Regenerative Energien in Burgwald

"Gewi" plant Windräder in Ernsthausen

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Wotan hat bei der Gemeinde Burgwald vorgefühlt, ob die Bürger mit 200 Meter hohen Windrädern einverstanden wären. Auch eine Husumer Firma wartet die Entscheidung ab, weil derzeit nur in der Höhe Anlagen rentabel seien.Archivfoto: Mark Adel

Burgwald-Ernsthausen - Nicht nur Wotan möchte bei Ernsthausen in 200 Meter hohe Windräder investieren. Auch die Firma „Gewi“ aus Husum steckt in der Planung. Die Bürger hingegen sind skeptisch, ob höhere Windräder mehr Ertrag bringen, als die bisherigen.

Die Firma Wotan hat noch keinen Bauantrag gestellt, klopft aber derzeit ab, ob zwei 200 Meter hohe Windräder in Ernsthausen möglich sind. Neben Voranfragen bei den Genehmigungsbehörden hat Wotan auch die Gemeinde gefragt, ob sie überhaupt neue Windräder oberhalb von Ernsthausen möchte. Dafür müsste die Gemeinde nämlich den Flächennutzungsplan ändern. In diesem Plan sind 150 Meter als maximale Höhe festgesetzt (die FZ berichtete).

Wotan ist allerdings nicht die einzige Firma, die bei Ernsthausen Energie aus Wind erzeugen möchte: Die Firma „Gewi“ aus Husum plant laut Rolf Brückner, zuständig für die Projektakquise, etwa vier Anlagen. „Wir haben allerdings noch das Problem mit dem Wind: Bei 150 Metern kommen wir nicht in die Höhen, in denen der Wind ist.“ Schließlich kenne Brückner die Zahlen des Mitbewerbers Wotan. „Wir sind froh, dass wir nicht den Sprung ins kalte Wasser gewagt haben.“ 25 Prozent weniger Ertrag als erwartet sei kaum tragbar für eine Firma. Also warte „Gewi“ die Entscheidung der Gemeinde ab. Lässt Burgwald keine höheren Windmühlen zu, müsse „Gewi“ technische Neuerungen abwarten, die auch in windarmen Regionen genügend Ertrag bringen.

Mit mehr als 30 Bürgern hat der Ortsbeirat am Donnerstagabend über die Höhe der geplanten Anlagen diskutiert - und es wurden einige kritische Stimmen laut. Ein Bürger wies darauf hin, dass auch die 60 Meter und 150 Meter hohen bestehenden Windräder durch größere ersetzt werden könnten, wenn die Gemeinde den Nutzungsplan ändert. „Ich hab von dem südlichsten Windrad regelmäßig Schlagschatten in meiner Küche“, erklärte ein anderer Bürger. Das sei für ihn in Ordnung. „Aber noch höhere Windräder will ich nicht.“

Ortsbeiratsmitglied Stefan Sommer erklärte, dass die Fläche oberhalb von Ernsthausen im Regionalplan nicht mehr als Vorranggebiet erfasst sei, jedoch als Bestandsgebiet, in dem weitere Windräder gebaut werden dürften. „Da werden aber keine 20 mehr gebaut. Weil ein Windrad einem anderen nicht den Wind wegnehmen darf, gibt es eine technische Grenze.“

Viel mehr als Störungen durch Schatten kritisierten die Ernsthäuser die technische Seite und die Firma Wotan. „Die Vorstellung des Projekts im Ausschuss der Gemeindevertretung war sehr dürftig“, berichtete Ortsvorsteher Frank Kleinwächter: Ein paar Bilder, wenig Zahlen, keine konkreten Gutachten.

„Es fließen Subventionen in die Windräder, die wir alle bezahlen. Und dann bringen sie nicht die erwartete Leistung“, bemängelte Kleinwächter. Für Abschreibeobjekte hält Hermann Briel diese Windräder. „Mir sind Windräder vor der Tür lieber als Kühlreaktoren“, betonte er. „Aber nicht, wenn sie nur dastehen.“ Klaus Klimschka erklärte, dass es keine Windgutachten für Ernsthausen gebe, sondern die erwarteten Erträge sich lediglich auf Computersimulationen stützen. „Es hat sich jetzt schon zwei Mal erwiesen, dass diese Simulationen falsch sind. Da sind wir schlicht und einfach beschissen worden“ - deshalb werde er sich nicht auf die Berechnungen für die geplanten Windräder verlassen. „Außerdem haben wir alle die Erfahrung gemacht, wie verlässlich der Partner Wotan ist.“ Einige Bürger führten an, dass die Firma nach fast drei Jahren immer noch nicht die Feldwege instand gesetzt habe, die sie für den Bau der 150 Meter-Anlagen befahren haben.

„Vom Stand der Technik her macht es derzeit keinen Sinn, neue Windräder zu bauen“, sagte Kleinwächter. Auch er möchte bessere Technik für windarme Regionen abwarten.

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