Frankenberg

Getrunken, gekifft, gestritten und Bierflaschen geworfen

- Frankenberg (mba). Wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeug müssen zwei Männer für sechs Monate ins Gefängnis. Vor dem Frankenberger Amntsgericht wurde über gewalttätige Auseinandersetzung in einer Röddenauer Wohnung verhandelt. Dabei wurde ein 40-jähriger Mann schwer verletzt.

Ein 37-jähriger Frankenberger und ein 24-jähriger Röddenauer haben nach Auffassung des Amtsgerichts einen 40-jährigen Mann bei einer Schlägerei mit Bierflaschen beworfen und schwer verletzt. Der 40-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch, eine Platzwunde am Kopf und Prellungen. Außerdem musste ein Glassplitter aus seinem Auge entfernt werden. Die beiden Angeklagten räumten ihre jeweilige Tatbeteiligung mehr oder weniger ein, machten aber über Auslöser und Verlauf der Auseinandersetzung völlig andere Angaben als der Verletzte. Der Streit und die Schlägerei spielten sich in der Wohnung des Röddenauers ab. Die beiden Angeklagten waren alkoholisiert und hatten Haschisch konsumiert. Der 40-Jährige gab an, lediglich eine Flasche Bier getrunken zu haben. Während die Angeklagten erklärten, ihr späteres Opfer habe sich über einen freundschaftlichen Kuss der beiden aufgeregt und sie wegen vermeintlicher homosexueller Neigungen beschimpft und tätlich angegangen, berichtete der Verletzte über einen gänzlich anderen Tathintergrund: Er sei zusammen mit seiner damaligen Verlobten in die Wohnung des Röddenauers gekommen, weil seine Verlobte dort nach Diebesgut suchen wollte, das die beiden Angeklagten angeblich bei einem früheren Einbruch aus dem Keller des Wohnhauses der Frau entwendet haben sollen. Der Streit sei entbrannt, als die beiden Angeklagten von ihnen auf den angeblichen Diebstahl angesprochen wurden. Darüber seien die beiden Männer so in Rage geraten, dass sie ihn mit den Bierflaschen angegriffen hätten. Den genauen Ablauf der Ereignisse konnte das Gericht nicht eindeutig klären, da sich die Aussagen der Angeklagten und des Geschädigten in wesentlichen Details widersprachen und die Frau keine zuverlässigen Angaben, sich stattdessen aber durch widersprüchliche Aussagen unglaubwürdig machte. Ein weiterer Zeuge, der in der Wohnung des Röddenauers zugegen gewesen war, gab an, einen „totalen Filmriss“ infolge starken Alkoholkonsums zu haben und sich an rein gar nichts mehr zu erinnern. Deutlich wurde zumindest, dass alle Personen sich bereits früher am Tag auf der Wehrweide in Frankenberg getroffen hatten und gemeinsam im Wagen der Frau nach Röddenau gefahren waren. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Angeklagten schon angetrunken gewesen. Sie sagten, man habe sich zu einem gemütlichen Beisammensein in der Wohnung des 24-Jährigen treffen wollen. Der 40-Jährige sei aggressiv geworden, weil kein Bier mehr dagewesen sei und dann ausgerastet, als die beiden Angeklagten sich zum Spaß küssten. Er sei auf den 37-Jährigen losgegangen, worauf ihn der 24-Jährige mehrfach erfolglos der Wohnung habe verweisen wollen. Die Auseinandersetzung sei schließlich eskaliert, es sei zu einem Handgemenge gekommen und die Bierflaschen wurden auf den 40-jährigen geworfen. Der sagte dagegen aus, er und seine Verlobte hätten zunächst einen anderen Mann besucht, der im selben Haus in Röddenau wohne. Von dort seien sie nur kurz in die Wohnung des 24-Jährigen gegangen, um nach dem vermeintlichen Diebesgut zu schauen. Die ganze Auseinandersetzung verlagerte sich schließlich von der Wohnung auf den Hof vor dem Gebäude, wo sich die drei Männer weiter prügelten. Die beiden Angeklagten beschrieben den 40-Jährigen als den eigentlichen Aggressor, gegen den sie sich zur Wehr setzten. Dieser sagte, er sei schon durch die erste Bierflasche so schwer verletzt worden, dass er benommen war und kaum noch etwas habe erkennen können. Er habe sich gegen die Angriffe der beiden Angeklagten so gut es ging verteidigt. Schließlich gelang es ihm, vom Hof zu fliehen. Im Laufe der Verhandlung kamen noch der Einsatz verschiedenen Gegenstände als Waffen zur Sprache, etwa eines Baseballschlägers und einer Gasflasche, von denen aber keiner durch die Polizei sichergestellt werden konnte. Auch der Bericht über ein langes Küchenmesser, mit dem der 40-Jährige die beiden Angeklagten bedroht haben soll, stellte sich als unzutreffend heraus. Welche Version auch immer richtig gewesen sein mag, Richterin Andrea Hülshorst sah es am Ende der Verhandlung als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten den 40-Jährigen bei der Auseinandersetzung in der Wohnung mit den Bierflaschen verletzt hatten und folgte der Forderung der Staatsanwältin, die sechs Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung beantragt hatte. Damit lag sie am unteren Ende des möglichen Strafmaßes für gefährliche Körperverletzung. Strafmildernd wurde gewertet, dass beide Angeklagte sich geständig zur Tat eingelassen hätten. Außerdem standen beiden zur Tatzeit unter erheblichem Drogen- und Alkoholeinfluss, was ihre Schuldfähigkeit vermindert habe. Wegen ihres umfangreichen und einschlägigen Vorstrafenregisters hielten Staatsanwältin und Richterin die Aussetzung der Haftstrafe zur Bewährung für ausgeschlossen. Beide Verurteilten gaben an sich, in Therapie begeben zu wollen. Alle Parteien verzichteten auf Rechtsmittel.

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