Anklage: Tritte und Schläge gegen Disco-Gäste

Verfahren wegen Körperverletzung gegen Auflagen eingestellt

Frankenberger Land. „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, lauteten die Worte der Staatsanwaltschaft bei einem Prozess gegen drei Angeklagte, als sich die Aussagen der drei Belastungszeugen wieder einmal widersprachen.

Vor dem Frankenberger Amtsgericht mussten sich ein 23 und 24 Jahre altes Ehepaar und der Bruder (21) des Angeklagten verantworten. Ihnen wurden gefährliche Körperverletzung sowie Beleidigung vorgeworfen. Das Trio soll im August 2011 in und vor der Discothek Bonkers in Frankenberg andere Gäste geschlagen und getreten haben.

Das sahen die Beschuldigten anders. Demnach habe es eine Schubserei auf der Tanzfläche der Disco gegeben. Dabei, das gab der 23 Jahre alte Ehemann zu, habe er einer Beteiligten eine Ohrfeige verpasst. Diese sei zuvor „wie eine Furie“ auf ihn losgegangen. Anschließend habe das Trio das Weite gesucht, da die andere Gruppe auf Streit aus gewesen sei. Wie es dann vor der Tür weitergegangen sei, vermochte keiner der Familienangehörigen so genau zu sagen. Erst seien ein Damenschuh, dann wieder die Fäuste geflogen.

Man habe nach dieser Auseinandersetzung den Heimweg angetreten, dabei habe sie eine Gruppe Männer verfolgt und schließlich am Modehaus Vögele in Frankenberg niedergeschlagen.

Das Gericht hatte insgesamt neun Zeugen geladen. Doch schon bei der ersten Zeugin zeigte sich, dass deren Angaben nur bedingt für eine Verurteilung taugen würden.

Eine 21 Jahre alte Geschädigte gab vor, sich an den Vorfall auf der Tanzfläche nicht erinnern zu können. Das Gericht hielt ihr entgegen, dass sie bei der Polizei sehr detaillierte Angaben zur Sache gemacht habe.

Auf Nachfrage, welcher der Angeklagten ihrer Freundin – wie die Zeugin sich dann doch erinnerte – ins Gesicht geschlagen habe, deutete diese auf den 21-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft erinnerte die Zeugin daran, dass sie bei ihrer Anzeige zu Protokoll gegeben habe, dass es sich „eindeutig“ um dessen Bruder gehandelt habe.

Auch die beiden weiteren Zeugen widersprachen sich und den vor über zwei Jahren getätigten Aussagen. Das Gericht und die Staatsanwaltschaft erbaten sich eine zehnminütige Unterbrechung. Im Anschluss unterbreitete die Richterin dem Trio ein Angebot, das dieses annahm.

Das Verfahren gegen die Ehefrau und dreifache Mutter wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt. Die Verfahren gegen die Brüder wurde vorläufig und gegen Auflagen eingestellt. Sie haben 20 Stunden gemeinnützige Arbeit binnen vier Monaten zu leisten. Dann werden auch diese Verfahren eingestellt. (hof)

Quelle: HNA

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