Frankenberger Orgelzyklus

Glanzvolle Musik zum "Tag der Engel"

Der Kantor der Marburger Elisabethkiche, Nils Kuppe, bestritt ausdrucksstark und mit großem Können seine Auswahl an Kompositionen im „Frankenberger Orgelzyklus“. Foto: Gerlinde Himmelmann

Frankenberg - Einst wurde der 29. September wie ein großer Festtag begangen - war er doch dem Bezwinger des Teufels, dem Erzengel Michael geweiht. Später wurden die Erzengel Gabriel und Raphael in den Feiertag mit einbezogen. Die Thematik war Vorgabe für ein Konzert im "Orgelzyklus".

„Ich muss zugeben, das war schon eine große Herausforderung, passende Musik zu dem Engelsthema zu finden“, sagte Kantor und Organist Nils Kuppe zu der Aufgabe für das dritte Konzert des „Orgelzyklus“. So hatte Kuppe das Lied „Herr Gott, dich loben alle wir“, dem in alten Gesangbüchern aufgeführten Wochenlied zum Michaelistag, in unterschiedlichen Bearbeitungen in sein Programm aufgenommen.

Einem roten Faden gleich zogen sich die Stücke durch das Konzert und ließen die Besucher die Ausdrucksmöglichkeiten von Johann Gottfried Walter, Georg Friedrich Kauffmann, Friedrich Wilhelm Zachow und Johann Pachelbel vergleichen.

Der seit 2005 in Marburg tätige Kantor Kuppe eröffnete sein Programm mit der brillant vorgetragenen Orgelkomposition Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur, BWV 564, von Johann Sebastian Bach. Schnelle Manualläufe zu Beginn, langsamer, zarter und harmonischer Satz im Adagioteil und die abschließende, vierstimmige Fuge zeichnen das mit großer Spielfreude präsentierte Werk aus. Einen Einblick in das Schaffen des Komponisten Dietrich Buxtehude erlebten die rund 60 Besucher im zweiten Teil. Kuppe wählte dazu die Praeludien C-Dur (BuxWV 137) und g-moll (BuxWV 148) aus. Machtvoll brausend, weich und zart an anderer Stelle, ließ Nils Kuppe die Orgeltöne durch das Kirchenschiff erschallen. Buxtehudes Kompositionen nutzen die vielfältigen Möglichkeiten, die die frühbarocken norddeutschen Orgel boten. Durch das groß ausgebaute und über viele Register spielbare Pedal wurde ein eigenständiges und den Händen ebenbürtiges Spiel mit den Füßen möglich, das Kuppe dem Publikum gleich zu Beginn des Praeludiums C-Dur virtuos demonstrierte.

Hommage à Buxtehude

Auch den zeitgenössischen tschechischen Komponisten Petr Eben (1929-2007) hatte er in sein Programm aufgenommen: Als 15-jähriger Orgelschüler erlebte Kuppe den Fortschritt der Komposition „Hommage à Buxtehude“ mit, zählte doch sein Orgellehrer zu den ersten, die diese Komposition abschnittweise spielen durften.

Unschwer für die Zuhörer zu erkennen war, dass die beiden im Vorfeld gehörten Kompositionen Buxtehudes die Grundlage der „Hommage“ bildeten. Kunstvoll verfremdet und mit einer „Ciciona“, einem sich immer wiederholenden Bass endend, über dem sich verschiedene Variationen entfalten, zollt die Ebens „Hommage“ dem Schaffen Buxtehudes Tribut.

Für den Abschluss seines Konzertes in der Liebfrauenkirche wählte Kuppe die 6. Sonate von Felix Mendelssohn Bartholdy. Den Choral „Vater unser im Himmelreich“ lässt der Komponist zum Ausgangspunkt einer beeindruckenden Variationsfolge werden. Die Sonate endet leise und zartfühlend, ausdrucksstark auch in ruhigen Passagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare