Heinz Brück hat eine Chronik über Löhlbach verfasst

Geschichte(n) aus dem Dorf

+

Haina-Löhlbach - "Es ist geschafft", sagt Heinz Brück und zeigt stolz das Ansichtsexemplar seines Buches: 460 Seiten im DIN-A4-Format hat der Löhlbacher in den vergangenen zehn Monaten über sein Heimatdorf zusammengestellt - rechtzeitig vor dem Jubiläumsjahr ist die Chronik fertig geworden. Texte und Bilder sammelt Brück schon seit 14 Jahren.

Heimatgeschichte hat ihn schon immer interessiert, sagt Heinz Brück. Doch dass die Geschichte und die Geschichten seines Dorfes zu einem Hobby wurden, begann erst, als er Ortsvorsteher war. Damals besuchte er immer die alten Leute zum Geburtstag - und die erzählten von früher, von ihrem Alltag, ihrer Arbeit, ihrem Leben in Löhlbach. Und irgendwann zeigte ihm jemand dazu alte Fotos. Brück begann Bilder zu sammeln, Geschichten und Erinnerungen seiner Mitbürger aufzuschreiben und in Archiven zu recherchieren.

Seit dem Jahr 2000 sammelten sich so unzählige Texte, Fotos und Dokumente an. Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr - 2015 feiert Löhlbach die Ersterwähnung vor 800 Jahren - hat er daraus ein Buch gemacht. Dafür verbrachte Heinz Brück in den vergangenen neun Monaten jede freie Minute am Computer: Jeden Tag nach dem Dienst verschwand der Fachkrankenpfleger in seinem Arbeitszimmer. „Wenn ich etwas mache, dann mit Herzblut.“ - „Jubiläumschronik“ hat er sein Buch genannt - wobei er Wert darauf legt, dass es sich dabei nicht um eine klassische Chronik handelt. „Wir haben schon eine Chronik von Otto Jacob aus dem Jahr 1983. Die wollte ich nicht nochmal schreiben.“ Deshalb ist seine Jubiläumsschrift kein Geschichts- sondern eher ein Geschichtenbuch.

Natürlich sind darin auch die wichtigsten geschichtlichen Daten zu finden - von der Ersterwähnung bis zur Schließung des alteingesessenen Gasthauses Möller reicht das Kapitel „Löhlbach im Wandel der Zeit“. Doch statt sich auf Daten und Fakten zu konzentrieren, hat Brück die verschiedenen Epochen quasi stellvertretend mit Geschichten, Anekdoten und Sammlungen gewürdigt. „Die Geschichten machen es erst lebendig“, begründet Brück. Auch die Schicksale einzelner Persönlichkeiten hat er veröffentlicht - Lehrer, Soldaten, Geistliche.

Eindrücke vom Ersten Weltkrieg erhält der Leser beispielsweise durch die Briefe, die Pfarrer Koch monatlich an die Front sandte und darin das Gemeindeleben während der Kriegsjahre schilderte. Im Kapitel über den Zweiten Weltkrieg hat er die Namen der Gefallenen aus Löhlbach er mit Todesanzeigen und NSDAP-Karteikarten ergänzt.

Besonders viel Raum hat Brück den Sitten und Bräuchen rund um Löhlbach gewidmet: Von den Feiertagen rund ums Jahr übers Schlachtefest bis hin zu beliebten Kinderspielen finden sich dort Aspekte des Dorfalltags wieder.

Auch wenn er sich sicher ist, dass er als Hobby-Heimatkundler auch auf Kritik wegen kleiner Fehler oder falscher Namen stoßen könnte - mittlerweile ist stolz auf sein Buch: „Das ist meins, von Anfang bis Ende.“

Ganz ohne Hilfe ging es jedoch nicht. Der Frankenberger Stadtarchivar Dr. Horst Hecker unterstützte ihn mit vielen Ratschlägen. „Er ist mein Mentor“, sagt Brück. Bei fachlichen Beratung, aber auch bei der „Schatzsuche“ nach weiteren Quellen „war er einfach unbezahlbar.“ Hecker half ihm bei der Planung, gab Tipps zur Struktur oder machte den Vorschlag, Schulfotos mit aufzunehmen.

Außerdem hatte Brück zwei „Gastautoren“: Werner Otto steuerte das Kapitel über den Löhlbacher Wald bei, Uwe Hesse steuerte einen Text über die Waldjugend bei, Elvira Groot schrieb etwas über das Leben von Johannes Almus. Brücks Tochter Sabrina Wagner ist jedoch die einzige, die das komplette Buch bereits kennt hat: Sie überprüfte sämtliche Seiten auf Tippfehler und Satzstellung.

Die größte Herausforderung für den Löhlbacher war das Layout. Entscheidende Unterstützung bekam er von seinem Sohn: Der Informatiker installierte ein Programm fürs Layout und nahm einige Grundeinstellungen vor, damit es Heinz Brück etwas leichter hatte. Dennoch kostete es die meiste Zeit, aus den vorhandenen Word-Dokumenten alle Bilder, Formate, Zeilenabstände und Tabs in Buchform zu bringen.

Bei der Erstellung der Seiten hat er sich bewusst dazu entschieden, den Bildern genügend Platz einzuräumen: „Man soll ja die Menschen auch erkennen können“, begründet er. Zeigen die Fotos nur Gebäude oder Straßenzüge, könnte das Format auch mal kleiner ausfallen.

Das Heimatbuch zählt stolze 460 Seiten im DIN-A4-Format. Dabei hat Brück schon stark gekürzt: Sein Material hätte auch für die doppelte Anzahl Seiten gereicht. Deshalb hat der Löhlbacher zwei Themen ganz herausgelassen: Die Vereine und die Kirche. „Das reicht auch für einen zweiten und dritten Band“, schmunzelt er. Außerdem will er irgendwann seine zahlreichen Ansichten der Löhlbacher Häuser in einen Bildband bringen.

Heinz Brück wird also auch demnächst wieder viel Zeit in seinem Arbeitszimmer verbringen. Vorher gibt es aber noch ein anderes Projekt: Als nächstes will sich Brück der Erforschung seiner eigenen Familiengeschichte widmen.

Von Andrea Pauly

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare