auf die drei jungen Männer gestoßen.

Wie Richterin Dr. Heike Schneider ausführte, wurde gemeinsam Wodka getrunken. Während die Freundin sich später entfernte, tausche die 16-Jährige Zärtlichkeiten mit einem der Männer aus, und es kam zu sexuellen Handlungen.

Dann sei die 16-Jährige mit den drei Männern in eine dunkle Ecke gegangen und habe mit allen drei Sexualverkehr gehabt. Als die Mutter hinzukam, flüchteten die Männer.

Die Richterin betonte, dass das Urteil auf rein rechtlicher Beurteilung beruhe. Danach ließen weder die Aussagen der 16-Jährigen, noch die der drei Angeklagten und auch nicht die von zwei Zeugen (die die sexuellen Handlungen als einvernehmlich geschildert hatten) die Annahme zu, dass Gewalt angewendet wurde.

Die Richterin stützte sich auf das Gutachten einer psychiatrischen Sachverständigen: Die 16-Jährige sei nicht so stark berauscht gewesen, dass keinen Widerstand mehr hätte leisten können. Sie habe bei zirka zwei Promille weder motorische noch sprachliche Ausfallerscheinungen gezeigt.

Zudem habe sich das Mädchen bewusst entschieden, die sexuellen Handlungen „über sich ergehen zu lassen“. Wie die Sachverständige betonte auch die Richterin, dass die 16-Jährige die Möglichkeit gehabt hätte, sich zu wehren, zu schreien, um sich zu schlagen, zumal sie auch die beiden Zeugen wahrgenommen habe.

Die Richterin betonte aber, dass sie damit der 16-Jährigen keinen persönlichen Vorwurf mache. Doch dass diese sich subjektiv in einer ausweglosen Lage gefühlt habe, könne rechtlich nicht berücksichtigt werden.

Dr. Schneider sagte zudem: Das Mädchen habe durch den Vorwurf der Vergewaltigung sich nicht nur vor sich selbst rechtfertigen wollen, sondern sei auch Beeinflussungen von außen erlegen - denen der Eltern und „in erschreckendem Maße“ denen von Polizeibeamtinnen.

Die hätten einseitig ermittelt. Bei der Erstvernehmung habe das Mädchen der Polizistin gesagt, es sei keine Vergewaltigung gewesen. Die Polizistin schilderte als Zeugin, dass sie dem Mädchen erklärt habe, dass Vergewaltigung nicht nur mit starker Gewalt und Todesangst zu tun habe.

Auch eine Kripobeamtin schilderte vor Gericht ihren persönlichen Eindruck, dass es nicht sein könne, dass eine 16-Jährige freiwillig Sex mit drei Männern in der Dorfmitte habe.

Freispruch hatten auch Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier und die Anwälte der drei Angeklagten gefordert. Zwei der Männer hatten fünf Monate in Untersuchungshaft gesessen. Einer von ihnen war starken Angriffen der Mitinsassen ausgesetzt.

Die beiden Angeklagten sollen nun Entschädigung erhalten. Einer der Anwälte kritisierte insbesondere das „suggestive Vorgehen“ und Weltbild der Polizistinnen.

Die Anwältin des Mädchens sprach hingegen von einem bitteren Ergebnis. Die 16-Jährige habe sich in einer persönlichen Ausweglosigkeit befunden. Es gebe Hinweise auf ihre Widerstandsunfähigkeit, die seien aber juristisch nicht greifbar. (mab)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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