Keine Kinderpornografie auf Computer

Glatter Freispruch für Angeklagten

Marburg. „Ich muss davon ausgehen, dass Sie das nicht waren“, mit diesen Worten hat Amtsrichter Johann Lessing den Freispruch gegen einen 41-jährigen Mann aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf begründet, dem Besitz und Verbreitung eines Videos mit kinderpornografischen Inhalts zur Last gelegt worden waren. Fest stand zum Ende der Beweisaufnahme lediglich, dass die Datei über die IP-Adresse des Mannes gelaufen war, belastendes Material wurde bei ihm aber nicht gefunden.

Die Anklage war davon ausgegangen, dass der Mann in seiner damaligen Wohnung in den frühen Morgenstunden des 24. November 2008 eine Videosequenz, die ein etwa acht- bis zehnjähriges Mädchen beim Oralverkehr zeigt, aus dem Internet heruntergeladen hat und anschließend auf einer einschlägigen Plattform anderen Nutzern zur Verfügung stellte. Grundlage waren Ermittlungen der unabhängigen Recherchestelle in München, die die Internetadresse des Angeklagten feststellte.

Der Angeklagte hatte gegen einen Strafbefehl Widerspruch eingelegt. In der Verhandlung vor dem Marburger Amtsgericht beteuerte der Mann seine Unschuld. Er habe zum Tatzeitpunkt gar keinen Computer besessen. Den von der Polizei später sichergestellten Rechner habe er erst im Januar 2009 erworben. Das bestätigte ein Bekannter des Mannes dem Gericht.

Wie ein Sachverständiger ausführte, waren auf dem neuen Gerät keinerlei belastende Dateien gefunden worden. Allerdings stellte er klar, dass die Durchsuchungen nach Ermittlung der Adresse öfters so lange auf sich warten ließen, dass ein Computer durch einen neuen ersetzt worden sei. „Und dann ist der alte Beweis auch nicht mehr da.“ Jedoch sei auch bei der Wohnungsdurchsuchung durch die Polizei kein kinderpornografisches Material gefunden worden, sagte ein Beamter aus.

W-Lan von anderen nutzbar

Sein alter Computer sei im Juli 2008 kaputt gegangen, sein W-Lan-Gerät, mit dem er zuvor drahtlos ins Internet gegangen sei, habe er jedoch nicht ausgestellt, berichtete der Angeklagte weiter. Auf Nachfrage des Gerichts betonte der Sachverständige, dass es nicht ausgeschlossen werden könne, dass in dem Haus mit zwölf Wohnungen auch ein anderer damit den Internetanschluss habe nutzen können, auch wenn der Empfang nicht weit reiche.

So war letztendlich auch die Staatsanwaltschaft nicht mehr von der Schuld des Angeklagten überzeugt und beantragte wie die Verteidigung Freispruch. (kse)

Quelle: HNA

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