Frankenberg

Geständnis und Entschuldigung sind strafmildernd

- Frankenberg (mba). Ein 40-Jähriger Frankenberger wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Türsteher einer Disco hatte einen Betrunkenen niedergeschlagen. Sein umfassendes Geständnis vor Gericht und eine Entschuldigung brachten dem Angeklagten ein relativ mildes Urteil ein.

Ein 40-jähriger Mann aus Frankenberg wurde am Donnerstag wegen schwerer, vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 40 Euro verurteilt. Der Metallarbeiter arbeitet nebenberuflich als Türsteher einer Discothek, wo sich auch die Körperverletzung ereignete, die vor dem Amtsgericht verhandelt wurde. Der Mann ist Vater zweier minderjähriger Kinder. Der Türsteher hatte zu Beginn der Verhandlung ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die Tat ereignete sich im Januar vergangenen Jahres gegen 3 Uhr morgens vor einer Disco in Frankenberg. Der Geschädigte, ein 45 Jahre alter Mann aus Frankenberg, war zu diesem Zeitpunkt stark alkoholisiert gewesen, weshalb ihm vom Türsteher der Eintritt verwehrt hatte. Während der Mann deshalb draußen vor dem Eingang wartetet, war sein Neffe in der Disco in eine Auseinandersetzung verwickelt, bei der er verletzt wurde. Er kam blutend aus dem Club. Draußen kam es offenbar zu einer energischen Diskussion zwischen Onkel und Neffe. Der alkoholisierte 45-Jährige soll aggressiv auf seinen verletzten Neffen zugegangen sein. Dies war für den angeklagten Türsteher der Anlass, einzugreifen und dazwischen zugehen. Der 45-Jährige schubste den Türsteher zur Seite, woraufhin dieser den Mann mit der Faust ins Gesicht schlug. Der stark angetrunkene 45-Jährige stürzte nach dem Schlag nach hinten zu Boden und schlug mit dem Hinterkopf auf den Asphalt auf. Er erlitt einen Schädelbruch, Hirnblutungen und eine Hirnschwellung. Der Mann musste vier Wochen stationär in der Marburger Uniklinik behandelt werden und anschließend zur Rehabilitation. Er sei dauerhaft arbeitsunfähig und habe deshalb einen Rentenantrag gestellt, erklärte sein Rechtsanwalt als Vertreter der Nebenklage. Der Türsteher zeigte sich vor Gericht reumütig und entschuldigte sich für seine Tat bei dem 45-Jährigen: „Es tut mir leid, auch wegen der schweren Folgen“, sagte er. Sein Anwalt erklärte „Mein Mandant hat überreagiert.“ Er sei selbst nicht angegriffen worden und habe sich falsch verhalten. Da er geständig war, verzichtete das Gericht auf die Vernehmung der zwölf geladenen Zeugen. Der Staatsanwalt erklärte in seinem Plädoyer, der Faustschlag sei unnötig gewesen, daher sei der Angeklagten der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig. Zu seinen Gunsten wertete er das umfassende Geständnis, die Tatsache, dass er einsichtig sei und sich beim Opfer entschuldigt habe. Außerdem sei es „eine zur Tat provozierende Situation“ gewesen, die der angetrunkene Geschädigte herbeigeführt habe. Dennoch hätte der Angeklagte wissen müssen, welche Folgen es haben könnte, wenn er einen Betrunkenen schlägt, dessen Gleichgewichtssinn stark beeinträchtigt sei. Der Staatsanwalt forderte „nach Abwägung aller Umstände eine Geldstrafe, die aber spürbar sein“ solle. Auch der Anwalt des Geschädigten begrüßte die Einsicht des Angeklagten. Seinem Mandaten sei es auf eine Entschuldigung angekommen. Er plädierte dafür, das Geständnis bei der Strafzumessung zu beachten. Das tat Richterin Andrea Hülshorst dann auch in ihrem Urteil. Es sei deutlich geworden, dass der ganze Vorfall dem Angeklagte zu schaffen mache, sagte die Richterin. Sie fand seine Entschuldigung glaubwürdig und verurteilte ihn zu 120 Tagessätzen à 40 Euro, also insgesamt 4800 Euro, was geringfügig niedriger war als die Forderung der Staatsanwaltschaft. Andrea Hülshorst berücksichtigte bei der Strafhöhe die finanzielle Situation des Angeklagten, der vom Geschädigten auch auf Schmerzensgeld verklagt worden ist. Die „hohe finanzielle Belastung für den Haupternährer der Familie“ werte sie strafmildernd, erklärte die Richterin

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