Frauen des Kirchenkreises Frankenberg feierten Gottesdienst

Botschaft der Löffel: Über 100 Frauen aus dem Kirchenkreis Frankenberg hatten je einen Kochlöffel mit Gebrauchsspuren und einer kleinen Widmung gestiftet, die von Pfarrerin Andrea Wöllenstein in den Gottesdienst mit einbezogen wurden. Fotos: Völker

Frankenberg. Der Altar der gotischen Liebfrauenkirche erfüllte am Sonntag gleich mehrere Funktionen: Auf der Vorderseite ging es Pfarrerin Andrea Wöllenstein im schwarzen Talar vor der aufgeschlagenen Bibel um Wort, Gebet und Verkündigung, auf der Rückseite kochte Kunstpädagogin Gabi Erne eine Kürbissuppe.

„Hier, im Zentrum der Kirche, wird auf beiden Seiten das bereitet, was uns in diesem Gottesdienst stärken soll an Leib und Seele“, kündigte die Seelsorgerin zu Beginn an.

Seit Wochen hatten Frauen aus dem evangelischen Kirchenkreis Frankenberg unter dem Motto „Verwandlungen zwischen Küche und Altar“ diesen besonderen Gottesdienst vorbereitet, in dem gebrauchte Kochlöffel zu Kunstwerken, Bibelworte und Kochrezepte zu Textfahnen, das feierliche Zubereiten der Speise zur Performance, Hören, Singen und eine gemeinsame Mahlzeit in der Kirche zu einem Erlebnis für alle Sinne wurden.

100 Kochrezepte

Zehn Teammitglieder hatten jeweils weitere zehn Frauen in der Küche besucht, Fragen zu ihrem Lebenshintergrund gestellt und dabei mit ihnen auch konsequent nach dem traditionellen Gebet „Komm, Herr Jesu, sei du unser Gast“ überlegt, welches Essen sie kochen würden, wenn Jesus wirklich käme. Die so gesammelten über 100 Kochrezepte fassten sie in einem Büchlein zusammen, das am Ende des Gottesdienstes gekauft werden konnte.

In ihre Predigt bezog Pfarrerin Wöllenstein mehrere biblische Zeugnisse ein, in denen Essen und Trinken gleichbedeutend für Freude und Wohlergehen stehen. Bezeichnend sei auch, erklärte sie, dass der auferstandene Jesus seinen Jüngern in Emmaus bei einem Essen „die Augen öffnet“ und sie damit aus ihrer Traurigkeit und Lähmung in Bewegung versetzt habe. „Ein gewöhnliches Essen kann zu einem Neuanfang werden“, zitierte sie die Neutestamentlerin Claudia Janssen.

Mit einem Dankkanon leitete der Gospelchor der Liebfrauenkirche, der mit Kantor Daniel Gárdonyi das Thema des Brot-Brechens vielfarbig variierte, das gemeinsame Essen der rund 240 Gottesdienstbesucher ein, unter ihnen auch zahlreiche Männer. Dabei erprobten sie die gemeinschaftstiftende Wirkung einer solch ungewöhnlichen Mahlzeit, die im Kirchenraum die Möglichkeit zum Gespräch zuließ. Die anschließenden Dank- und Fürbittengebete bezogen auch Männer ein, die für andere kochen, und erweiterten den Blick auf Hunger und gerechte Verteilung der Güter auf dieser Erde.

Danach baten die Frauen um eine Kollekte für das Speisungs-Projekt „Kunzwana“ in Simbabwe, das Anke-Maria Thonet (Frankenberg) für die Serviceorganisation Soroptimist International vorstellte. Und damit erhielt am Ende der Altar noch eine dritte Funktion: Auf ihm wurden in Körben rund 1100 Euro an Spenden abgestellt.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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