Gemünden: Gebäude im Steinweg behindertengerecht umgebaut

Vom Geschäftshaus zum Modellprojekt

+

- Gemünden (gl). Ein Jahr Bauzeit hat es gebraucht, dann stand in Gemünden ein Haus mit Modellcharakter: Zehn Wohnungen, davon acht behindertengerecht, finden sich in einem ehemaligen Geschäftshaus im Steinweg.

„Das ist ein gesellschaftlicher Gewinn – auch für die Kommune“, sagt Frank Gleim. Er steht im Flur des Hauses Steinweg 17 und lobt Heinrich Reinhardt und Reinhard Heinzer. Die beiden Herren, Schwiegervater und Schwiegersohn, haben in den vergangenen 13 Monaten das ehemalige Geschäftshaus grundlegend renoviert und dabei streng auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung geachtet.

Im Jahr 2009 hat Reinhardt das Fachgeschäft für Farben, Putz und Tapeten in dem Haus geschlossen. Die Entscheidung sei aus betriebswirtschaftlichen Gründen gefallen, gibt er zu: Ein Geschäft dieser Größe lohne sich auf dem Lande nicht mehr. Da in Gemünden viele Gebäude leer stehen, sei schnell über die Frage nachgedacht worden, wie das Haus mit Leben zu füllen ist. Die Entscheidung fiel auf Wohnungen sowie zwei Gewerbebetriebe im Erdgeschoss. Die Wohnungen aber sollten etwas Besonderes sein: Zehn Einheiten befinden sich in dem Haus – immerhin neun schon vermietet –, davon sind acht absolut behindertengerecht.

Die Türen und Flure in dem Wohnhaus sind breit genug für Rollstühle, Reinhardt und Heinzer haben einen Fahrstuhl einbauen lassen. Die Duschen sind ebenerdig und bieten genug Platz, um auch im Sitzen duschen zu können. Somit sind die Wohnungen nicht nur geeignet für Menschen mit Behinderung, sondern auch für Senioren. Zugleich sind sie aber auch für Menschen ohne Behinderung einfach eine komfortable Bleibe – und das war das Ziel des Umbaus. Inklusion lautet das derzeit häufig genutzte Wort – in dem Wohnhaus von Heinzer und Reinhardt findet sie statt: Menschen mit und ohne Behinderung, junge wie alte Mieter leben mit- und nebeneinander, völlig problemlos.

Ein Konzept, das auch in den Vitos-Kliniken gut ankommt: „Geeigneten Wohnraum für Menschen mit Behinderung zu finden ist nicht einfach“, sagt Axel Goerlach, stellvertretender pädagogischer Leiter der Heilpädagogischen Einrichtung in Haina, „da sind Grenzen gesetzt, auch finanziell“. Viele Vitos-Patienten lebten von der Sozialhilfe oder würden einem Beruf in den Werkstätten, etwa der Lebenshilfe, nachgehen – nichts, um reich zu werden. Die Wohnungen in dem renovierten Haus aber haben eine Größe von 25 bis maximal 60 Quadratmeter – ideal für Alleinlebende oder Paare. „Es gibt auf den Dörfern kaum so kleine Wohnungen“, erläutert Goerlach. Daher sei es schwer, Menschen mit einem gewissen Betreuungsaufwand, die aber durchaus auch autonom leben können, außerhalb von Städten unterzubringen. Frankenberg aber sei teilweise schon wieder zu weitläufig: „In Gemünden können die Bewohner alles zu Fuß erreichen“, sagt er. Lebensmittelgeschäfte, Bäcker, Elektronikladen, Eisdiele, alles sei ohne Auto zu erreichen. „Solche Infrastruktur gibt es direkt in Haina leider nicht wirklich“, sagt er.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Mittwoch, 21. Dezember

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare